Eine großangelegte britische Langzeitstudie legt nahe, dass der Zeitpunkt der ersten Mahlzeit des Tages im höheren Alter mit der Lebenserwartung zusammenhängen könnte. Forschende der Universität Manchester analysierten Daten von 2.945 älteren Personen über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren und verglichen die Angaben zu Essens- und Schlafzeiten mit dem digitalen Sterberegister des britischen Gesundheitsdienstes (NHS Digital).
Grundlage und Befunde der Untersuchung
Die Untersuchung beruht auf der UMLCHA-Kohorte (University of Manchester Longitudinal Study of Cognition in Normal Healthy Old Age). Bei den Teilnehmenden wurden zwischen 1983 und 2017 wiederholt Informationen zu Ess- und Schlafrhythmen sowie zum allgemeinen Gesundheitszustand erhoben. Zu Beginn der Beobachtungsphase lag die mittlere Zeit für das Frühstück bei 8:22 Uhr. Mit zunehmendem Alter verschob sich dieser Zeitpunkt tendenziell nach hinten.
Die Autorinnen und Autoren berichteten, dass ein späterer Beginn der ersten Mahlzeit mit einem erhöhten Sterberisiko assoziiert war. Die Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift Communications Medicine.
Bedeutung und mögliche Erklärungen
Die Studie bringt mehrere Hypothesen in Betracht, die jedoch nicht beweisend sind. Ein späterer Frühstückszeitpunkt könnte:
- ein frühes Warnsignal für sich verändernde gesundheitliche Zustände oder verringerte Mobilität sein,
- auf veränderte soziale Routinen verweisen, die mit Einsamkeit oder Isolation einhergehen, oder
- mit Verschiebungen des zirkadianen Rhythmus zusammenhängen, die bei älteren Menschen häufiger auftreten.
Wichtig ist, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt: Ein statistisch nachgewiesener Zusammenhang bedeutet nicht automatisch, dass das spätere Frühstücken die Todesursache darstellt. Vielmehr können zahlreiche konfundierende Faktoren – etwa chronische Erkrankungen, Medikamente, Mobilitätseinschränkungen oder soziale Umstände – die beobachtete Assoziation mitbestimmen.
Stärken, Limitationen und Ausblick
Zu den Stärken der Arbeit zählen die lange Beobachtungsdauer, die wiederholten Erhebungen und die Verknüpfung mit offiziellen Sterberegistern. Die Stichprobengröße von 2.945 Teilnehmenden ermöglicht zudem differenzierte Analysen innerhalb der Kohorte.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Stichprobengröße | 2.945 |
| Beobachtungszeitraum | 1983–2017 |
| Mittlere Frühstückszeit zu Beginn | 08:22 Uhr |
Gleichzeitig bestehen Einschränkungen: Die Kohorte stammt aus Großbritannien und spiegelt daher möglicherweise nicht ohne Weiteres die Lebensumstände anderer Länder wider. Zudem sind Fragen zur Messgenauigkeit der selbstberichteten Essenszeiten und zu unveränderlichen Störfaktoren offen. Die Forschenden betonen, dass experimentelle Studien nötig wären, um mögliche kausale Zusammenhänge zu klären.
Konsequenzen für Praxis und Forschung
Für die hausärztliche und geriatrische Praxis kann die Studie als Hinweis dienen, auf Veränderungen von Alltagsroutinen sensibel zu reagieren. Ein deutlich späteres Frühstück könnte Anlass für eine erweiterte Anamnese sein, um mögliche körperliche oder soziale Probleme frühzeitig zu erkennen.
Für die Forschung ergibt sich die Notwendigkeit, Mechanismen zu untersuchen, die den beobachteten Zusammenhang erklären könnten – etwa die Rolle des Schlaf-Wach-Rhythmus, Ernährungsqualität, Mobilität und soziale Integration. Interventionsstudien könnten klären, ob gezielte Maßnahmen zum Erhalt von regelmäßigen Tagesabläufen einen Einfluss auf Morbidität und Mortalität im Alter haben.
Insgesamt liefert die Untersuchung interessante Hinweise, die jedoch vorsichtig interpretiert werden müssen: Der Zeitpunkt der ersten Mahlzeit ist ein weiterer Baustein im komplexen Gefüge von Lebensstil, Gesundheit und Alterungsprozessen, nicht aber ein alleinentscheidender Faktor.