Polizei nimmt Beamten ins Visier
In der Folge der schweren Ausschreitungen beim DFB‑Pokal‑Duell zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern leitet die Polizei Ermittlungen gegen einen ihrer Beamten ein. Nach Angaben der Behörde stehen der Verdacht der Körperverletzung im Amt sowie ein möglicher Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz im Raum. Dies bestätigte die Polizei der Deutschen Presse‑Agentur.
Die Entscheidung, auch einen Angehörigen der Polizei als Beschuldigten zu führen, folgt auf die Sichtung von Videomaterial. Darauf sei eine Person in schwarzer Kleidung und mit Helm zu sehen, die einen brennenden Gegenstand vom Spielfeld aufhebt und in Richtung einer Tribüne zurückwirft. Ob durch diese Handlung Personen verletzt wurden, ist bislang ungeklärt.
Die Polizei bestätigte Ermittlungen gegen einen Beamten „wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt sowie wegen eines Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz”.
Ermittlungsgruppe „Campus Ludi“ wertet Material aus
Die Polizei Mannheim hat zur Aufarbeitung der Vorfälle eine spezielle Ermittlungsgruppe mit dem Namen „Campus Ludi“ eingerichtet. Ihr Auftrag umfasst die Sichtung und Auswertung vorhandener Informationen sowie von Foto‑ und Videoaufnahmen. Ziel sei es, Tatverdächtige zu identifizieren und gegebenenfalls strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen, heißt es vonseiten der Behörde.
Konkrete Angaben zur Anzahl der bislang identifizierten Tatverdächtigen wurden nicht gemacht. Die Ermittlungen richten sich sowohl gegen Anhänger beider Vereine wegen des Abbrennens und Werfens von Pyrotechnik als auch — wie jetzt bekannt — gegen einen Polizeibeamten wegen möglicher Fehlhandlungen.
Ausmaß der Ausschreitungen und Folgen
Das Pokalspiel am 21. August endete mit einem 1:0‑Sieg für Kaiserslautern nach Verlängerung und stand wegen der massiven Zwischenfälle kurz vor dem Abbruch. Nach bisherigen Angaben waren bei dem Südwest‑Duell zahlreiche Kräfte im Einsatz. Die Zahlen im Überblick:
| Rolle | Anzahl |
|---|---|
| Polizeikräfte im Einsatz | rund 1.400 |
| verletzte Polizisten | 35 |
| medizinisch betreute Zuschauer | 85 |
| in Kliniken behandelt | 8 |
- Fans beider Lager hatten Pyrotechnik auf das Spielfeld geworfen.
- Einzelne Videoaufnahmen zeigen offenbar einen Helmträger, der mit einem brennenden Gegenstand vom Rasen agierte.
- Die Ermittlungsgruppe sammelt fortlaufend Bild‑ und Videomaterial.
Die Kombination aus umfangreichem Polizeieinsatz und zahlreichen verletzten Einsatzkräften sowie Zuschauern macht die Vorfälle zu einem größeren polizeilichen und organisatorischen Nachspiel für die Stadt. Für Vereine, Fans und Sicherheitsbehörden geht es nun neben strafrechtlichen Fragen auch um präventive Lehren für künftige Spiele.
Konsequenzen für Veranstaltungs‑ und Sicherheitsplanung
Die Ermittlungen gegen einen Polizisten werfen zusätzliche Fragen zur Kontrolle von Einsatzmaßnahmen und zur Dokumentation auf. Ob dienstrechtliche Schritte folgen oder ob die laufenden strafrechtlichen Verfahren weitreichendere Konsequenzen für die Ausgestaltung künftiger Einsätze haben, wird maßgeblich von den Ergebnissen der Sichtung des Materials abhängen. Die Ermittlungsgruppe „Campus Ludi“ will hierzu Erkenntnisse zusammenführen, bevor weitere Schlüsse gezogen werden.
Auch für die beiden Vereine ist der Vorfall belastend: Beide Clubs sehen sich nach den Ausschreitungen und der nun laufenden Aufarbeitung mit Kritik und möglichen Sanktionen konfrontiert. Für viele Mannheimerinnen und Mannheimer bleibt die Frage, wie Stadienbesuche künftig sicherer gemacht werden können, dringlich.
Die Polizei hat bislang weder Namen noch dienstliche Details zum beschuldigten Beamten veröffentlicht. Die Ermittlungen dauern an.