Auf dem Hüfifirngletscher zwischen Uri und Glarus sind rund 250 Kilogramm Material eines Flugzeugs geborgen worden, das laut Behördenangaben wahrscheinlich 1963 abgestürzt ist. Ein Berggänger meldete die freigelegten Teile, worauf die Kantonspolizei Uri und die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) Ermittlungen aufnahmen und die Bergung organisierten.
Fachgerechte Bergung und Entsorgung
Die Bergung fand am Donnerstag, 3. September, statt und wurde von der Sust koordiniert. Neben der Kantonspolizei Uri waren private Helikopterfirmen, ein privates Transportunternehmen und das Gebirgsdetachement der Schweizer Luftwaffe im Einsatz. Die geborgenen Wrackteile werden gemäss Mitteilung von einem Recyclingbetrieb fachgerecht entsorgt.
Die Behörden betonen, dass es nicht ungewöhnlich sei, wenn nach einem Absturz vor über sechs Jahrzehnten keine Bergung stattfand. Die technischen Möglichkeiten und die Witterungsverhältnisse jener Zeit hatten häufig Einsätze erschwert, sodass einige Wracks im Schnee verblieben oder von Gletschern überdeckt wurden.
Historischer Kontext: Mehrere Unfälle im Mai 1963
Aus Berichten der Sust geht hervor, dass es im Mai 1963 am Hüfifirn beim Claridenpass mehrere Vorfälle gab. In der Berichtedatenbank werden verschiedene Ereignisse aufgeführt, darunter der Absturz einer Leichtmaschine des Herstellers Champion am 9. Mai 1963. Ein weiterer Einsatz am 10. Mai 1963 führte zu einem erneuten Absturz eines Flugzeugs vom Typ Piper Super Cub, ebenfalls ohne Verletzte.
Weitere Bergungsversuche wurden am 21. und 22. Mai 1963 unternommen. Während die Champion-Maschine schliesslich am 22. Mai 1963 auf dem Flugplatz Mollis (GL) ankam, gelang die Bergung des Piper-Flugzeugs damals nicht. Die historischen Berichte schildern, dass technische Probleme und das Verhalten der Last während der Flugmanöver die Aktionen verhinderten.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 9. Mai 1963 | Absturz einer Champion-Leichtmaschine (Pilot und Passagierin unverletzt) |
| 10. Mai 1963 | Bei Bergungsversuch stürzt eine Piper Super Cub ab (keine Verletzten) |
| 21.–22. Mai 1963 | Weitere Bergungsversuche mit Helikopter; Piper-Wrack konnte nicht geborgen werden |
Ermittlungen und Bewertung
Die zusammen mit der Sust getroffenen Abklärungen ergaben, dass es sich «mit grösster anzunehmender Wahrscheinlichkeit» um ein Flugzeug aus dem Jahr 1963 handelt.
«Mit grösster anzunehmender Wahrscheinlichkeit» handelt es sich um ein 1963 abgestürztes Flugzeug.
Die Behörden führten keine Angaben zu Besitzerinnen oder Besitzern des Flugzeugs oder zu genaueren technischen Details der geborgenen Teile aus. Ebenfalls nicht kommuniziert wurden Hinweise auf mögliche Verschmutzungen durch Treibstoff oder andere Gefahrstoffe; die Mitteilung spricht lediglich von einer fachgerechten Entsorgung durch einen Recyclingbetrieb.
Rolle des Klimawandels und der Gletscherschmelze
Dass das Wrack erst jetzt sichtbar wurde, hängt mit dem Abschmelzen des Gletschereises zusammen. Rückzugende Gletscher legen in den letzten Jahrzehnten vielfach Relikte aus früheren Zeiten frei, von Bergungsmaterial bis hin zu Siedlungsresten. Solche Funde wecken häufig historisches Interesse, stellen aber auch Behörden vor organisatorische und sicherheitstechnische Herausforderungen.
Was Betroffene und Berggänger wissen sollten
- Funde auf Gletschern sollen sofort den zuständigen Behörden gemeldet werden, wie in diesem Fall durch einen Berggänger geschehen.
- Kontaktstellen sind die Kantonspolizei Uri und die Sust, die Koordination und fachgerechte Bergung übernehmen.
- Berührungen mit Wrackteilen oder möglichen chemischen Rückständen sind zu vermeiden, bis Fachleute die Lage beurteilt haben.
Die Kantonspolizei Uri und die Sust haben die Bergung und Entsorgung abgeschlossen. Weitere Untersuchungen zu Herkunft und Identität der Maschine erfolgen nach vorliegenden Angaben im Rahmen der üblichen Abklärungen.
Der Fall zeigt, wie historische Unfälle durch die Gletscherschmelze wieder in den Fokus rücken – sowohl aus forensischer Sicht als auch in Bezug auf Schutz und Umgang mit freigelegten Relikten in hochalpinem Gelände.