Nachbarschaftsbeobachtung stoppt mutmaßlichen Betrüger
Ein aufmerksamer Passauer hat nach Angaben der Polizei Ende Juni einen Betrugsversuch an seiner älteren Nachbarin vereitelt und wurde dafür nun offiziell ausgezeichnet. Die Tat ereignete sich am Sonntag, 21. Juni. Die betroffene Frau ist 77 Jahre alt.
Nach Mitteilung der Polizei erhielt die Seniorin am Nachmittag einen Anruf von einem bislang unbekannten Mann, der sich als Polizeibeamter ausgab. Er erklärte ihr demnach, er müsse vorbeikommen, um sich über den Sicherheitszustand ihres Hauses zu informieren. Später erschien tatsächlich ein Mann an der Wohnanschrift und begutachtete die Wohnung.
Der Nachbar, Franz Xaver Retzer, beobachtete die Szene von seinem Grundstück aus. Die Situation erschien ihm sofort verdächtig, weshalb er eingriff. Er sprach den Unbekannten an und drohte damit, die echte Polizei zu verständigen. Daraufhin flüchtete der Mann. Eine sofort eingeleitete Fahndung ergab keine Ergreifung des Täters, teilte die Polizei mit.
„Den Betrag möchte Retzer an die Bayerische Polizeistiftung spenden“, heißt es in der Polizeimitteilung.
Anerkennung durch die Polizei: Urkunde und 200 Euro Zuwendung
Für sein beherztes Eingreifen wurde Retzer nun von Vertretern der Polizei ausgezeichnet. Polizeidirektor Christian Dichtl und Kriminalrat Johannes Schimpfhauser von der Kriminalpolizeiinspektion Niederbayern überreichten ihm eine Urkunde sowie eine Geldzuwendung des Präsidiums Niederbayern in Höhe von 200 Euro. Laut Mitteilung plant Retzer, den Betrag an die Bayerische Polizeistiftung zu spenden, die Polizeibeamtinnen und -beamte sowie deren Hinterbliebene nach schweren Schicksalsschlägen unterstützt.
Bedeutung für die örtliche Prävention
Der Fall zeigt typische Merkmale sogenannter „falscher Polizeibeamter“: Anrufe, in denen Täter sich als Beamte ausgeben, und anschließende Besuche, bei denen sie versuchen, Vertrauen zu gewinnen oder Wertgegenstände auszuspähen. Dass der Nachbar aufmerksam reagierte und direkt einschritt, verhinderte laut Polizei einen möglichen Schaden. Die auszeichnende Behörde betonte die Vorbildfunktion des Einsatzes für Zivilcourage im Gemeinwesen.
- Datum des Vorfalls: 21. Juni
- Alter der betroffenen Person: 77 Jahre
- Auszeichnung: Urkunde und 200 Euro Zuwendung
- Spendenabsicht: Betrag soll an die Bayerische Polizeistiftung gehen
| Aktion | Datum |
|---|---|
| Anruf durch Unbekannten (gibt sich als Polizeibeamter aus) | 21. Juni |
| Auftauchen eines Mannes an der Wohnanschrift | 21. Juni |
| Intervention durch Nachbarn, Täter flüchtet | 21. Juni |
| Auszeichnung durch Polizei | August (Mitteilung datiert) |
Die Polizei weist in ihrem Informationsschreiben darauf hin, dass sollte ein angeblicher Beamter persönlich erscheinen, echte Polizisten in der Regel einen Dienstausweis vorzeigen können und angeben, von welcher Dienststelle sie kommen. Bei Zweifeln empfiehlt sich, die Polizei unter der Notrufnummer 110 oder der örtlichen Dienststelle zu verständigen, statt eigenständig die Tür zu öffnen oder Bargeld herauszugeben.
Der Fall in Passau ist ein Beispiel dafür, wie wichtig Aufmerksamkeit in der Nachbarschaft ist. Die Ehrung von Zivilcourage soll nicht nur das Verhalten des Einzelnen würdigen, sondern auch die Öffentlichkeit für diese Form von Straftaten sensibilisieren.