Der gemeinnützige Verein Blueswerk Norderstedt hat die Einstellung seiner Konzertreihe angekündigt. Als Grund nennen die Vorstände die neuen Förderrichtlinien der Stadt Norderstedt, durch die die finanziellen Rahmenbedingungen für den Betrieb des Kulturwerkes am See nach Ansicht des Vereins nicht mehr tragbar seien. Bis Juni 2027 sollen noch zehn Konzerte stattfinden; anschließend werde der Verein die Aktivitäten beenden, teilten die Vorsitzenden mit.
Höherer Eigenanteil und harte Deckelung
Die Stadt hat nach Angaben des Vereins die Förderung neu geregelt. Künftig sollen Vereine einen Eigenanteil von einem Drittel an den Mietkosten für das Kulturwerk tragen. Die Stadt übernimmt den Rest der regulären Miete bis zu einer Obergrenze von 10.000 Euro pro Jahr und pro Kulturträger. Zugleich gibt es ein jährliches Gesamtbudget von maximal 100.000 Euro für alle Kulturträger in Norderstedt.
| Position | Vorher | Neu |
|---|---|---|
| Städtische Mietzahlungen für das Kulturwerk | etwa 138.000 Euro pro Jahr | bis zu 10.000 Euro pro Kulturträger (Rest Eigenanteil) |
| Gesamtbudget für Kulturträger | nicht angegeben | 100.000 Euro jährlich |
Existenzgefährdung für ehrenamtliche Veranstalter
Für das Blueswerk, das 2017 gegründet wurde und seither Blues- und Rockkonzerte mit internationalen Gästen im Kulturwerk am See organisiert hat, stellen die neuen Bedingungen eine Existenzgefährdung dar. Ohne die bisherige finanziellen Zuschüsse lasse sich die Miete nicht mehr stemmen, so der Verein. Allein für zehn Konzerte im Jahr beziffert der Vorsitzende den zusätzlichen Finanzbedarf mit 20.000 bis 30.000 Euro, den der Verein selbst aufbringen müsste.
„Weil wir nicht davon ausgehen, dass sich an der finanziellen Unterstützung durch die Stadt Norderstedt bis dahin wieder etwas verändert“,
mit diesen Worten erklärte einer der Vorstände, dass nach den zehn noch geplanten Veranstaltungen im Juni 2027 Schluss sei. Die Vorstände Miro Berbig und Thekla Beermann hatten die Auflösung des Vereins angekündigt.
Folgen für das Kulturangebot in Norderstedt
Die Entscheidung des Blueswerkes wird in der lokalen Kulturszene kritisch gesehen. Der Verein betont, dass ohne die städtischen Zuschüsse ein ehrenamtlicher Veranstalter nicht in der Lage sei, die bisherigen Eintrittspreise beizubehalten. Als Beispiel nannten die Verantwortlichen, dass Eintrittspreise von derzeit rund 30 Euro deutlich erhöht werden müssten — auf über 60 Euro —, um die zusätzlichen Kosten auszugleichen. Dies hielten sie für nicht realistisch.
- Blueswerk Norderstedt wurde 2017 gegründet und veranstaltete internationale Blues- und Rockkonzerte.
- Künftig muss ein Drittel der Miete von Vereinen getragen werden; die Stadt zahlt bis zu 10.000 Euro pro Kulturträger.
- Für alle Kulturträger gilt ein gemeinsames Förderbudget von maximal 100.000 Euro jährlich.
Die bisherige Praxis, nach der die Stadt allein für das Kulturwerk rund 138.000 Euro jährlich an Mietzahlungen an die stadteigene Mehrzwecksäle Norderstedt GmbH (MeNo) überwies, entfällt damit in der bekannten Form. Das beeinflusst nicht nur das Blueswerk: Auch andere Initiativen und Veranstalter in Norderstedt müssen unter der Begrenzung des Gesamtbudgets abwägen, wie viele und welche Projekte gefördert werden können.
Reaktionen und Ausblick
In der Szene werden die neuen Richtlinien teils scharf kritisiert; in Gesprächen ist von einem „Abrissplan“ für die Kultur die Rede. Der Verein selbst sieht die aktuelle Entwicklung als direkten Einschnitt für das kulturelle Leben in der Stadt. Konkrete Antworten der Stadtverwaltung auf die Kritik an den Förderrichtlinien lagen zum Zeitpunkt der Mitteilung des Vereins nicht vor. Ob und wie die Stadt auf die Ankündigung reagiert oder ob es kurzfristig Gesprächsangebote gibt, blieb offen.
Für Besucherinnen und Besucher bedeutet die Entscheidung, dass die Konzertreihe im Kulturwerk am See nur noch bis Mitte 2027 fortgeführt wird. Die noch geplanten zehn Veranstaltungen sollen stattfinden; darüber hinaus plant das Blueswerk keine Fortsetzung. Welche Lücken dies im lokalen Kulturprogramm hinterlässt, wird in den nächsten Monaten sichtbar werden.