Wenn das Herz plötzlich stehenbleibt, entscheidet jede Minute über Leben und Tod. In Deutschland erleiden jährlich bis zu knapp 140.000 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Trotzdem gelingt bislang nur einer von zehn Betroffenen das Überleben, wenn nicht unmittelbar durch Laien geholfen wird.
Rolle von Ersthelfenden und Zeitfaktor
Bleibt das Herz stehen, wird ein Mensch innerhalb weniger Sekunden bewusstlos; nach etwa drei bis fünf Minuten beginnt das Gehirn, dauerhaft Schaden zu nehmen. Der Rettungsdienst erreicht Betroffene oft deutlich später: In den meisten Bundesländern liegen die Zielwerte bei etwa 10 bis 15 Minuten, in ländlichen Regionen werden diese Zeiten häufiger überschritten. Daher kommt es auf die Handlung von Anwesenden an, bis professionelle Helfer eintreffen.
Erkennen und richtig Reagieren
Das Deutsche Herzzentrum der Charité weist darauf hin, dass die beiden wichtigsten Zeichen eines Herz-Kreislauf-Stillstands Bewusstlosigkeit und das Fehlen einer normalen Atmung sind. Unregelmäßige Atmung oder sogenannte Schnappatmung zählen nicht als normale Atmung. Der einfache Leitgedanke für Laien lautet: Prüfen – Rufen – Drücken.
- Prüfen: Annäherung an die Person, Ansprechen und leichtes Schütteln, um Reaktionsfähigkeit zu testen.
- Rufen: Notruf absetzen und um Hilfe bitten, um Defibrillator und weitere Unterstützung herbeizuholen.
- Drücken: Sofortige Herzdruckmassage beginnen, bis professionelle Hilfe übernimmt.
„Wenn Sie bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand auf den Rettungsdienst warten, ist das fast immer das Todesurteil für den betroffenen Patienten“, betont der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Rats für Wiederbelebung, Bernd Böttiger.
Beispiel aus der Praxis
Ein konkreter Fall verdeutlicht die Dringlichkeit: Eine Frau erlebte im Nürnberger Stadtpark, wie ein Mann plötzlich zusammenbrach. Während Umstehende panisch reagierten, begann sie mit der Herzdruckmassage. Solche unmittelbar geleisteten Maßnahmen können nach Angaben von Experten die Überlebenschancen erheblich verbessern.
Was Betroffene und Laien wissen sollten
Die Faktenlage ist klar: Ohne sofortige Wiederbelebung sinken die Chancen, den Stillstand zu überleben, drastisch. Deshalb empfehlen Fachleute, grundlegende Maßnahmen der Herz-Lungen-Wiederbelebung zu erlernen und im Notfall nicht zu zögern. Öffentliche Debatten über Ausbildung in Erste Hilfe, Verfügbarkeit von Laien-Defibrillatoren und schulische Vermittlung von Wiederbelebungsmaßnahmen gewinnen damit an Bedeutung.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Jährliche Fälle außerhalb von Krankenhäusern | bis zu knapp 140.000 |
| Überlebensrate bislang | gut jeder Zehnte |
| Zielzeiten Rettungsdienst (meist) | 10–15 Minuten |
Angesichts dieser Zahlen steht die Frage im Raum, wie die Bereitschaft und Kompetenz der Bevölkerung ausgeweitet werden können. Initiativen zur Auffrischung von Erste-Hilfe-Kursen, die Verbreitung von Laien-Defibrillatoren und niedrigschwellige Schulungsangebote etwa in Schulen oder am Arbeitsplatz zählen zu den diskutierten Maßnahmen, um die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken.
Für Betroffene gilt: Nicht wegsehen, handeln. Selbst einfache Maßnahmen wie die korrekte Herzdruckmassage können in den entscheidenden Minuten zwischen Leben und Tod den Unterschied ausmachen.