Stuttgart — Die Exporte der baden-württembergischen Wirtschaft sind im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahr moderat gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes wurde Waren im Wert von rund 127 Milliarden Euro in die Welt geliefert, ein Plus von 3,8 Prozent.
Gegenläufige Dynamik nach Branchen
Die Gesamtsteigerung wird von unterschiedlichen Entwicklungen in den Kernsektoren getragen: Während insbesondere die Metallindustrie ein deutliches Wachstum zeigte, verzeichneten traditionelle Schlüsselbranchen wie der Fahrzeugbau, der Maschinenbau und die Pharmaindustrie rückläufige Ausfuhren.
Die Metallbranche erhöhte ihre Lieferungen ins Ausland nach den vorliegenden Zahlen um rund 46 Prozent. Dieses Wachstum wirkte zumindest teilweise ausgleichend auf die schwächere Nachfrage aus anderen Bereichen der regionalen Wertschöpfung.
Rückgang bei wichtigen Zielländern
Bei den Abnehmerländern zeigten sich bemerkenswerte Verschiebungen: Die Vereinigten Staaten bleiben zwar weiterhin eines der wichtigsten Exportziele für Produkte aus Baden-Württemberg, die Ausfuhren in die USA nahmen jedoch um etwa 5 Prozent ab. Besonders betroffen waren Lieferungen von Kraftwagen und Gütern der Pharmaindustrie.
Noch deutlicher fiel der Rückgang bei den Ausfuhren nach China aus: Der Warenwert sank auf rund 5,7 Milliarden Euro und lag damit fast ein Fünftel unter dem Vorjahreszeitraum. In der Rangfolge der Abnehmerländer fiel China dadurch auf den achten Platz zurück.
Importe steigen stärker
Parallel zu den Exportbewegungen stiegen die Einfuhren nach Baden-Württemberg stärker als die Ausfuhren: Die Importe erhöhten sich um 5,4 Prozent und erreichten einen Wert von rund 115 Milliarden Euro. Dabei war die Volksrepublik China erneut das wichtigste Herkunftsland, von dem Waren im Wert von etwa 11,5 Milliarden Euro nach Baden-Württemberg kamen, ein Zuwachs von 13,9 Prozent.
- Gesamtwert Exporte: rund 127 Milliarden Euro (+3,8 %)
- Gesamtwert Importe: rund 115 Milliarden Euro (+5,4 %)
- Metallindustrie: Exportanstieg etwa +46 %
- USA: Exporte zurück um rund 5 %
- China: Exporte auf etwa 5,7 Milliarden Euro, Rückgang fast 20 %; Importe +13,9 % auf rund 11,5 Milliarden Euro
Regionale Folgen und Einordnung
Für Baden-Württemberg, dessen Wirtschaft stark von Industrieexporten geprägt ist, sind solche Verschiebungen bedeutsam: Schwächen in der Automobil- und Maschinenbaubranche treffen Zuliefererketten und Beschäftigung lokal spürbar. Zugleich zeigt die Stärke der Metallindustrie, dass strukturelle Umstellungen und Nachfrageverschiebungen branchenabhängig wirken.
Die Verlagerung bei den Zielmärkten — geringere Ausfuhren in die USA und nach China, steigende Importe aus China und zunehmende Bedeutung der Schweiz als Absatzmarkt — macht deutlich, wie volatil die globale Nachfrage ist und wie sensibel die exportorientierte Wirtschaft in Baden-Württemberg auf geopolitische und handelspolitische Rahmenbedingungen reagiert.
| Kennzahl | Wert | Veränderung (Jahresvergleich) |
|---|---|---|
| Exporte | ~127 Mrd. € | +3,8 % |
| Importe | ~115 Mrd. € | +5,4 % |
| Metallindustrie (Exporte) | — | +46 % |
| Exporte in die USA | — | −5 % |
| Exporte nach China | ~5,7 Mrd. € | −~20 % |
| Importe aus China | ~11,5 Mrd. € | +13,9 % |
Ausblick
Für die kommenden Monate bleibt die Entwicklung von mehreren Faktoren abhängig: der weltwirtschaftlichen Konjunktur, der Nachfrage in Schlüsselbranchen wie Automobil und Maschinenbau, aber auch von Handelspolitik und Lieferkettenstabilität. Unternehmen im Land werden ihre Absatzstrategien prüfen müssen, um auf veränderte Nachfrageprofile und höhere Importanteile reagieren zu können.
Insgesamt vermittelt die Halbjahresbilanz ein Bild von Anpassungsprozessen: Die Exportquote wächst zwar insgesamt, doch die Spreizung zwischen Gewinnern und Verlierern ist deutlich. Für die baden-württembergische Wirtschaft bedeutet das: Fokus auf Diversifikation der Märkte und stärkere Positionierung in Branchen mit wachsenden Exportchancen.