Die Erkältungszeit hat begonnen und mit ihr mehren sich wieder Ratschläge, wie man Infektionen vermeiden oder schneller loswerden könne. Zwei medizinische Expertinnen haben typische Aussagen rund um Erkältungen überprüft und ihre Einschätzung veröffentlicht. Die zentrale Botschaft: Für eine Erkältung braucht es Viren – viele traditionelle Bedenken sind nur teilweise begründet.
Auskühlen allein macht nicht krank
Die weit verbreitete Annahme, dass Kälte oder nasse Haare zwangsläufig zu einer Erkältung führen, trifft demnach nicht in jedem Fall zu. Kälte sorgt nicht automatisch für eine Infektion, weil eine Erkältung nur durch das Eindringen von Viren entsteht. Allerdings könne Auskühlen die körpereigene Abwehr beeinträchtigen, erläutert Eva Hummers, Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Göttingen und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM).
„Aber es ist schon so, dass es die Abwehrkräfte des Körpers ein Stück weit beeinträchtigt, wenn man auskühlt oder friert.“
Hummers weist zugleich darauf hin, dass extreme Wärme durch übermäßiges Anziehen ebenfalls keine verlässliche Vorbeugung darstellt. Das Risiko, sich anzustecken, bestimme primär die Exposition gegenüber Krankheitserregern.
Vitamin C: Kein Schutz, leichte Verkürzung möglich
Die Annahme, durch regelmäßige Vitamin‑C‑Tabletten Erkältungen verhindern zu können, hält einer wissenschaftlichen Prüfung nicht stand. Nach Angaben von Sonja Siegert, stellvertretende Chefredakteurin im Ressort Gesundheitsinformation des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), belegen Studien, dass Vitamin‑C‑Präparate nicht zur Vorbeugung von Erkältungen geeignet sind.
Gleichzeitig zeige die Forschung, dass eine regelmäßige Einnahme von Vitamin C die Dauer der Symptome um etwa 10 Prozent reduzieren könne – zum Beispiel von zehn auf neun Tage. Beginn der Einnahme erst zu Symptombeginn habe in Studien dagegen keine nachweisbare Wirkung.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, den Bedarf in der Regel über die Ernährung zu decken. Zu den guten Vitamin‑C‑Lieferanten zählen Zitrusfrüchte, Paprika, Kohl und Kartoffeln.
Worauf es bei Erkältungen ankommt
Die Expertinnen betonen, dass nicht jede populäre Regel wissenschaftlich untermauert ist. Wichtig sei eine realistische Einschätzung von Risiko und Wirksamkeit verschiedener Maßnahmen. Als Orientierung lassen sich einige geprüfte Aussagen zusammenfassen:
- Kälte allein macht nicht krank; Viren sind Voraussetzung für eine Erkältung.
- Ausreichende Kleidung kann das Wohlbefinden erhöhen und negative Effekte durch Auskühlen vermindern, verhindert aber keine Infektion per se.
- Vitamin C schützt nicht vor Erkältungen, kann bei regelmäßiger Einnahme die Krankheitsdauer jedoch geringfügig verkürzen.
- Beginn der Vitamin‑C‑Einnahme erst bei Symptombeginn zeigte in Studien keine Wirkung.
- Eine ausgewogene Ernährung bietet üblicherweise ausreichende Versorgung mit Vitamin C.
| Behauptung | Fazit der Expertinnen |
|---|---|
| Ausgekühlt = Erkältet | Nur teils richtig: Auskühlen schwächt Abwehr, Virus nötig |
| Vitamin C verhindert Erkältungen | Nein; regelmäßige Einnahme kann Krankheitsdauer um etwa 10 % verkürzen |
Die Beraterinnen raten dazu, sich nicht allein auf Mythen zu verlassen, sondern evidenzbasierte Empfehlungen und Alltagstipps zu berücksichtigen. Dazu gehört neben angemessener Kleidung und Ernährung auch das Vermeiden von engen Kontakten zu Infizierten, gründliches Lüften sowie eine symptomorientierte Versorgung bei Erkrankung.
Für viele Menschen sei es hilfreich, die eigene Immunlage durch ausreichenden Schlaf, Impfungen dort, wo sie empfohlen sind, und eine ausgewogene Ernährung zu stabilisieren. Konkrete Therapievorschläge oder medikamentöse Maßnahmen sollten mit behandelnden Ärztinnen und Ärzten abgestimmt werden.
Die Untersuchung der acht typischen Erkältungsaussagen zeigt, wie viel Unsicherheit in Alltagsratschlägen steckt und wie wichtig die Einordnung durch Fachleute ist. Nicht jede traditionelle Weisheit erweist sich als falsch, vieles aber ist nur bedingt zutreffend oder wirkt anders als angenommen.
Redaktionelle Anmerkung: Aussagen und Einschätzungen in diesem Beitrag beruhen auf der Auswertung von Expertenmeinungen und wissenschaftlichen Ergebnissen, wie sie im Originaltext zusammengefasst wurden.