Die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) reist mit einer Delegation aus Vertretern des Gesundheitswesens, der Pflege und der Politik nach Seoul, um dort Lösungsansätze gegen die wachsenden Probleme in Sachsen zu sondieren: die zunehmende Alterung der Bevölkerung und der anhaltende Fachkräftemangel im Gesundheitssektor. Die Delegation plant Besuche in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und auf der Fachmesse „K-Hospital + Healthtech Fair“; die Reise dauert bis Freitag.
Hintergrund: Demografie trifft Personalengpässe
Sachsen steht wie andere Bundesländer vor einem steigenden Anteil älterer Menschen und gleichzeitigem Rückgang verfügbarer Fachkräfte. Vor diesem Hintergrund sucht das Sozialministerium nach praktikablen Modellen, die aus anderen Gesundheitssystemen übertragbar sind. Nach Angaben des Ministeriums ist das Ziel der Reise, „Einblicke in das südkoreanische Gesundheitswesen zu gewinnen und Ansätze zu identifizieren, die sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Freistaat Sachsen übertragen lassen.“
Fokus auf Digitalisierung, Robotik und Smart Hospitals
Die südkoreanische Gesundheitsversorgung gilt als besonders digitalisiert und technologieorientiert. Auf dem Programm der sächsischen Delegation stehen unter anderem das Hallym University Sacred Heart Hospital und das Samsung Medical Center, die in Südkorea als Vorreiter für so genannte Smart Hospitals gelten. In Seoul will die Delegation unter anderem folgende Aspekte untersuchen:
- Einsetzung von Servicerobotern in Logistik, Desinfektion und Pflege
- Digitale Kontrollzentren zur Überwachung von Patientinnen und Patienten
- Papierlose Abläufe und integrierte medizinische Informatik
- Aspekte der Cybersicherheit in vernetzten Krankenhausumgebungen
Konkretes Beispiel aus Südkorea: Im Hallym University Sacred Heart Hospital sind laut Ministerium 77 Serviceroboter im Einsatz, die Aufgaben in der Logistik, bei Desinfektionsarbeiten und in der Pflege übernehmen. Seit 2019 nutze das Krankenhaus zudem ein digitales Kontrollzentrum zur Patientenüberwachung.
| Aspekt | Beispiel aus Südkorea |
|---|---|
| Serviceroboter | 77 Roboter im Hallym Hospital |
| Digitale Kontrolle | Digitales Kontrollzentrum seit 2019 |
| Smart Hospital | Samsung Medical Center als Vorreiter |
„Unser Ziel ist es, Einblicke in das südkoreanische Gesundheitswesen zu gewinnen und Ansätze zu identifizieren, die sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Freistaat Sachsen übertragen lassen“, sagte Köpping.
Übertragbarkeit auf Sachsen: Chancen und Grenzen
Die Ministerin betont die Suche nach übertragbaren Ansätzen. Dabei stehen Chancen und Grenzen gleichrangig: Technische Lösungen wie Robotik oder digitale Kontrollzentren können Personal entlasten und Abläufe effizienter gestalten, ihre Implementierung hängt jedoch von Finanzierung, Infrastruktur, Datenschutz und Akzeptanz im Personal- und Patientenkreis ab. Sachsen muss klären, welche Investitionskosten tragbar sind und wie Qualifizierung sowie rechtliche Rahmenbedingungen gestaltet werden müssen.
Praktische Fragen für den Freistaat
Für Sachsen stellen sich mehrere konkrete Fragen, die eine Nachbereitung der Reise erfordert:
- Welche Technologien lassen sich kurzfristig in Pilotprojekten testen?
- Wie können Pflegekräfte durch Technik entlastet werden, ohne die Pflegequalität zu gefährden?
- Welche Anforderungen an IT-Sicherheit und Datenschutz sind bei papierlosen Abläufen zu erfüllen?
Weitere Schritte nach der Reise
Die Ergebnisse der Delegationsreise dürften in den kommenden Wochen ausgewertet werden. Das Sozialministerium wird Maßnahmenpakete oder Pilotprojekte voraussichtlich nur dann vorschlagen, wenn konkrete Transferpfade und Finanzierungsmodelle erkennbar sind. Ebenso werden Fragen der beruflichen Weiterbildung und der Personalgewinnung in den Fokus rücken, denn Technik allein löst nicht den Mangel an Pflegekräften.
Die sächsische Delegation nutzt die Messe und die Klinikbesuche, um konkrete Kooperationspartner und Technologien auszuloten. Ob und in welchem Umfang die beobachteten Lösungen in Sachsen realistisch sind, hängt am Ende von politischen Entscheidungen, Haushaltsressourcen und der Bereitschaft der Träger im Gesundheitswesen ab.
Standort der Reise ist Seoul, wo die Delegation die Krankenhäuser und die Fachmesse besucht. Rückmeldungen und konkrete Projektempfehlungen werden als nächste Schritte erwartet.