Im Sommer 2023 geriet das Benediktinerkloster Einsiedeln unerwartet in den Mittelpunkt einer internationalen Untersuchung der Fifa. Ermittler, beauftragt von der Fifa-Führung unter Gianni Infantino, vermuteten unter dem Kloster einen geheimen, abhörsicheren Raum, in dem sich laut Bericht Treffen von prominenten Funktionären und Geschäftspartnern abgespielt haben sollen. Nach Ermittlungen stellte sich heraus, dass der angebliche Bunker nicht existierte; das entsprechende Verfahren wurde eingestellt.
Ausgangspunkt: Streit um das Fifa-Museum
Auslöser der Untersuchungen war demnach ein interner Streit um das Fifa-Museum in Zürich. Die Fifa liess die internationale Forensik-Firma AlixPartners ermitteln, um belastendes Material gegen den früheren Präsidenten Sepp Blatter und weitere Verantwortliche zu finden. Im Zentrum der Vorwürfe stand ein angeblich überteuerter Mietvertrag, der der Fifa einen Millionenschaden verursacht haben soll.
Von Bauplänen zum mythischen Bunker
In einem zweiten Bericht rückten die Ermittler das Kloster Einsiedeln in den Fokus. Aus der Freundschaft zwischen Sepp Blatter und dem damaligen Abt Martin Werlen, aus Beteiligungen an einer Hochzeit im Kloster und aus weiteren persönlichen Kontakten konstruierten die Ermittler ein angebliches konspiratives Netzwerk. Besonders spektakulär war der angebliche Fund: Fotos und Pläne, die angeblich einen hochmodernen, abhörsicheren Raum tief unter dem Kloster zeigten, in dem zwischen 2009 und 2011 geheime Treffen stattgefunden haben sollen.
Ergebnis der Ermittlungen
Die Untersuchung führte letztlich nicht zu einer Bestätigung der spektakulären These. Die Justiz, so berichten die Recherchen, fand deutlichere Worte und stellte das Verfahren ein. Der vermeintliche Bunker konnte nicht nachgewiesen werden.
Neue Aufmerksamkeit durch ein Buch
Die Episode ist Teil eines neuen Buches des Autors Thomas Renggli mit dem Titel «Die Fussball-Mafia – wie die Fifa das schönste Spiel verkauft». Renggli rekonstruiert darin, wie die Fifa unter Infantino juristische und forensische Mittel einsetzte, um interne Gegner und frühere Amtsträger zu überprüfen. Der Fall Einsiedeln zählt laut Buch zu den bizarreren Kapiteln des Machtkampfs innerhalb des Weltfussballverbands.
- Ort: Benediktinerkloster Einsiedeln (Kanton Schwyz)
- Betroffene Personen: Sepp Blatter, Abt Martin Werlen (namentlich erwähnt in Berichten)
- Ermittler: AlixPartners im Auftrag der Fifa
- Ergebnis: Kein Nachweis des behaupteten Bunkers; Verfahren eingestellt
Lokale und überregionale Bedeutung
Die Vorwürfe und die anschliessenden Ermittlungen betreffen nicht nur internationale Fussballpolitik, sondern auch das Ansehen einer lokal hoch geschätzten Institution: das Kloster Einsiedeln ist als geistliches Zentrum und als Ort des Tourismus für die Region von grosser Bedeutung. Dass die Fifa-Forensiker das Kloster in ihre Untersuchungen eingeschlossen haben, führte zu erheblicher Publicity und zu Verunsicherung in der Lokalbevölkerung.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 2009–2011 | Mutmassliche Treffen laut Ermittlerdarstellung |
| 2023 | Einsiedeln gerät ins Visier der Fifa-Ermittlungen |
| 2026 | Veröffentlichung des Buches von Thomas Renggli |
Politischer Kontext
Die Vorgänge fallen in eine Phase, in der Gianni Infantino seine Ambitionen signalisiert, die Präsidentschaft der Fifa über 2027 hinaus fortzusetzen. Die internen Auseinandersetzungen und forensischen Untersuchungen sind Teil eines umfassenderen Machtkampfs innerhalb der Organisation, wie das Buch zu zeigen versucht. Die Rolle externer Forensikfirmen und die Weite der Untersuchungsansätze werfen Fragen zu Arbeitsweisen und Transparenz interner Prüfungen auf.
Für Einsiedeln bleibt festzuhalten: Die spektakuläre Behauptung eines unterirdischen, abhörsicheren Raums konnte nicht bestätigt werden. Das Kloster selbst ist nach den verfügbaren Informationen nicht Gegenstand einer strafrechtlichen Verurteilung geworden; das entsprechende Verfahren wurde eingestellt.
Ob und wie die Veröffentlichung des Buches weitere juristische oder politische Folgen nach sich zieht, bleibt offen. Für die Region ist die Episode ein Beispiel dafür, wie globale Konflikte prominenter Organisationen lokale Orte betreffen können.