Der Kanton Uri führt auch dieses Jahr die Präventionskampagne «Love Limits» auf der Oberstufe durch. Die Fachstelle Kindesschutz und der Schulpsychologische Dienst des Kantons bringen die interaktive Wanderausstellung vom 7. bis 28. September in sämtliche zweiten und dritten Klassen. Ziel ist es, Jugendliche für persönliche Grenzen, respektvolles Verhalten und Formen sexualisierter Gewalt zu sensibilisieren.
Warum die Kampagne jetzt wichtig ist
Verschiedene Untersuchungen weisen darauf hin, dass sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen zunimmt. Laut verfügbaren Studien geschieht dies oft im direkten Umfeld: Rund 75 Prozent der betroffenen Schülerinnen und Schüler erleben sexualisierte Gewalt durch ihnen bekannte Jugendliche unter 18 Jahren. Zusätzlich steigt die digitale Dimension dieser Übergriffe: Die James-Studie 2024 zeigt, dass etwa 15 Prozent der 12/13-Jährigen und rund 30 Prozent der 14/15-Jährigen in der Schweiz unerwünschte sexuelle Anfragen erhalten haben.
Die Zahlen legen nahe, dass viele Vorfälle in Peer-Gruppen stattfinden und dass digitale Kanäle neue Herausforderungen schaffen. Zugleich bleibt das Thema in vielen sozialen Kontexten tabuisiert, weshalb Prävention und Aufklärung als zentrale Massnahmen gelten.
Inhalt und Ansatz der Ausstellung
Im Zentrum von «Love Limits» steht die Auseinandersetzung mit Fragen zu Beziehungen, Nähe, Sexualität und persönlichen Grenzen. Die Ausstellung arbeitet interaktiv: Jugendliche setzen sich aktiv mit Situationen auseinander, in denen Grenzen verletzt werden können – etwa in Freundschaften, in Liebesbeziehungen oder bei Trennungen. Wichtige Präventionsfaktoren, die vermittelt werden, sind:
- Sich selbst treu bleiben und eigene Gefühle wahrnehmen
- Rechte und Pflichten kennen sowie verantwortungsbewusst handeln
- Gegenseitige Grenzen anerkennen und respektieren
- Sich Unterstützung holen, wenn nötig
Die Materialien richten sich primär an Jugendliche, die Ausstellung dient aber auch dazu, Lehrpersonen und Erziehungsberechtigte zu informieren und für das Thema zu sensibilisieren. Damit soll ein gesamtes Umfeld gestärkt werden, das bei Problemen orientieren und intervenieren kann.
Vorteile des Wanderausstellungs-Formats
Das Wanderausstellungs-Format ermöglicht es, alle Klassen direkt zu erreichen und den Unterricht mit praktischen, dialogorientierten Elementen zu ergänzen. Solche Formate haben den Vorteil, dass sie Diskussionen anstossen und konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigen – anders als rein theoretische Lektionen.
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Besuchszeitraum in Uri | 7. bis 28. September |
| Zielgruppen | Alle zweiten und dritten Oberstufenklassen; Lehrpersonen und Erziehungsberechtigte |
| Wesentliche Präventionsfaktoren | Selbstwahrnehmung, Respekt vor Grenzen, Rechte kennen, Hilfe einfordern |
Konkrete Bedeutung für Schulen und Eltern in Uri
Für Lehrpersonen bietet die Ausstellung eine Grundlage, um im Schulalltag sensibel mit dem Thema umzugehen und Schülergespräche zu führen. Eltern können durch die begleitenden Informationen besser einschätzen, wie sie ihre Kinder begleiten und unterstützen können. Da viele Übergriffe im bekannten Umfeld stattfinden, ist die Kooperation von Schule und Elternhaus wichtig, um Prävention wirksam zu machen.
Die Aktion weist auch auf die Rolle digitaler Medien hin: Unerwünschte sexuelle Anfragen über Chat oder soziale Medien gehören bereits für einen Teil der Jugendlichen zur Realität. Das verändert Interventionsstrategien, weil neben persönlichen Gesprächen auch digitale Kompetenzen gefördert werden müssen.
Ausblick
Die Durchführung von «Love Limits» in Uri ist Teil eines breiteren Bemühens, Sexualaufklärung und Gewaltprävention in der Schule zu verankern. Ob die Ausstellung allein schon Verhaltensänderungen bewirkt, lässt sich kurzfristig kaum messen; sie kann aber Awareness schaffen und Handlungsmöglichkeiten vermitteln, die im Einzelfall Schutz bieten. Weiterführende Massnahmen und Begleitung durch Fachstellen bleiben zentral, damit betroffene Jugendliche niederschwellig Unterstützung finden.
Die Fachstelle Kindesschutz und der Schulpsychologische Dienst des Kantons Uri stellen die Ausstellung den Oberstufen zur Verfügung und begleiten die Besuche. Weitere Informationen zur Kampagne und den Begleitangeboten sind bei den zuständigen kantonalen Stellen erhältlich.