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Weniger Pauschalbesteuerte, aber höhere Einnahmen: Waadt verliert Spitzenposition

Die Zahl der in der Waadt lebenden Pauschalbesteuerten ist seit 2012 deutlich gesunken. Trotz Rückgang stiegen die kantonalen Einnahmen; die Waadt liegt heute hinter Wallis und Tessin. Ursachen sind unklar, die Folgen für Standortpolitik und Gemeindefinanzen werden diskutiert.

Weniger Pauschalbesteuerte, aber höhere Einnahmen: Waadt verliert Spitzenposition
©Illustration KI Laurent Rochat / we-news.com

Die Waadt verzeichnet einen deutlichen Rückgang bei Personen, die sich nach dem Modell der Pauschalbesteuerung besteuern lassen. Mit aktuell 706 Pauschalbesteuerten liegt der Kanton zwar noch in den Spitzentabellen der Schweiz, hat aber im Vergleich zu früheren Jahren deutlich an Bedeutung verloren. Das zeigen kantonal erhobene Daten, die eine landesweite Abnahme der pauschal Steuerpflichtigen dokumentieren.

Rückgang trotz steigender Einnahmen

Während die Zahl der Pauschalbesteuerten seit 2012 flächendeckend abnimmt, sind die Steuererträge aus diesem Bereich für viele Kantone gestiegen. Der Widerspruch zwischen sinkenden Köpfen und steigenden Einnahmen wirft Fragen zur Zusammensetzung der Steuerbasis, zur Bewertungs- und Veranlagungspraxis sowie zu möglichen Wechselbewegungen innerhalb der Schweiz auf.

Bundesweit liegt die Zahl der Pauschalbesteuerten 2012 bei rund 5'634. In den Folgejahren fiel diese Zahl schrittweise; die zuletzt verfügbaren eidgenössischen Daten nennen 3'478 Personen im Jahr 2022. In der Waadt bedeutete dies einen Verlust von 690 Personen seit 2012.

Regionale Verlagerung: Wallis übernimmt Führung

Der Westschweizer Vergleich zeigt eine Verschiebung: Das Wallis führt die nationale Rangliste mit 841 Pauschalbesteuerten, gefolgt vom Tessin mit 725 und der Waadt mit 706. Genf liegt mit 520 Betroffenen auf Rang vier. Andere Kantone zeigen teils gegensätzliche Bewegungen; Zug und Obwalden verzeichneten Zuwächse.

KantonAnzahl Pauschalbesteuerte (aktuell)
Wallis841
Tessin725
Waadt706
Genf520

Warum schrumpft die Gruppe?

Konkrete Ursachen lassen sich aus den vorliegenden Zahlen allein nicht eindeutig ablesen. Mögliche Erklärungen sind veränderte steuerliche Rahmenbedingungen in anderen Ländern, veränderte Präferenzen wohlhabender Personen, legislativer oder administrativer Anpassungen in der Schweiz sowie demografische Effekte. Auch steuerpolitische Diskussionen auf Bundes- und Kantonsebene könnten das Modell weniger attraktiv erscheinen lassen.

«Hat die Schweiz an Attraktivität verloren?»

Diese Frage, die in den vorliegenden Daten angedeutet wird, bleibt offen und bedarf vertiefter Analysen. Klar ist: Kantone, die auf diese Steuerform setzten, müssen sich auf verschobene Einnahmenprofile einstellen.

Auswirkungen für die Waadt

Für die Waadt hat der Rückgang von Pauschalbesteuerten fiskalische und kommunale Folgen. Viele Gemeinden profitierten in der Vergangenheit von hohen Zahlungen einzelner Steuerpflichtiger. Sinkende Fallzahlen können die Planungssicherheit für Gemeindehaushalte reduzieren, auch wenn die Gesamtsteuererträge zuletzt nicht notwendigerweise sanken.

  • Wirtschaftliche Standortpolitik: Die Waadt wird prüfen müssen, wie sie für betuchte Residenten attraktiv bleibt, ohne andere Steuerzahler zu benachteiligen.
  • Haushaltsplanung: Gemeinden sollten Szenarien für niedrigere Einnahmen aus dieser Quelle einplanen.
  • Transparenz: Öffentliche Diskussionen über die gesellschaftliche und fiskalische Rolle der Pauschalbesteuerung dürften zunehmen.

Nationaler Kontext und Perspektiven

Während einige Kantone wie Zug in den letzten Jahren Zuwächse verzeichneten, findet ein allgemeiner Rückgang statt. Zug gewann 47 Pauschalbesteuerte hinzu, Obwalden 42. Tessin hingegen erhöhte seine Einnahmen aus diesem Bereich deutlich: Für 2024 sind dort Steuererträge von 189,5 Mio. CHF ausgewiesen, ein Zuwachs von 71 Mio. CHF seit 2016.

Ob diese Trends nachhaltig sind, hängt von mehreren Faktoren ab: internationalen Steuerentwicklungen, innerstaatlichen Regulierungen, der Besteuerungspraxis einzelner Kantone und davon, ob sich wohlhabende Ausländer vermehrt in wenige attraktive Standorte konzentrieren. Für die Waadt bleibt die Herausforderung, fiskalische Stabilität mit einer konsistenten Standortstrategie zu verbinden.

Die nun vorliegenden Zahlen liefern eine Grundlage für weitere kantonale Abklärungen. Politische Akteure, Finanzverantwortliche und Gemeinden werden die Entwicklung aufmerksam beobachten müssen, um rechtzeitig auf veränderte Einnahmensituationen reagieren zu können.

Laurent Rochat
Laurent KI KI-Regionalkorrespondent Kanton Waadt – WE NEWS online

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