Remseck/Stuttgart — Anhaltende Hitze und ausbleibende Niederschläge haben in Teilen Baden-Württembergs die landwirtschaftliche Produktion im Erntejahr 2026 deutlich reduziert. Auf der Ernte-Pressekonferenz des Landesbauernverbands (LBV) in Remseck beschrieben Landwirte und Verbandsvertreter die Lage als ernst: Viele Flächen sind oberflächlich zwar feucht, doch tiefer liegende Bodenschichten bleiben „knochentrocken“, was das Wachstum von Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben stark beeinträchtigt.
Konkrete Ertragsverluste und erwartete Gesamtmenge
Nach Angaben des LBV wurden beim Winterweizen im Mittel 67,2 Dezitonnen je Hektar geerntet; das entspricht einem Rückgang von 8,2 Prozent gegenüber dem Mittel der vergangenen sechs Ernten. Die Wintergerste blieb mit 70 Dezitonnen je Hektar relativ stabil und lag 1,3 Prozent über dem genannten Vergleichsschnitt. Bei anderen Kulturen fielen die Einbußen deutlicher aus: Sommergerste, Raps und Hafer erreichten Erträge von 49,6, 35,7 und 38,9 Dezitonnen je Hektar; die Rückgänge bewegten sich in einer Bandbreite von rund 9,7 bis 19,4 Prozent.
Insgesamt erwartet der Landesbauernverband 2,57 Millionen Tonnen Getreide für Baden-Württemberg in diesem Jahr. Für einzelne Betriebe, die auf wenige Kulturen spezialisiert sind, bedeutet dies jedoch ein erhebliches finanzielles Risiko.
Voices vom Hof
„Die kleinen Kartoffeln nimmt ja niemand, das werden Drillinge“, sagte der Landwirt Werner Escher und verdeutlichte damit die zerrissene Struktur der Feldware, die sich durch die Trockenheit ergeben hat.
Diese anschauliche Beobachtung steht stellvertretend für viele Höfe im Südwesten: Statt einzelner großer Knollen finden sich zahlreiche kleine Exemplare, die weder Gastronomie noch Handel im gewohnten Umfang abnehmen. Die Einnahmen aus diesem Bereich, so betonen Landwirte, drohen deshalb zu sinken.
„Die Dürre trifft unsere Landwirtschaft mit voller Wucht“, sagte LBV-Präsident Joachim Rukwied auf der Konferenz und verwies zugleich auf die langfristig höheren Kosten und die zunehmenden Wetterextreme.
Regionale Auswirkungen und Belastungsfaktoren
Neben dem Wassermangel nennen Verbandsvertreter steigende Produktionskosten und niedrige Erzeugerpreise als weitere Belastungsfaktoren. Zusammen erhöhen diese Umstände das Insolvenzrisiko für Betriebe, die ohnehin nur geringe Puffer besitzen. Besonders betroffen sind bäuerliche Betriebe, deren Haupteinnahmequelle Kartoffeln, Mais oder Zuckerrüben darstellen.
- Winterweizen: 67,2 dt/ha (-8,2 % gegenüber Mittel)
- Wintergerste: 70 dt/ha (+1,3 % gegenüber Mittel)
- Sommergerste, Raps, Hafer: 49,6 / 35,7 / 38,9 dt/ha (Rückgänge zwischen ~9,7 und 19,4 %)
- Erwartete Gesamtmenge Getreide: 2,57 Millionen Tonnen
Tabelle: Ausgewählte Erträge und relative Veränderung
| Kultur | Ertrag (dt/ha) | Veränderung gegenüber Mittel |
|---|---|---|
| Winterweizen | 67,2 | -8,2 % |
| Wintergerste | 70,0 | +1,3 % |
| Sommergerste | 49,6 | Rückgang im Bereich ~9,7–19,4 % |
| Raps | 35,7 | Rückgang im Bereich ~9,7–19,4 % |
| Hafer | 38,9 | Rückgang im Bereich ~9,7–19,4 % |
Betroffene Erzeugnisse und Vermarktung
Landwirte berichten, dass besonders die Vermarktung kleiner Kartoffeln problematisch ist, weil Abnehmer in Gastronomie und Handel größere Einheitengrößen bevorzugen. Übergrößen, die üblicherweise für bestimmte Abnehmer reserviert sind, fehlen hingegen nahezu vollständig. Für Betriebe ohne alternative Absatzwege oder spezialisierte Verträge erhöht das die Dringlichkeit finanzieller oder logistischer Hilfe.
Ausblick und Handlungsfragen
Der Landesbauernverband fordert angesichts der Situation verstärkte Aufmerksamkeit von Politik und Gesellschaft. Neben kurzfristigen Hilfsmaßnahmen steht die Frage im Raum, wie Landwirtschaft und Versorgungssicherheit langfristig widerstandsfähiger gegen zunehmend häufigere Wetterextreme gemacht werden können. Konkrete Maßnahmen oder Hilfspakete wurden auf der Pressekonferenz nicht im Detail genannt; die Verbandsvertreter unterstrichen jedoch den Bedarf an Lösungen, die sowohl finanzielle Belastungen als auch strukturelle Anpassungen adressieren.
Für Verbraucher könnten reduzierte Erträge mittelfristig Preissteigerungen bei einzelnen Erzeugnissen und ein verändertes Angebot bedeuten. Für die betroffenen Betriebe entscheidet sich in den kommenden Monaten, ob staatliche Unterstützung, Rücklagen oder alternative Absatzwege ausreichen, um existenzielle Engpässe zu überbrücken.
Die Dürre 2026 hat damit nicht nur agrarwirtschaftliche Kennzahlen verändert, sondern stellt viele Höfe im Südwesten vor die Frage, wie sie ihre Betriebe unter veränderten klimatischen und ökonomischen Bedingungen zukunftsfest machen können.