Oldenburg. Vor dem Landgericht Oldenburg hat am Dienstag ein Verfahren gegen einen früheren Vorstand der Elsflether Werft begonnen. Dem inzwischen 57 Jahre alten Angeklagten legt die Staatsanwaltschaft unter anderem gewerbsmäßigen Betrug, Vorteilsgewährung, besonders schwere Untreue und das vorsätzliche unerlaubte Betreiben von Bankgeschäften zur Last. Zum Auftakt des Verfahrens machte der Beschuldigte keine Angaben, wie ein Gerichtssprecher mitteilte.
Hintergrund der Ermittlungen
Die Vorwürfe hängen mit Aufträgen der Marine zusammen: Die Elsflether Werft hatte unter anderem Instandsetzungen für mehrere Schiffe und Boote übernommen, darunter das Schulschiff „Gorch Fock“. Ermittlungen zu möglichen Unregelmäßigkeiten und Verflechtungen zwischen der Werft, regionalen Subunternehmern und der Marine laufen nach Angaben der Ermittler seit 2018. Im Jahr 2019 meldete das Unternehmen Insolvenz an und wurde anschließend verkauft. Im Zuge der Vorgänge gab es bereits mehrere Strafverfahren und Verurteilungen.
„Der Mann äußerte sich nicht“,
so die Kurzmitteilung des Gerichtssprechers zum Prozessauftakt. Ursprünglich war geplant, den 57-Jährigen gemeinsam mit weiteren Beschuldigten sowie einem früheren Vorstandsmitglied vor Gericht zu stellen. Weil der Angeklagte zeitweise aus gesundheitlichen Gründen nicht verhandlungsfähig war, wurde sein Verfahren abgetrennt. Die Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Worten drei Anklageschriften gegen ihn vorbereitet.
Vorwürfe und frühere Urteile
Nach Darstellung der Anklage soll der Angeklagte von falschen Abrechnungen gewusst und als Vorstand deren Unterbindung unterlassen haben. Ein anderer früherer Vorstand der Werft war bereits im Oktober 2024 unter anderem wegen Untreue, Betrug und Verletzung der Buchführungspflicht zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt worden; dieses Urteil ist rechtskräftig.
- 2018: Beginn der Ermittlungen zu Beziehungen zwischen Werft, Subunternehmern und Marine
- 2019: Insolvenz der Elsflether Werft; anschließender Verkauf
- Oktober 2024: Verurteilung eines früheren Vorstands zu vier Jahren Haft (rechtskräftig)
- August 2026: Prozessbeginn gegen den 57-Jährigen in Oldenburg
Verfahrensplanung und Bedeutung für die Region
Das Gericht hat für das getrennte Verfahren Termine bis Dezember angesetzt. Konkrete Angaben zur Zahl der Verhandlungstage oder zu möglichen Zeugen wurden am ersten Sitzungstag nicht gemacht. Die Vorgänge um die Elsflether Werft hatten in der Vergangenheit bereits weitreichende Folgen: Neben strafrechtlichen Auseinandersetzungen führten die Entwicklungen um das Unternehmen zu wirtschaftlichen Umwälzungen, die Beschäftigte und Zulieferer in der Region betroffen haben.
Unabhängig vom Fortgang des aktuellen Prozesses bleibt die Aufarbeitung der Vorwürfe von öffentlichem Interesse, nicht zuletzt wegen der unmittelbaren Verbindungen zwischen dem Betrieb, dem öffentlichen Auftraggeber Marine und regionalen Firmen. Die Entscheidung des Gerichts wird im Laufe der kommenden Monate Klarheit darüber bringen, ob und in welchem Umfang der Angeklagte persönlich für die Vorwürfe verantwortlich gemacht wird.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 2018 | Beginn der Ermittlungen |
| 2019 | Insolvenz und Verkauf der Werft |
| 2024 | Verurteilung eines weiteren Vorstands (4 Jahre) |
| 2026 | Beginn des getrennten Verfahrens vor dem Landgericht Oldenburg |
Das Gericht wird in den kommenden Monaten weitere Termine ansetzen, um Zeugen zu vernehmen und die Vorwürfe detailliert zu prüfen. Für die betroffenen Beschäftigten und die Zulieferbetriebe in der Region bleibt zu hoffen, dass die juristische Klärung zu einer transparenten Aufarbeitung der Vorgänge beiträgt.