Am Mittwochabend haben Aktivistinnen und Aktivisten vor dem Basler Rathaus eine Petition mit rund 7'000 Unterschriften übergeben. Die Forderung: Der Kanton solle die im Sommer besetzten Klybeck-Gebäude kaufen und als anerkanntes Kulturzentrum betreiben sowie Teile der Industrieensemble unter Denkmalschutz stellen.
Was die Petition verlangt
Die Eingabe richtet sich an die Regierung des Kantons Basel-Stadt. Konkret verlangt die Gruppe aus dem Umfeld der Liegenschaftsbesetzung, die sich «Zone Autonome Culturelle Klybeck» (Zack) nennt, drei Punkte:
- Der Kanton soll die ehemals besetzten Gebäude K102, K104 und K106 kaufen und als Kulturzentrum anerkennen.
- Die Bauten, die Teil der Basler Industriegeschichte sind, sollen unter Denkmalschutz gestellt werden.
- Es sollen freie, unkommerzielle Begegnungs- und Gestaltungsräume gesichert werden.
«Über 7000 Menschen wollen ein Kulturzentrum und freie, unkommerzielle Begegnungs- und Gestaltungsräume»
Die Aktivistinnen und Aktivisten überreichten die Unterschriften begleitet von Live-Musik und einem grossen, selbstgebastelten Einhorn, wie ein Keystone-SDA-Reporter beobachtete.
Vorprogramm: Besetzung und Räumung
Ende Mai 2026 hatte ein Kollektiv die drei Gebäude im Klybeck-Quartier besetzt und dort das selbstverwaltete Kulturzentrum «Zack» ausgerufen. Anfang Juli räumte die Kantonspolizei die Liegenschaften. Seither stehen die Bauten im Besitz der Versicherung Swiss Life, die einen Abbruch plant.
Ein Abbruchgesuch der Eigentümerin wurde Ende August im Kantonsblatt publiziert. Gemäss den verfügbaren Angaben sind Teile der Bauten mit Schadstoffen belastet; diese müssten bei einem Abbruch fachgerecht entfernt werden.
Kontext: Entwicklungsvorhaben «Klybeck plus»
Swiss Life und der Projektpartner Rhystadt planen auf den ehemaligen Industrieparzellen ein grosszügiges Transformationsprojekt unter dem Namen «Klybeck plus». Vorgesehen sind dem Projekt zufolge ein neues Stadtquartier auf rund 30 Hektaren mit Wohnraum für bis zu 8'500 Personen sowie Platz für etwa 7'500 Arbeitsplätze. Wie die Petition und die Besetzerbewegung darauf reagieren, ist Teil der laufenden Auseinandersetzung um Nutzung, Erhalt und Neuordnung des Areals.
Rechtslage und Entscheidungswege
Die Petition richtet sich an die Regierung des Kantons Basel-Stadt. Ein Verkauf der Liegenschaften durch Swiss Life wäre Voraussetzung für eine kantonale Nutzung. Ebenso spielt die Frage eines Denkmalschutzes eine zentrale Rolle: Nur durch eine Schutzverfügung könnten Abrisspläne rechtlich erschwert oder verhindert werden.
| Gebäude | Aktueller Eigentümer | Status laut Petenten |
|---|---|---|
| K102 | Swiss Life | ehemals besetzt; Forderung: Kauf und Kulturzentrum |
| K104 | Swiss Life | ehemals besetzt; Forderung: Denkmalschutz |
| K106 | Swiss Life | ehemals besetzt; Forderung: freie Kulturflächen |
Bedeutung für Quartier und Stadtgesellschaft
Die Auseinandersetzung um Klybeck steht exemplarisch für die Spannungen zwischen grossmassstäblicher Stadtentwicklung und selbstverwalteten Kulturprojekten. Die Petition zeigt, dass innerhalb kurzer Zeit eine breite Unterstützung für den Erhalt und die Umnutzung der Industriegebäude mobilisiert werden konnte. Entscheidend wird sein, ob Regierung und Eigentümer bereit sind, Verhandlungsformate zu öffnen oder ob das Projekt «Klybeck plus» in der bisherigen Form durchgezogen wird.
Nächste Schritte
- Die Regierung des Kantons wird die Petition formell prüfen müssen. Ein Entscheid über eine mögliche Intervention oder einen Ankauf liegt beim Regierungsrat.
- Swiss Life hat ein Abbruchgesuch publiziert; ein laufendes Planer- und Bewilligungsverfahren könnte durch Schutzbestimmungen beeinflusst werden.
- Für das Klybeck-Quartier bleibt offen, wieviel öffentliche Hand, private Investoren und zivilgesellschaftliche Akteure an der Neuordnung beteiligt werden.
Die nun übergebenen Unterschriften markieren einen weiteren Punkt in der Debatte um die Zukunft von Klybeck. Ob sie zu Verhandlungen führen oder lediglich den Konflikt um die Nutzung eines wertvollen Industrieensembles verschärfen, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen.