Kompetenz aus der Luftfahrt für die Klinikpraxis
Das Klinikum Lüneburg will die Teamarbeit und Kommunikation in kritischen Situationen systematisch verbessern und führt dafür das Trainingskonzept Crew Resource Management (CRM) ein. Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird von der Techniker Krankenkasse gefördert und startet in der Zentralen Notaufnahme. Langfristig soll das Konzept in Fortbildung, Einarbeitung und Qualitätsarbeit des Hauses verankert werden.
Warum CRM in der Notaufnahme?
CRM ist ein strukturiertes Verfahren, das ursprünglich für Cockpit-Crews entwickelt worden ist und seit Jahren in der Luftfahrt zur Fehlervermeidung eingesetzt wird. In High‑Risk‑Bereichen der Medizin hat sich das Konzept ebenfalls als wirksames Mittel zur Senkung von Risiken erwiesen. Am Klinikum Lüneburg soll CRM Rollen, Kommunikationswege und Entscheidungsprozesse in belastenden Situationen klarer regeln und so die Sicherheit für Patientinnen und Patienten erhöhen.
„Denn wer in einem freundlich‑kollegialen Umfeld mit professioneller Kommunikation und optimalen Abläufen arbeitet, zieht noch mehr Zufriedenheit aus unserem Beruf.“
Dieses Zitat des Pflegedirektors Patrick Evel bringt die zweite Zielgröße des Projekts auf den Punkt: Nicht nur die Patientinnen und Patienten sollen profitieren, sondern auch die Mitarbeitenden durch bessere Arbeitsbedingungen und stärkere Resilienz.
Wie soll das Projekt umgesetzt werden?
Als Pilotbereich wurde die Zentrale Notaufnahme ausgewählt. Chefarzt Nomayy Oweidi verweist darauf, dass in der Notaufnahme und insbesondere im Schockraum häufig unter Zeitdruck und mit wechselnden Teams gearbeitet werde. CRM liefere hier ein gemeinsames Handwerkszeug, um in solchen Situationen klarer, sicherer und effizienter zu handeln.
- Schwerpunkt: Optimierung von Teamarbeit, Kommunikation und Entscheidungsprozessen
- Zeithorizont: Projektlaufzeit drei Jahre
- Förderung: finanziell durch die Techniker Krankenkasse
- Startbereich: Zentrale Notaufnahme, mit dem Ziel späterer Ausweitung
Erwartete Effekte und Perspektiven
Das Klinikum erwartet, dass die strukturierte Einführung von CRM die Fehleranfälligkeit in kritischen Abläufen reduziert und die interprofessionelle Zusammenarbeit stärkt. Durch standardisierte Gesprächs- und Entscheidungsformate sollen Missverständnisse verringert und Arbeitsabläufe beschleunigt werden. Für Mitarbeitende ist zudem eine Verbesserung des Arbeitsumfeldes und damit eine Zunahme der beruflichen Zufriedenheit vorgesehen.
Konkrete Kennzahlen zur Wirkung des Projekts nannte das Klinikum noch nicht. Entscheidend wird sein, welche Indikatoren zur Messung von Patientensicherheit und Mitarbeitendenzufriedenheit definiert und regelmäßig ausgewertet werden.
Projektübersicht
| Projekt | Zeitraum | Pilotbereich | Förderung |
|---|---|---|---|
| Crew Resource Management (CRM) | 3 Jahre | Zentrale Notaufnahme | Techniker Krankenkasse |
Die geplante schrittweise Verankerung von CRM in Fortbildung, Einarbeitung und Qualitätsarbeit soll sicherstellen, dass einzelne Schulungsmaßnahmen nicht isoliert bleiben, sondern Teil eines nachhaltigen Veränderungsprozesses werden. Ob und in welchem Umfang das Klinikum Messgrößen wie Reanimationszeiten, Komplikationsraten oder Mitarbeiterfluktuation zur Bewertung heranzieht, wurde bisher nicht angekündigt.
Für die Lüneburger Bürgerinnen und Bürger bedeutet das Projekt eine potenzielle Stärkung der Versorgungssicherheit, besonders in akutmedizinischen Situationen. Auch für das Personal kann eine erfolgreiche Umsetzung die Arbeitsbelastung in kritischen Schichten mindern und die Zusammenarbeit über Berufsgruppen hinweg verbessern. Wie schnell und mit welchen Ergebnissen CRM in weiteren Bereichen des Klinikums ausgerollt wird, bleibt abzuwarten.
Das Klinikum Lüneburg setzt damit auf ein bewährtes Instrument aus der Luftfahrt, um lokale Gesundheitsversorgung und Teamkultur weiterzuentwickeln. Beobachterinnen und Beobachter vor Ort werden insbesondere auf erste Evaluationsergebnisse und konkrete Verbesserungen in der Notaufnahme achten.