Polizei nimmt vermeintliche Wunderheilerin in München fest
Die Münchner Polizei hat eine 32-jährige Frau festgenommen, der vorgeworfen wird, eine 29-jährige Münchnerin über Jahre hinweg um Geld gebracht zu haben. Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei der Beschuldigten um eine Österreicherin; der erlittene Schaden bei dem Opfer wird als „im fünfstelligen Bereich“ beschrieben. Das auf Betrugsdelikte spezialisierte Kommissariat 61 führt die weiteren Ermittlungen.
Kontaktaufnahme und Methode
Den Angaben zufolge sprach die Beschuldigte die 29-Jährige erstmals im Frühjahr 2021 in der Münchner Innenstadt an. Die Frau sei damals als körperlich und geistig eingeschränkt beschrieben worden. Die Festgenommenen soll erklärt haben, mit verstorbenen Angehörigen der Geschädigten in Kontakt treten zu können und hierfür regelmäßige Sitzungen angeboten haben. Bei diesen Treffen sei fortlaufend Geld geflossen.
„Da geht es für gewöhnlich um blockierte Chakren, die in einer Art Beschwörung gelockert werden sollen.“
Die Polizei bezeichnet die Vorgehensweise als typische Betrugsmasche, bei der durch angebliche spirituelle Praktiken Vertrauen geschaffen und daraufhin hohe Zahlungen ausgelöst werden.
Entdeckung des Falls und Festnahme
Der Betrug fiel nach Angaben der Ermittler erst im Mai dieses Jahres auf, als die Betreuerin des Opfers den Vermögensschaden bemerkte und Anzeige erstattete. Der Fall wurde bei der Polizeiinspektion Giesing aufgenommen. Am vergangenen Donnerstag kam es dann nach Darstellung der Behörde zur Festnahme: Ein Beamter des zuständigen Kommissariats erkannte die Beschuldigte zufällig auf der Straße, woraufhin sie vor Ort festgenommen und nach Abschluss der Sachbearbeitung in die Justizvollzugsanstalt Stadelheim gebracht wurde. Ein Haftrichter ordnete die Untersuchungshaft an.
„Kommissar Zufall“
Die Behörden sprechen außerdem von mehreren weiteren Verdachtsfällen in München, die mit dem Vorgehen der Beschuldigten zusammenhängen könnten. Das Kommissariat 61 ermittelt deshalb nicht nur wegen des geschilderten Einzelfalls, sondern auch im Hinblick auf mögliche weitere Geschädigte.
Lokaler Kontext und Folgen
Der Fall berührt mehrere Aspekte, die für Münchnerinnen und Münchner von Bedeutung sind: zum einen den Schutz besonders gefährdeter Gruppen, hier einer körperlich und geistig eingeschränkten Person; zum anderen die Form von Kriminalität, die mit spirituellen Versprechungen operiert und oft über längere Zeiträume funktioniert. Gerade bei Angeboten, die Kontakt zu Verstorbenen oder „Heilung“ versprechen, sind Betroffene häufig besonders beeinflussbar und vertrauensbereit.
- Erste Kontaktaufnahme: Frühjahr 2021 (Innenstadt).
- Anzeigeerstattung: Mai 2026 (Betreuerin bemerkt Vermögensschaden).
- Festnahme: vergangener Donnerstag; Überstellung in JVA Stadelheim; Haftbefehl durch Haftrichter.
Für Angehörige, Betreuer und Pflegekräfte ist der Fall ein Hinweis, bei ungewöhnlichen Zahlungsanforderungen durch Drittpersonen wachsam zu sein und Vermögensänderungen kritisch zu prüfen. Die Polizei empfiehlt, bei verdächtigen Angeboten Anzeige zu erstatten und hilfsbedürftige Personen nach Möglichkeit zu schützen.
Aussicht auf weitere Ermittlungen
Das Kommissariat 61 prüft laut Mitteilung weitere mögliche Opfer und die genauen Abläufe der von der Beschuldigten angewandten Methoden. Da mehrere Verdachtsfälle in München bekannt geworden seien, könnten weitere Anzeigen folgen. Konkrete Angaben zu den mutmaßlichen weiteren Geschädigten machte die Polizei bislang nicht.
Die Festnahme in München zeigt, wie zufällige Erkennbarkeiten und behördliches Einschreiten zusammenspielen können: Erst die Anzeige der Betreuerin löste eine polizeiliche Fahndung aus, die schließlich durch das Erkennen der Frau auf der Straße zur unmittelbaren Festnahme führte. Die Ermittlungen dauern an.