Mehr Rotavirus-Infektionen in Schleswig-Holstein — Warum Kinder besonders betroffen sind
Die Zahl der gemeldeten Rotavirus-Infektionen in Schleswig-Holstein ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts deutlich gestiegen. Das teilte die AOK Nordwest am Mittwoch mit. Demnach wurden im vergangenen Jahr 950 Fälle registriert; 2024 waren es noch 569. Auch für das laufende Jahr zeigt die Statistik einen Anstieg: In den ersten sechs Monaten 2026 wurden 696 Fälle gemeldet, nach 660 im entsprechenden Zeitraum 2025.
Rotaviren gehören zu den häufigsten Verursachern schwerer Magen-Darm-Infektionen bei Kleinkindern. Die Erkrankungen können bei Säuglingen und Kleinkindern zu starkem Flüssigkeitsverlust und damit zu gefährlichen Entgleisungen führen, die mitunter eine stationäre Behandlung erfordern.
Empfehlungen von Krankenkasse und Experten
Vor diesem Hintergrund appelliert die AOK Nordwest an Eltern, die empfohlenen Impfungen gegen Rotaviren für Säuglinge wahrzunehmen und auf Hygieneregeln zu achten. Als Begründung führte der Vorstandsvorsitzende der AOK Nordwest, Tom Ackermann, sinkende Aufmerksamkeit für Händehygiene und Flächendesinfektion nach der Corona-Pandemie an.
"Aufgrund der steigenden Zahlen raten wir allen Eltern, unbedingt die empfohlenen Impfungen bei Säuglingen vorzunehmen und auf bestimmte Hygieneregeln zu achten."
Nach Angaben der AOK vermuten Experten, dass das veränderte Verhalten in der Bevölkerung seit der Corona-Zeit maßgeblich zum Anstieg beiträgt. Maßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen, Tragen von Masken in Risikosituationen und verstärkte Flächendesinfektion waren während der Pandemie verbreiteter als heute.
Was Eltern jetzt wissen sollten
Eltern sollten sich über folgende Punkte informieren und gegebenenfalls mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt besprechen:
- Empfohlene Impfzeitpunkte für Säuglinge gegen Rotaviren prüfen und Impfungen nachholen.
- Auf sorgfältige Händehygiene achten, besonders nach dem Wickeln und vor dem Essen.
- Bei Symptomen wie starkem Erbrechen oder Durchfall frühzeitig ärztliche Hilfe suchen, um Dehydratation zu verhindern.
Regionale Zahlen im Überblick
| Zeitraum | Gemeldete Fälle |
|---|---|
| 2024 (gesamt) | 569 |
| 2025 (erste 6 Monate) | 660 |
| 2025 (gesamt) | — |
| 2026 (erste 6 Monate) | 696 |
| 2025/2026 (letztes Jahr gesamt) | 950 (für das vergangene Jahr gemeldet) |
Hinweis: Die Zahlen stammen aus den Meldedaten des Robert Koch-Instituts, wie von der AOK Nordwest veröffentlicht. Die Angaben zu möglichen Ursachen beruhen auf Einschätzungen von Experten, die von der Krankenkasse wiedergegeben wurden.
Folgen für Kitas und Alltag
Ein Anstieg der Rotavirus-Infektionen kann in Kinderbetreuungseinrichtungen zu Ausbrüchen führen und kurzfristig zu Ausfällen von Betreuungsplätzen, da erkrankte Kinder zuhause betreut werden müssen. Träger von Kitas und Schulen sollten über Hygienepläne und Absonderungsregelungen informieren und Eltern aktiv beraten, wie bei Erkrankungsfällen zu verfahren ist.
Eltern, die unsicher sind, ob ihr Kind geimpft ist oder Auffrischungen notwendig sind, können die Impfpässe prüfen und den nächsten Termin beim Kinderarzt vereinbaren. Öffentliche Gesundheitsdienste bieten zudem Informationen zu Impfempfehlungen und Verhalten bei Verdacht auf Infektionen.
Schlussbemerkung
Die derzeitigen Zahlen machen deutlich, dass Rotaviren in Schleswig-Holstein wieder häufiger auftreten. Die AOK Nordwest empfiehlt deshalb, präventive Maßnahmen wie Impfungen und verbesserte Hygiene ernst zu nehmen, um die Zahl schwerer Verläufe bei Säuglingen zu reduzieren und Ausbrüche in Gemeinschaftseinrichtungen einzudämmen.