In der Nordeifel brach in der Nacht ein großflächiger Waldbrand aus, der sich wegen stark wechselnder Winde rasch ausbreitete und nahe der Ortschaft Hürtgenwald-Gey gefährlich wurde. Behörden und Einsatzkräfte evakuierten binnen weniger Stunden hunderte Haushalte; nach Angaben der Kreisverwaltung mussten rund 1.800 Menschen ihre Wohnungen verlassen.
Feuer entwickelt sich zur größten Lage in NRW
Die Landesregierung geht davon aus, dass es sich um den bisher größten Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens handeln könnte. NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) bezeichnete das Ausmaß der Lage bei einem Besuch der Einsatzkräfte als außergewöhnlich.
„Wir haben hier in Hürtgenwald mit einem Ausmaß zu tun, mit dem wir so nichts zu tun hatten in Jahrzehnten.”
Gorißen nannte eine geschätzte betroffene Fläche von etwa 200 bis 300 Hektar. Die genaue Größe wird noch überprüft, weil das Feuer in der Nacht und am Folgetag weiter um sich griff.
Evakuierung und Lage vor Ort
Am frühen Freitagmorgen war das Feuer den Angaben zufolge nur noch rund 250 Meter vom Ortsteil Gey entfernt. Die Einsatzleitung ordnete daraufhin eine schnelle Sicherung der Bevölkerung an; die Polizei klingelte die Anwohner aus den Häusern und koordinierte die Evakuierung. Innerhalb von etwa vier Stunden mussten zahlreiche Menschen ihre Wohnungen verlassen.
Der Dürener Landrat Ralf Nolten (CDU) berichtete, dass sich Einsatzkräfte stellenweise zurückziehen mussten, um das Risiko einer Einkesselung einzelner Einheiten zu vermeiden. Die Zusammenarbeit von Feuerwehr, Polizei und anderen Hilfsorganisationen lief über Nacht und am Vormittag weiter.
Verletzte, Schaden und besondere Gefahren
Bei dem Einsatz wurden nach aktuellem Stand fünf Personen verletzt: Eine ältere Person erlitt Herzprobleme während der Evakuierung, vier Einsatzkräfte erlitten leichte Verletzungen wie Schnittverletzungen und Kreislaufprobleme.
Besorgnis erregt zudem, dass große Teile des betroffenen Waldes mit Resten aus dem Zweiten Weltkrieg belastet sind. In dem weitläufigen, teils alten Waldgebiet liegen noch Weltkriegsmunition und Blindgänger, was die Löscharbeiten zusätzlich kompliziert und gefährlich macht. Aufgrund dieser Gefahr sind auch Pionierpanzer der Bundeswehr zur Unterstützung angefordert worden, um kontrollierte Maßnahmen und Absicherungen vorzunehmen.
Unklarheit über Brandursache und Ausblick
Die Ursache des Feuers ist bislang nicht geklärt. Ermittlungen und Untersuchungen zur Brandentstehung laufen. Wegen der heiß-trockenen Wetterlage und der starken Winde besteht weiterhin die Gefahr von Funkenflug und erneuter Ausbreitung.
Die Lagebeurteilung erfolgt fortlaufend; Einsatzkräfte versuchen, das Feuer einzudämmen und Wohngebiete zu schützen. Anwohner werden gebeten, die Anweisungen von Polizei und Feuerwehr zu befolgen und Informationen aus offiziellen Quellen zu nutzen.
Konkrete Zahlen und Fakten
| Faktor | Angabe |
|---|---|
| Geschätzte Brandfläche | 200–300 Hektar (vorläufig) |
| Evakuierte Personen | Gut 1.800 |
| Verletzte | 5 (eine ältere Person, vier Einsatzkräfte; überwiegend leichte Verletzungen) |
| Entfernung zum Ortsteil Gey | Rund 250 Meter (Stand früher Morgen) |
Was Anwohner jetzt wissen sollten
- Folgen Sie den Evakuierungsanweisungen der Polizei und Feuerwehr unverzüglich.
- Halten Sie Notunterlagen, Medikamente und persönliche Dokumente bereit.
- Vermeiden Sie Aufenthalte im Freien wegen Rauchbelastung; schließen Sie Fenster und Türen.
- Informieren Sie sich über offizielle Kanäle der Kreisverwaltung und der Feuerwehr.
Hürtgenwald selbst zählt rund 9.000 Einwohner, der direkt betroffene Ortsteil Gey etwa 2.300 Einwohner. Die Lage bleibt angespannt: Sollten die Wetterbedingungen anhalten, kann sich die Situation kurzfristig verschärfen. Die Einsatzkräfte arbeiten mit Hochdruck daran, das Feuer unter Kontrolle zu bringen und die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten.
Deniz Sahin, Korrespondent Nordrhein-Westfalen, WE NEWS