Stadt sieht Auswirkungen auf Geschäftsstraßen und fordert mehr Eingriffsrechte
Die Stadt Linz reagiert besorgt auf die Eröffnung weiterer Wettlokale in zentralen Einkaufszonen. Laut Angaben der Stadt gibt es im Stadtgebiet bereits 89 Wettbüros. Linzer Stadtvertreter warnen, dass die Konzentration solcher Betriebe negative Folgen für Anrainerinnen, Beschäftigte in angrenzenden Unternehmen und die Attraktivität ganzer Straßenzüge haben könne.
Wirtschaftsstadtrat Thomas Gegenhuber (SPÖ) und Vizebürgermeister Martin Hajart (ÖVP) brachten ihre Kritik in Stellungnahmen zum Ausdruck, nachdem neue Bewerbungen für Standorte auf der südlichen Linzer Landstraße sowie auf der Hauptstraße in Urfahr bekannt wurden. Die Stadt betont, dass sie in ihrer Rolle als Standortgemeinde in Stellungnahmen an das Land Oberösterreich zwar ihre ablehnende Haltung mitteile, rechtlich jedoch begrenzte Möglichkeiten habe, um Neueröffnungen zu verhindern.
„Wettbüros entwickeln sich häufig zu sozialen Brennpunkten mit weitreichenden Folgen – nicht nur für spielsüchtige Menschen, die ihre Existenz aufs Spiel setzen, sondern auch für Anrainer*innen sowie angrenzende Unternehmen, die mit einer Abwertung ihrer Geschäftsumgebung konfrontiert sind“, so Gegenhuber.
Die Kritik zielt nicht nur auf die einzelnen Betriebe, sondern auf die kumulative Wirkung einer hohen Dichte. Hajart spricht von einem „Wildwuchs“ und fordert den zuständigen Landesrat Martin Winkler (SPÖ) auf, das oberösterreichische Wettgesetz zu verschärfen und den Gemeinden wirksame Instrumente gegen übermäßige Konzentrationen von Wettlokalen zu geben. Damit adressieren die Stadtvertreter ein Problem, das Standortqualität, Fußgängerfrequenz und das Sicherheitsgefühl in Geschäftsstraßen tangieren kann.
- Aktueller Bestand: 89 Wettbüros im Linzer Stadtgebiet (laut Stadtangaben).
- Betroffene Bereiche: südliche Linzer Landstraße, Hauptstraße Urfahr — hier wurden neue Standorte beantragt bzw. eröffnet.
- Forderung: Verschärfung des OÖ Wettgesetzes und mehr kommunale Eingriffsmöglichkeiten laut Vizebürgermeister Hajart.
Konsequenzen für Gewerbe und Beschäftigte
Aus Sicht der Wirtschaftsförderung und des lokalen Gewerbes können dichte Konzentrationen von Wettbüros das Kundenklima verändern. Gewerberechtliche und städtebauliche Fragen berühren dabei auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den unmittelbar betroffenen Betrieben: Sinkende Frequenzen oder ein verändertes Publikum haben direkte Folgen für Umsatz- und Arbeitsplatzzahlen. Die Stadt verweist darauf, dass sie in den formalen Anhörungsprozessen Stellung nimmt, aber keine abschließende Entscheidungsgewalt über Genehmigungen hat – diese liegt beim Land Oberösterreich.
Damit wird die Zuständigkeit zwischen Gemeinde und Land zum zentralen Punkt: Linz kann umfänglich kommunale Interessen darstellen, verfügt jedoch nicht über ein generelles Einspruchsrecht, das Eröffnungen verbindlich verhindern würde. Die Stadt fordert daher eine gesetzliche Anpassung auf Landesebene, die Gemeinden mehr Steuerungsbefugnisse einräumt.
Was Linzerinnen und Linzer jetzt erwarten können
Konkrete Sofortmaßnahmen auf Gemeindeebene sind begrenzt. Die Stadt kann weiterhin bei Standortverfahren Stellung nehmen, Beratungen mit Geschäftsleuten und Anrainerinnen durchführen und in der Stadtgestaltung Signale setzen, etwa durch Maßnahmen zur Aufwertung von Fußgängerzonen. Langfristig hängt viel von der politischen Debatte im Land und möglichen gesetzlichen Änderungen ab.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Anzahl Wettlokale in Linz | 89 |
| Genannte Problemzonen | Linzer Landstraße (südlich), Hauptstraße Urfahr |
| Geforderte Maßnahme | Verschärfung des OÖ Wettgesetzes, mehr kommunale Handlungsspielräume |
Die Debatte verbindet Standortinteressen mit sozialpolitischen Fragen. Für Beschäftigte und Geschäftsleute in den betroffenen Straßenzügen geht es um kurzfristige Geschäftsentwicklung und langfristige Standortqualität. Ob und wann das Land reagiert, bleibt abzuwarten; Linz jedenfalls macht seinen Willen sichtbar, die Entwicklung zu begrenzen und entsprechende Rahmenbedingungen zu fordern.