Gesundheit

Forscher: Ein Schlüsselreiz kann braunes Fett aktivieren und Stoffwechsel beeinflussen

Der Endokrinologe Tim Hollstein beschreibt zwei Stoffwechseltypen und erklärt, wie sich der Energieverbrauch messen lässt. Seine Forschung weist auf einen zentralen Reiz hin, der braunes Fett aktiviert und so den Kalorienverbrauch beeinflussen könnte.

Forscher: Ein Schlüsselreiz kann braunes Fett aktivieren und Stoffwechsel beeinflussen
©Illustration KI Miriam Sonntag / we-news.com

Ein zentraler Reiz könne das braune Fettgewebe aktivieren und langfristig vermehren, sagt der Endokrinologe Tim Hollstein. Damit beschreibt er einen Mechanismus, der den individuellen Energieverbrauch beeinflusst und für Strategien gegen Übergewicht von Bedeutung sein könnte. Hollstein, der in den USA zum Stoffwechsel geforscht hat und derzeit als Oberarzt und Leiter der Ernährungsmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel arbeitet, stellt seine Einschätzungen in einem Interview dar.

Unterschiedliche Stoffwechseltypen

Die Forschungsergebnisse, die Hollstein in den USA gewonnen hat, zeigten demnach, dass es zwei grundsätzliche Stoffwechseltypen gebe: einen „verschwenderischen“ und einen „sparsamen“ Stoffwechsel. Diese Unterscheidung helfe zu erklären, warum Menschen unterschiedlich auf Nahrungsaufnahme reagieren und warum manche offenbar mehr Kalorien verbrennen als andere, obwohl sie ähnliche Lebensweisen haben.

Der Stoffwechsel bestimme, wie viele Kalorien der Körper benötige, betont Hollstein. Um den individuellen Typ zu bestimmen, sei es notwendig, den tatsächlichen Energieverbrauch zu messen – das lasse Rückschlüsse auf die Aktivität des Stoffwechsels zu.

Wie der Energieverbrauch gemessen wird

Für die Messungen nutzte das Team eine Stoffwechselkammer. Dort werden der Kohlenstoffdioxidgehalt und der Sauerstoffgehalt in der Ausatemluft erfasst, um den Energieverbrauch zu berechnen. Laut Hollstein wohnten die Probanden zwei bis drei Tage in diesen kleinen, hermetisch abgeriegelten Räumen, die mit Bett, Toilette und Fernseher ausgestattet sind. Ziel ist es, die gesamte Energieaufnahme und -abgabe unter kontrollierten Bedingungen zu erfassen.

„Das ist der wichtigste Reiz, um braunes Fett zu aktivieren und langfristig zu vermehren“

Die präzisen Messbedingungen dienen dazu, den Ruhe- und Gesamtkalorienverbrauch unabhängig von kurzfristigen Schwankungen zu erfassen. Die Daten erlauben, die Aktivität des Stoffwechsels einzuordnen und Menschen einem der beiden Typen zuzuordnen.

  • Versschwenderischer Stoffwechsel: Höherer Energieverbrauch, tendenziell leichteres Halten des Gewichts bei gleicher Kalorienzufuhr.
  • Sparsamer Stoffwechsel: Niedrigerer Energieverbrauch, höhere Neigung zur Gewichtszunahme bei gleicher Kalorienzufuhr.
  • Stoffwechselmessung: Messung von CO2 und O2 in einer hermetisch abgeschlossenen Stoffwechselkammer über 2–3 Tage.

Relevanz für die Praxis

Hollsteins Ausführungen haben praktische Bedeutung: Wenn sich individuelle Stoffwechseltypen zuverlässig bestimmen lassen, könnten präzisere Empfehlungen für Ernährung und Bewegung folgen. Die Unterscheidung kann erklären, warum Standardratschläge zum Kaloriendefizit und zur Bewegung bei verschiedenen Personen unterschiedliche Erfolge zeigen.

Gleichzeitig macht Hollsteins Arbeit deutlich, dass Übergewicht nicht allein eine Frage von Willenskraft sei. In Deutschland gelten mehr als die Hälfte der Menschen als übergewichtig, wie er im Gespräch hervorhebt. Biologische Unterschiede im Energieverbrauch tragen demnach erheblich zu individuellen Gewichtsverläufen bei.

Aspekt Beschreibung
Messmethode Stoffwechselkammer, Messung von CO2 und O2 in der Ausatemluft
Dauer 2–3 Tage Aufenthalt der Probanden in der Kammer
Ergebnis Unterscheidung in „verschwenderischen“ und „spar­samen“ Stoffwechsel

Für die klinische Anwendung bedeutet das: Individuelle Messungen könnten künftig helfen, personalisierte Ernährungs- und Bewegungsprogramme zu entwickeln. Welche konkreten Interventionen sich aus der Aktivierung von braunem Fett ableiten lassen, erklärte Hollstein in dem vorliegenden Gespräch nur rudimentär; er hebt vielmehr die Bedeutung des als zentral bezeichneten Reizes hervor.

Die Forschung zum braunen Fett und zur Stoffwechselvariation befindet sich weiterhin im Kontext internationaler Studien. Hollsteins Arbeit verbindet experimentelle Messverfahren mit der Idee, physiologische Unterschiede in der Bevölkerung zu berücksichtigen. Das kann die Debatte um Prävention, Ernährungsberatung und therapeutische Ansätze gegen Übergewicht und Stoffwechselstörungen beeinflussen.

Langfristig könnten genauere Messungen des individuellen Energieverbrauchs dazu beitragen, Empfehlungen stärker zu individualisieren und damit Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Maßnahmen zur Gewichtsreduktion zu verbessern.

Berichterstattung aus dem Bereich Gesundheit, basierend auf einem Interview mit Endokrinologe Tim Hollstein.

Miriam Sonntag
Miriam KI Gesundheitsredakteurin online

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