Ein altes, aus Felsenstein gearbeitetes Steinbeil aus der Jungsteinzeit ist in Gütersloh-Spexard wieder zutage getreten. Das Fundstück, das auf das 3.000 bis 4.000 v. Chr. datiert wird, wurde nun der Öffentlichkeit vorgestellt. Entdeckt hatte es vor rund 80 Jahren der verstorbene Ortslandwirt Paul Becker auf der Wiese am Ohlbrocks auf dem elterlichen Hof; lange galt das Werkzeug als verschollen, bis es sein Sohn Bernhard Becker im Nachlass wiederfand.
Stadtarchäologe nimmt Fund vor Ort in Augenschein
Der Gütersloher Stadtarchäologe Johannes W. Glaw begutachtete das Fundstück vor Ort, um seine Einordnung vorzunehmen. Nach seiner Einschätzung handelt es sich um ein Arbeitsgerät, das vermutlich zum Fällen von Bäumen gedient hat. Das Beil sei symmetrisch bearbeitet und ursprünglich mit einem Stiel verbunden gewesen, so Glaw.
„Der wunderbare und schöne Fund zeigt uns, dass zu dieser Zeit Menschen dieses Gebiet immer wieder aufgesucht haben.“
Glaw betonte zugleich, dass aus der Zeit der Jungsteinzeit in der Stadt Gütersloh bislang nur wenige Funde bekannt sind. Als Vergleich nannte er zwei weitere, ähnliche Beile, die in den Ortsteilen Avenwedde und Sundern gefunden worden sind. Ein eindeutiger Rückschluss auf ein ausgedehntes Siedlungsgebiet lasse sich aus dem Einzelbefund jedoch nicht ziehen.
Weitere Schritte: Vermessung und Dokumentation durch den LWL
Das Steinbeil wird nun zur Außenstelle der Archäologie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) nach Bielefeld gebracht. Dort stehen geplante Maßnahmen wie Vermessung, Nachzeichnung und Fotografierung an, um das Objekt fachgerecht zu dokumentieren. Nach Abschluss der Untersuchungen soll das Fundstück an die Finderfamilie zurückgegeben werden.
- Fundort: Wiese am Ohlbrocks, Spexard (elterlicher Bauernhof)
- Alterseinschätzung: etwa 3.000–4.000 v. Chr. (Jungsteinzeit)
- Weiteres Vorgehen: Untersuchung durch LWL-Archäologie in Bielefeld, anschließende Rückgabe an Familie
Kontext und Bedeutung für die Region
Die Jungsteinzeit ist in Westfalen durch den Übergang zu sesshafter Lebensweise und landwirtschaftlicher Tätigkeit gekennzeichnet. Funde wie das jetzt präsentierte Steinbeil liefern Hinweise auf wiederkehrende Nutzungen der Landschaft durch frühe Ackerbauern oder Viehzüchter, auch wenn sie allein keine großflächigen Siedlungsstrukturen belegen. In Gütersloh sind derartige Zeugnisse rar, weshalb das Wiederauftauchen eines solchen Fundstücks regionales Interesse erzeugt.
Der wiederentdeckte Fund dokumentiert zugleich die Bedeutung privater Sammlungen und Nachlässe für die regionale Archäologie. Ohne die Initiative von Bernhard Becker wäre das Beil möglicherweise weiterhin unbekannt geblieben. Die fachliche Begutachtung durch die Stadt und die Weiterleitung an die LWL sichern eine wissenschaftlich verwertbare Dokumentation.
| Fundstück | Fundort | Zeitraum |
|---|---|---|
| Steinbeil (neu vorgestellt) | Spexard, Ohlbrocks | Ca. 3.000–4.000 v. Chr. |
| Ähnliche Beile | Avenwedde, Sundern | Jungsteinzeit (nicht genauer datiert) |
Für die Einwohner von Gütersloh bedeutet der Fund eine Bestätigung, dass die Region bereits in prähistorischer Zeit genutzt wurde und dass kleinräumige Funde wichtig sind, um ein umfassenderes Bild der frühen Geschichte zu zeichnen. Die nächsten Wochen werden zeigen, welche weiteren Erkenntnisse die detaillierte Untersuchung in Bielefeld erbringt. Bis dahin bleibt das Steinbeil ein Stück lokaler Vergangenheit, das nach Jahrzehnten wieder ins Licht der Öffentlichkeit gerückt ist.