Wiedergefundenes Steinbeil gibt Einblick in prähistorische Nutzung des Raums
Gütersloh. Ein mehrere tausend Jahre altes Werkstück aus der Jungsteinzeit ist in Gütersloh erneut öffentlich gezeigt worden. Bernhard Becker vom Heimatverein Spexard präsentierte das Fundstück, das sein Vater Paul Becker vor etwa 80 Jahren auf dem elterlichen Hof im Bereich des Ohlbrocks entdeckt hatte. Paul Becker ist 2025 verstorben; das Steinbeil galt lange als verschollen und tauchte erst kürzlich im Nachlass wieder auf.
Der Stadtarchäologe Johannes W. Glaw untersuchte das Objekt vor Ort und nahm eine erste fachliche Einordnung vor. Nach seiner Einschätzung handelt es sich um ein Arbeitsbeil aus Felsenstein, das in die Zeit um etwa 3.000 bis 4.000 vor Christus datiert werden kann. Glaw betonte die Bedeutung solcher Einzelstücke für das Verständnis prähistorischer Nutzungs- und Siedlungsmuster in der Region.
„Der wunderbare und schöne Fund zeigt uns, dass zu dieser Zeit Menschen dieses Gebiet immer wieder aufgesucht haben.“
Bedeutung und Nutzung des Fundstücks
Das Objekt weist eine symmetrische Bearbeitung auf und war offenbar mit einem Stiel verbunden. Glaw schätzt, dass das Beil vermutlich als Arbeitsgerät beim Fällen von Bäumen oder in der Feldarbeit Verwendung fand:
„Das Steinbeil war mit einem Stil verbunden und ist symmetrisch bearbeitet. Vermutlich hat es ein Mensch verloren der als Ackerbauer oder Viehzüchter gelebt hat.“
- Fundort: tiefe Wiese im Bereich Ohlbrock (elterlicher Bauernhof)
- Finder: Paul Becker (vor rund 80 Jahren)
- Wiederentdeckung: durch Sohn Bernhard Becker im Nachlass
- Erste Begutachtung: Stadtarchäologe Johannes W. Glaw
- Zeitliche Einordnung: ca. 3.000–4.000 v. Chr. (Jungsteinzeit)
Weiteres Vorgehen und Kontext
Zur genauen wissenschaftlichen Untersuchung wird das Steinbeil an die Archäologie-Außenstelle des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) in Bielefeld übergeben. Dort soll das Fundstück vermessen, nachgezeichnet und fotografisch dokumentiert werden. Nach Abschluss der Untersuchungen ist vorgesehen, das Objekt an die Finderfamilie zurückzugeben.
In der Stadt Gütersloh sind bisher nur wenige Funde aus der Jungsteinzeit bekannt. Glaw verweist auf zwei vergleichbare Beile, die in den Ortsteilen Avenwedde und Sundern entdeckt wurden, sieht aber keinen direkten Hinweis auf ein durchgängiges Siedlungsareal allein aufgrund dieses einzelnen Fundes. Vielmehr liefere das Beil einen weiteren Puzzlestein für die Rekonstruktion menschlicher Aktivitäten in der Region während einer Zeit des grundlegenden Wandels hin zu sesshafter Lebensweise.
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Material | Felsenstein |
| Fundzeit (Entdeckung) | vor rund 80 Jahren |
| Historische Einordnung | Jungsteinzeit, ca. 3.000–4.000 v. Chr. |
| Weitere Schritte | Untersuchung und Dokumentation durch LWL in Bielefeld |
Der Fund illustriert nicht nur die längere Besiedlungsgeschichte des Gebietes, sondern erinnert auch an die Bedeutung lokaler Nachlässe für die Erforschung der Regionalgeschichte. Für den Heimatverein Spexard und die örtliche Erinnerungskultur ist die Präsentation des Steinbeils ein Ereignis von regionaler Relevanz: Sie verknüpft privat überlieferte Zeugnisse mit der fachlichen Archäologie und schafft so Transparenz über Herkunft und Bedeutung alter Artefakte.
Die genaue wissenschaftliche Auswertung durch den LWL dürfte zusätzliche Informationen über Herstellungstechnik und Gebrauchsspuren liefern und damit die regionale Fundlandschaft weiter ergänzen. Für Bürgerinnen und Bürger bleibt wichtig, dass solche Funde möglichst professionell gesichert werden, damit ihre Aussagekraft für die Rekonstruktion vergangener Lebenswelten erhalten bleibt.