Fürth — In Bayern ist die Zahl der Insolvenzen im ersten Halbjahr 2026 leicht gesunken, während Firmenpleiten deutlich zugenommen haben. Das Landesamt für Statistik registrierte insgesamt 7.511 Insolvenzverfahren, nach Angaben, die am Dienstag veröffentlicht wurden. Damit liegt die Gesamtzahl um 22 Fälle unter dem Wert des zweiten Halbjahres 2025.
Verbraucherinsolvenzen rückläufig
Der Rückgang ist vor allem bei den Verbraucherinsolvenzen zu verzeichnen: Ihre Zahl sank um rund 3 Prozent auf 3.659 Verfahren. Die regionalen Unterschiede sind jedoch groß. Besonders stark fiel der Rückgang in Unterfranken aus, wo die Verbraucherinsolvenzen im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2025 um knapp 28,8 Prozent zurückgingen.
Weitere regionale Veränderungen bei den Verbraucherinsolvenzen im Vergleichszeitraum:
- Niederbayern: -8,5 Prozent
- Oberfranken: -8,2 Prozent
- Oberpfalz: -4,9 Prozent
- Mittelfranken: -2,1 Prozent
- Oberbayern: -1,3 Prozent
- Schwaben: +19,5 Prozent (Ausnahme)
Die Zahlen zeigen, dass die Entwicklung auf Kreisebene stark variieren kann. Das Landesamt für Statistik weist darauf hin, dass kurzfristige Schwankungen bei kleineren Gebietseinheiten häufiger vorkommen.
Unternehmensinsolvenzen erreichen Zehn-Jahres-Höchststand
Während private Verbraucher weniger Anträge stellten, stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen deutlich an: Auf Semesterbasis legte sie um gut 8 Prozent zu und erreichte 1.779 Fälle. Nach Angaben der Statistikbehörde ist dies der höchste Wert für ein Halbjahr in mehr als einem Jahrzehnt.
Die Zunahme bei Firmenpleiten ist nicht gleichmäßig verteilt. Besondere Belastungen zeigen sich in:
| Regierungsbezirk | Veränderung gegenüber 2. Hj. 2025 |
|---|---|
| Mittelfranken | +46,4 % |
| Niederbayern | +20,2 % |
| Oberbayern | +3,6 % |
| Schwaben | +1,4 % |
| Oberpfalz | -3,1 % |
| Oberfranken | -7,4 % |
| Unterfranken | -9,3 % |
Besonders auffällig ist der Anstieg in Mittelfranken, wo die Firmenpleiten im Vergleichszeitraum um fast die Hälfte zunahmen. Experten sehen darin ein deutliches Signal, dass die wirtschaftlichen Belastungen für Unternehmen in einzelnen Regionen stark zugenommen haben.
Bewertung durch Verbände
Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) reagierte besorgt auf die Statistik. In einer Stellungnahme wertet der Verband den Anstieg der Unternehmensinsolvenzen als ein deutliches Warnzeichen für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Bayern.
"Die Zahlen zeigen, wie massiv uns die strukturellen Standortprobleme momentan unter Druck setzen, wir sind schlichtweg nicht wettbewerbsfähig."
Die vbw nannte zudem geopolitische Risiken und Handelskonflikte als zusätzliche Belastungsfaktoren, die auf die bayerische Wirtschaft einwirken.
Kontext und Ausblick
Die gegenläufige Entwicklung von Verbraucher- und Unternehmensinsolvenzen spiegelt unterschiedliche Treiber wider: Während private Überschuldung offenbar in Teilen zurückgeht, geraten immer mehr Firmen durch anhaltende Kostensteigerungen, nachlassende Nachfrage oder Finanzierungsschwierigkeiten in Schwierigkeiten. Ökonomen betonen, dass strukturelle Probleme wie hohe Energie- und Arbeitskosten, bürokratische Auflagen und Konkurrenzdruck langfristig die Unternehmensdynamik beeinträchtigen können.
Für Kommunen und regionale Wirtschaftsförderungen ergeben sich daraus unmittelbare Herausforderungen: Steigende Unternehmensinsolvenzen bedeuten Arbeitsplatzverluste, sinkende Steuereinnahmen und zusätzlichen Unterstützungsbedarf für betroffene Beschäftigte. Das Landesamt für Statistik stellt die Daten halbjährlich bereit; eine Entwicklung über mehrere Perioden wird nötig sein, um nachhaltig belastbare Trends zu erkennen.
Die aktuelle Statistik liefert Anhaltspunkte für Politik und Wirtschaft, wo gezielte Maßnahmen sinnvoll sind — etwa bei der Stärkung regionaler Förderinstrumente, der Entlastung von Betrieben und dem Ausbau von Beratungsangeboten für angeschlagene Unternehmen.
Korbinian Huber, Korrespondent Bayern