Der Streit um die nächtlichen Starts und Landungen am Albrecht Dürer Airport Nürnberg ist wieder entflammt. Eine Bürgerinitiative, die Fluglärm-Schutzgemeinschaft Nürnberg und Umgebung (FLSG), hat zu einer Kundgebung auf dem Hauptmarkt aufgerufen. Anlass sind nach Angaben der Organisatoren die gestiegene Zahl an Nachtflügen und die damit verbundene Zunahme von Schlafstörungen und Lärmbelastung in den umliegenden Wohngebieten.
Prominente Unterstützung aus Fürth
Unterstützung erhält die Protestbewegung von außerhalb: Der Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) kritisiert gegenüber der dpa ausdrücklich, Nachtflüge würden oft „aus rein wirtschaftlichen Erwägungen“ durchgeführt. Nach seiner Darstellung sind insbesondere die nördlichen Vororte Fürths vom nächtlichen Fluglärm betroffen. Er bezeichnet die gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen als „verheerend“ und spricht sich für einen schrittweisen Abbau der Nachtflüge aus.
„Sie sind aber in der deutschen Flughafenlandschaft die große Ausnahme… Ein schrittweiser Abbau der Zahl der Nachtflüge ist nötig.“ — Thomas Jung, Oberbürgermeister von Fürth
Forderungen der Fluglärm-Schutzgemeinschaft
Die FLSG hebt hervor, dass sich die Situation in den letzten Jahren deutlich verschlechtert habe. Vorsitzender Robert Mahler weist vor allem auf den Anstieg touristischer Nachtflüge hin, die seiner Einschätzung nach vermehrt zwischen Mitternacht und den frühen Morgenstunden stattfinden und für besonders viele Beschwerden sorgen. Als ersten Schritt fordert die Initiative ein Verbot touristischer Nachtflüge in der Zeit von 0:00 Uhr bis 5:00 Uhr.
- Forderung: Streichung touristischer Nachtflüge von 0:00 bis 5:00 Uhr
- Vorschlag: Einführung einer Kernzeit ohne jegliche Flugbewegung (idealerweise sechs Stunden, mindestens drei Stunden)
- Begründung: Zunahme von Hitzetagen, nachts geöffneten Fenstern und damit eingeschränkter Schallschutz
Argumente, Vergleiche und lokale Folgen
In seinem Vergleich verweist Jung darauf, dass andere ähnlich große bayerische Flughäfen ohne Nachtflüge auskommen. Er nennt Memmingen ausdrücklich als Beispiel, während er feststellt, dass nur Leipzig und Nürnberg Nachtflüge als Standard haben. Konkrete Zahlen zu Flugbewegungen oder Lärmpegeln nennt die dpa-Meldung nicht; die Aussagen beziehen sich auf die politische Bewertung und die Erfahrungen Betroffener.
| Flughafen | Nachtschichten als Standard |
|---|---|
| Memmingen | Nein (kommt ohne Nachtflüge aus) |
| Leipzig | Ja |
| Nürnberg | Ja |
Für Nürnberger Anwohnerinnen und Anwohner bedeuten mehr Flugbewegungen in der Nacht konkret weniger erholsamen Schlaf und potenziell erhöhte gesundheitliche Belastungen. Die FLSG nennt zudem klimatische Begleitfaktoren: An heißen Tagen müssten viele Menschen nachts Fenster zum Lüften öffnen, wodurch der Schallschutz reduziert werde. Diese Kombination aus häufigerem Flugverkehr in der Nacht und wärmeren Nächten führe dazu, dass die vorhandenen Schutzmaßnahmen für viele Betroffene „völlig ins Leere“ liefen.
Was nun ansteht
Die Kundgebung auf dem Hauptmarkt ist für Donnerstagabend angesetzt; Ziel ist es, öffentlichen Druck auf Politik und Flughafenbetreiber zu erzeugen. Konkrete Verhandlungen zwischen Stadtverwaltung, Landkreis, Bürgerinitiativen und dem Flughafen sind in der dpa-Meldung nicht dokumentiert. Klar ist jedoch, dass die Frage der Nachtflüge nicht nur Luftverkehrsinteressen, sondern auch Gesundheitsschutz, kommunale Politik und die Nachbarschaftsqualität betrifft.
Ob die Forderungen nach einem Verbot touristischer Nachtflüge oder die Einführung einer Kernzeit ohne Flugbewegungen in konkrete Regelungen münden, hängt von weiteren Gesprächen und politischen Entscheidungen ab. Für die unmittelbar betroffenen Stadtteile in Nürnberg und den angrenzenden Gemeinden bleibt das Thema vorerst ein zentraler Streitpunkt zwischen Anwohnerinteressen und wirtschaftlichen Erwägungen des Flughafens.