Auf dem Gelände des ehemaligen Landratsamts am Ettlinger Tor entsteht ein markanter Neubau, der das Erscheinungsbild von Karlsruhe nachhaltig verändern wird. Das Projekt mit dem Namen KARLA sieht ein bis zu 90 Meter hohes Hochhaus vor, das in einer Holz‑Hybrid‑Konstruktion errichtet wird. Die Bauarbeiten haben deutliche Fortschritte gemacht: Der fünfgeschossige Flachbau ist im ersten Baufeld nach Angaben des Landkreises vollständig im Rohbau errichtet, bei der Gebäudehülle wird bereits intensiv gearbeitet.
Baufortschritt und Innenausbau
Teile der Fassade sind bereits fertiggestellt, im Bereich des Gemeindetags wurden Unterkonstruktion und Fensterelemente einschließlich Verglasung montiert. Weitere Fassadenflächen werden demnach Geschoss für Geschoss geschlossen. Im Innenbereich laufen unter anderem Trockenbau-, Fliesen- und Malerarbeiten. Parallel dazu wächst im Bereich des späteren Hochhauses der sogenannte „Lückenschluss“: Der Rohbau hat dort bereits das zweite Obergeschoss erreicht. Nach Angaben des Landkreises soll dieser Teil bis September 2026 fertiggestellt werden; anschließend wird das Hochhaus weiter in die Höhe gebaut. Die Fertigstellung des Gesamtprojekts ist für 2027 und 2028 vorgesehen.
Konstruktion, Klimabilanz und Material
Eine Besonderheit von KARLA ist das Tragwerk: Das Hochhaus soll zur Hälfte aus Holz bestehen. Nach Berichten werden etwa 50 Prozent der Struktur aus Holz ausgeführt, die Holzelemente bereits zugeschnitten auf die Baustelle geliefert und dort montiert. Dies soll den Bauablauf beschleunigen und hat nach Einschätzung der Objektverantwortlichen Vorteile für die Klimabilanz. Ragnar Watteroth, der für das Objekt verantwortlich ist, wird wie folgt zitiert:
„Durch die Kombination von Holz und Beton könne der Betonanteil bei den Geschossdecken deutlich reduziert werden. Nach seiner Einschätzung könnten dadurch im Vergleich zu einer konventionellen Bauweise rund 15.000 Tonnen CO₂ eingespart werden.“
Zum Verbleib des eingesetzten Holzes heißt es, dass das Material aus Rheinland‑Pfalz stammt.
- Standort: ehemaliges Landratsamt am Ettlinger Tor
- Gebäudehöhe: rund 90 Meter (Hochhaus)
- Baustatus: Flachbau Rohbau fertig, Hochhaus erreicht 2. Obergeschoss
- Fertigstellung: 2027/2028
- Tragwerk: Holz‑Hybrid, ca. 50 % Holzanteil
- Erwartete CO₂‑Einsparung: rund 15.000 Tonnen gegenüber konventioneller Bauweise
Städtebauliche Folgen und Infrastruktur
Das Projekt ersetzt schrittweise den früheren Gebäudekomplex des Landratsamts, dessen markantes Hochhaus abgebrochen wurde. Auf dem Areal ist zudem eine „grüne Mitte“ vorgesehen: In diesem Bereich wurden bereits Rigolen zur Entwässerung eingebaut. Solche Maßnahmen gehören zu den wasserwirtschaftlichen Vorkehrungen, die bei innerstädtischen Neubauvorhaben zunehmend Standard sind, um Starkregenereignisse besser zu bewältigen und Versickerungsflächen zu schaffen.
Die gewählte Holz‑Hybrid‑Technik hat auch wirtschaftliche Implikationen für die Region: Vorgefertigte Holzelemente erfordern spezialisierte Zulieferer und Logistik, was Zulieferketten in Südwestdeutschland beeinflussen kann. Gleichzeitig dürfte der beschleunigte Montageablauf Bauzeiten verkürzen und damit Planungs‑ sowie Finanzierungsspielräume verändern.
Zeitplan, Risiken und Beobachtungen
Nach aktuellem Stand ist der Bau in Etappen organisiert: Der Flachbau im ersten Baufeld steht, der Lückenschluss beim Hochhaus soll bis September 2026 den Rohbau abschließen, danach geht es in die Höhe. Die genannten Termine für 2027 und 2028 als Abschluss der Arbeiten bleiben abhängig von witterungsbedingten Einflüssen, Materiallieferungen und den üblichen Bauabläufen. Für Anwohner und Pendler bleibt die Baustelle ein Thema, das Verkehrsführung, Lärm und öffentliche Infrastruktur in den kommenden Jahren begleiten wird.
| Meilenstein | Status / Termin |
|---|---|
| Flachbau Rohbau | vollständig errichtet |
| Rohbau Hochhaus (Lückenschluss) | 2. Obergeschoss erreicht; Fertigstellung geplant bis September 2026 |
| Gesamtfertigstellung | angestrebt 2027/2028 |
Insgesamt steht KARLA beispielhaft für eine Entwicklung, in der Holz als konstruktiver Bestandteil auch in höheren Geschossen ernsthaft erprobt wird. Für Karlsruhe bedeutet das Projekt neben einem neuen Baukörper vor allem Diskussionen über Baustoffwahl, Klimabilanz und städtebauliche Integration in einem zentralen Quartier.