Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) hat die Bundesregierung zu schnelleren und konkreteren Schritten im Kampf gegen die Folgen des anhaltenden Niedrigwassers aufgerufen. Die Pegel am Rhein würden sich auf historisch niedrigen Niveaus bewegen, erklärte BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen der Rheinischen Post und betonte, dass Binnenschiffe nicht ohne Weiteres durch andere Verkehrsträger ersetzt werden könnten.
Dreipunkteplan der Branche
Der Verband legte einen Dreipunkteplan vor, um die Versorgungssicherheit auf den Flüssen zu verbessern und die ökologische Belastung zu mindern. Kernforderungen sind:
- Fortsetzung der Förderung für niedrigwasseroptimierte Schiffe über das Jahresende hinaus, um kurzfristig Kapazitäten und Anpassungen zu ermöglichen.
- Beschleunigter Ausbau der Fahrrinnen am Mittel- und Niederrhein; das bisherige Zieldatum 2033 bewertet der Verband als zu spät.
- Schnelle Prüfungen und Maßnahmen durch Behörden, um das Wasser im Rhein stärker zu stauen, statt ungebremst Richtung Niederlande abfließen zu lassen.
Konkrete Wirkungserwartung und Dringlichkeit
Der BDB verweist darauf, dass ein beschleunigter Ausbau der Fahrrinnen rund 20 Zentimeter zusätzliche Abladetiefe bringen könne. Diese Größenordnung hat unmittelbare Folgen für die Transportkapazität der Schiffe: Geringere Wassertiefen reduzieren die Beladung und damit den Frachtumsatz auf einer der wichtigsten europäischen Verkehrsachsen.
| Maßnahme | Erwarteter Effekt |
|---|---|
| Weiterführung der Förderung | Erhöhte Investitionsbereitschaft für niedrigtaugliche Schiffe |
| Beschleunigter Ausbau der Fahrrinnen | ~20 cm mehr Abladetiefe |
| Stau-Maßnahmen ab Iffezheim | Bessere Wasserrückhaltung, Entlastung der Pegel |
Verkehrsverlagerung keine kurzfristige Lösung
Schwanen hob hervor, dass weder Bahn noch Lkw kurzfristig ausreichende Kapazitäten zur Verfügung stellen könnten, um den Wegfall von Schiffstransporten zu kompensieren. Damit richtet sich die Forderung des Verbandes nicht nur an die Verkehrs- und Infrastrukturpolitik, sondern auch an die Finanz- und Investitionsplanung des Bundes.
„Weder die Bahn, noch Lkw-Speditionsunternehmen können ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stellen, um die Güter von den Schiffen ohne Einschränkungen transportieren zu können.“
Ökologische Zuspitzung als gesamtgesellschaftliche Herausforderung
Der BDB warnt daneben vor weitreichenden ökologischen Folgen der Trockenperiode: Massives Fischsterben, ausgetrocknete Auen, hohe Wassertemperaturen und Sauerstoffmangel gefährdeten den Rhein als Lebensraum. Schwanen bezeichnete diese Entwicklung als eine Angelegenheit, die die Gesellschaft insgesamt betrifft.
Die derzeitigen Tiefstände an großen deutschen Flüssen stellen die Binnenschifffahrt vor erhebliche Probleme. Am Rhein wurden zuletzt in Nordrhein-Westfalen historische Tiefstände gemessen. Vor diesem Hintergrund erscheint die Forderung nach schnellen, zielgenauen Maßnahmen sowohl für die Wirtschaft als auch für die Umwelt dringlich.
Wie die Bundesregierung auf die Vorschläge reagieren wird, bleibt abzuwarten. Konkrete Zusagen zu einer Fortführung der Förderung, zu beschleunigten Ausbauarbeiten an den Fahrrinnen oder zu Maßnahmen zur Wasserzurückhaltung stehen bislang nicht fest; der BDB fordert jedoch, dass die Politik rasch handelt, um Versorgungssicherheit und ökologische Stabilität zu gewährleisten.