Die anhaltende Hitze und Trockenheit in Baden‑Württemberg lassen die Futterreserven vieler Höfe drastisch schrumpfen und zwingen Landwirte zu Notschlachtungen und Bestandssenkungen. Nach Angaben des Landesbauernverbands stehen den Betrieben derzeit 30 bis 40 Prozent weniger Futter zur Verfügung als zu dieser Jahreszeit üblich. Auf den ausgetrockneten Wiesen wächst kaum neue Biomasse nach, wichtige Winterreserven werden bereits angegriffen.
Erste Betriebe geben Tiere ab oder schlachten vorzeitig
In mehreren Landesteilen – darunter Schwäbisch Hall, Esslingen, der Kreis Reutlingen sowie die Regionen um Rottweil, Tuttlingen, Tübingen und den Zollernalbkreis – berichten Verbände und Landwirte von konkreten Folgen: Tiere werden vorzeitig verkauft oder zur Schlachtung gegeben, Schlachthöfe führen in einigen Gebieten bereits Wartelisten. Für Betriebe mit Vieh, die zusätzlich auf zugekauftes Futter angewiesen sind, ist die Lage besonders angespannt.
„Die Futtersituation ist in weiten Teilen des Landes dramatisch.“
Dominik Modrzejewski vom Landesbauernverband warnte, dass ohne Regen weitere Abbau‑Maßnahmen nötig seien. Viele Betriebe schöpfen bereits aus ihren Winterreserven; Heu, Öhmd und Stroh sind vielerorts kaum noch zu bekommen. Wer Futter findet, muss tiefer in die Tasche greifen: Der Verband benennt eine Preissteigerung für verfügbare Ware von etwa 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Ein konkretes Beispiel aus Crailsheim
Der Landwirt Harald Gronbach aus Crailsheim hat bereits reagiert: Er ließ ältere Tiere und solche ohne Zuchtwert vorzeitig schlachten. Gronbach, 59 Jahre alt, hält nach eigenen Angaben 130 Milchkühe. „Wir sehen ja, dass die Futtergrundlage nicht ausreicht. Bis Herbst muss es regnen, sonst ist die Existenz des Betriebs auch bedroht“, sagt er und macht damit deutlich, wie direkt die Gefahr für die wirtschaftliche Fortführung einzelner Höfe bereits ist.
Regionale Unterschiede und kurzfristige Folgen
Die Auswirkungen sind regional unterschiedlich, doch das Muster ist überall ähnlich: Ausgefallene Nachlieferungen vom Feld, geringerer Aufwuchs auf Grünland und damit sinkende Qualität und Menge des verfügbaren Futters. In einigen Kreisen wurden bereits bis zu 15 Prozent der Tierbestände veräußert. Besonders Betriebe, die auf Gras und Heu angewiesen sind, verlieren damit die wichtige Grundlage für die Winterfütterung.
- Weniger Futtervorräte: 30–40 % Rückgang laut Landesbauernverband
- Preissteigerung für vorhandenes Heu/Stroh: rund 50 % gegenüber Vorjahr
- Regional schon Wartelisten beim Schlachten (z. B. Schwäbisch Hall)
Wirtschaftliche und logistische Folgen
Die jetzt notwendigen Bestandsreduzierungen haben unmittelbare wirtschaftliche Effekte: Einnahmen durch vorzeitigen Verkauf oder Schlachtung stehen geringeren Produktionsmengen gegenüber; gleichzeitig steigen die Betriebskosten bei Futterzukauf erheblich. Schlachtkapazitäten werden kurzfristig stärker belastet, was zu Wartezeiten und organisatorischem Mehraufwand führt. Für die Folgejahre drohen außerdem Strukturveränderungen, wenn einzelne Betriebe die Bedingungen nicht überstehen.
Was jetzt wichtig ist
Für betroffene Landwirte gilt es, die verbleibenden Reserven zu schonen, Lieferketten für Zukauf zu prüfen und mögliche Solidarangebote innerhalb der zahlreichen landwirtschaftlichen Genossenschaften zu nutzen. Öffentliche Unterstützung oder Versicherungsleistungen gegen Dürreschäden wurden in der vorliegenden Mitteilung nicht konkret genannt; der Fokus liegt auf kurzfristigen betrieblichen Maßnahmen und der Hoffnung auf regenreiche Wochen bis zum Herbst.
| Region/Ort | Gemeldetes Problem |
|---|---|
| Schwäbisch Hall | Wartelisten bei Schlachthöfen |
| Esslingen / Kreis Reutlingen | Bis zu 15 % Bestandsabbau |
| Rottweil, Tuttlingen, Tübingen, Zollernalbkreis | Weiterer notwendiger Bestandsabbau bei ausbleibendem Regen |
Langfristig bleibt die Frage offen, wie klimafeste Futterkonzepte und regionale Lagerkapazitäten ausgebaut werden können. Kurzfristig aber stehen viele Höfe vor der Herausforderung, in den kommenden Wochen ausreichend Futter für die verbleibenden Tiere zu sichern oder mithilfe geplanter Verkaufsschritte wirtschaftlich zu überleben.
Die Lage wird vom Landesbauernverband als ernst eingeschätzt; entscheidend bleibt nun, ob Niederschläge die Vegetation rasch revitalisieren oder die Ernteausfälle weiter verschärfen. Für Betriebe wie den in Crailsheim bedeutet das: Die kommenden Wochen entscheiden über die Existenz.