Für das Jahr 2026 wird in Brandenburg eine spürbar höhere Apfelernte prognostiziert: Nach einer ersten Schätzung des Amts für Statistik Berlin‑Brandenburg werden insgesamt rund 22.800 Tonnen erwartet, gegenüber 16.600 Tonnen im Vorjahr. Der voraussichtliche Flächenertrag liegt mit knapp 31 Tonnen je Hektar über dem Mittel der Jahre 2020 bis 2025 (Ø 22,9 Tonnen/ha).
Regionale Unterschiede prägen das Ergebnis
Trotz der insgesamt positiven Erwartung weist die Prognose deutliche regionale Unterschiede auf. Das Amt für Statistik betont, dass das endgültige Ergebnis noch stark vom weiteren Wetterverlauf abhängt. Zwar habe es in diesem Jahr nach Angaben der Behörde weniger Frostschäden gegeben, zugleich hätten Hitzewellen im Juni den Bäumen zugesetzt, was Ertrag und Qualität an einzelnen Standorten beeinträchtigen könne.
Die Bedeutung des Apfelanbaus in Brandenburg bleibt bestehen, wenngleich sich die Struktur leicht verändert: Die Anbaufläche nahm von 755 Hektar im Vorjahr auf 735 Hektar ab. Zu den führenden Tafelobstsorten zählen Elstar, Gala, Pinova und Jonagold. Die Hauptanbaugebiete liegen in den Landkreisen Potsdam‑Mittelmark und Märkisch‑Oderland sowie in der Stadt Frankfurt (Oder).
Produzenten berichten von massiven Ertragseinbußen
Die aggregierten Zahlen überdecken teils starke Betriebsschwankungen. So berichtet der Obstbauer Thomas Bröcker aus Frankfurt (Oder) von erheblichen Verlusten in seinem Betrieb. Er, zugleich Vizepräsident des Gartenbauverbandes Berlin‑Brandenburg, schätzt die Einbußen in seinem Betrieb auf rund 50 Prozent. Neben Frost habe auch die Hitze am Baum Schäden verursacht.
„Es gab doch ne ganze Menge Frostschäden“, sagte der Obstbauer. „Man kann kaum noch Geld verdienen.“
Bröcker kritisiert zugleich die Marktseite: Trotz steigender Produktionskosten komme für ihn ein Kilogramm Äpfel nur noch auf etwa 28 Cent. Solche Preise belasten die Rentabilität vieler kleiner und mittlerer Betriebe und können langfristig Auswirkungen auf die Anbauentscheidung haben.
Folgen für Erzeuger und Markt
Die Daten legen nahe, dass sich die volkswirtschaftliche Bedeutung der Apfelproduktion in Brandenburg stabil zeigt, während einzelne Betriebe wirtschaftlich unter Druck stehen. Relevante Punkte sind:
- Gesamtmenge 2026: 22.800 Tonnen (Prognose)
- Flächenertrag: etwa 31 t/ha (über dem Fünfjahresmittel)
- Anbaufläche: gesunken auf 735 ha
- Marktpreisbeispiel: 0,28 Euro/kg beim genannten Betrieb
Für einzelne Produzenten sind solche Preise bei gleichzeitig steigenden Inputkosten nicht kostendeckend. Das kann zu vermehrtem Ausscheiden kleinerer Anbieter oder zur Reduktion von Anbaufläche führen, was mittelfristig die Versorgung lokaler Marktsegmente beeinflussen könnte.
| Jahr | Ernte (t) | Anbaufläche (ha) | Ertrag (t/ha) |
|---|---|---|---|
| 2025 | 16.600 | 755 | ≈ 22,0 |
| 2026 (Prognose) | 22.800 | 735 | ≈ 31 |
Die Unterschiede zwischen den Betrieben dürften das Preisniveau und die Vermarktungsstrategie beeinflussen: Anbieter mit hohen Verlusten könnten verstärkt auf Direktvermarktung, Verarbeitung oder Diversifizierung setzen, während größere, effizientere Betriebe von besseren Erträgen profitieren. Ob dies jedoch zu einer nachhaltigen Verbesserung der Einkommenslage der Obstbauern führt, bleibt offen und hängt auch von der weiteren Preisentwicklung auf Großmärkten und im Lebensmitteleinzelhandel ab.
Das endgültige Bild der Ernte 2026 wird die späteren Erhebungen des Amts für Statistik liefern. Bis dahin bleibt die Bilanz eine Mischung aus relativer Mengensteigerung auf regionaler Ebene und realen wirtschaftlichen Belastungen auf Betriebsebene.