Die lokale Gliederung der Kommunikationsgewerkschaft DPV-KOM in Bamberg übt scharfe Kritik an der derzeitigen Arbeitsplatzpraxis bei der Deutschen Telekom. Nach Angaben von Johannes Wicht, Ex-Betriebsrat und Gewerkschaftsvertreter, beeinträchtigen insbesondere Großraumbüros und eine hohe Zahl an Telefonkonferenzen die Arbeitsleistung vieler Beschäftigter.
Umfrage: Fast jeder vierte Beschäftigte arbeitet gestört
Eine aktuelle Umfrage, auf die die DPV-KOM sich beruft, zeigt demnach, dass fast jeder vierte Beschäftigte während der Arbeitszeit nicht einmal eine Stunde ungestört arbeiten kann. Die Folge seien Konzentrationsprobleme bei anspruchsvollen Tätigkeiten: hochwertige Auswertungen, Terminarbeiten und die Erstellung von Präsentationen litten unter ständigen Unterbrechungen und lauten Telefongesprächen.
- DPV-KOM Bamberg fordert konkrete Änderungen in der Arbeits- und Meetingkultur.
- Die Gewerkschaft sieht Großraumbüros als einen zentralen Störfaktor für produktives Arbeiten.
- Es wird gefordert, Räume und Zeitfenster für ungestörtes Arbeiten zu schaffen.
Forderung an den Vorstand
Wicht appelliert an den Telekom-Vorstand, die gängige Praxis zu überdenken und Strukturen zu schaffen, die konzentriertes Arbeiten wieder ermöglichen. Er nennt als Beispiele weniger Unterbrechungen und gezielte Zeiträume ohne Meetings, damit Mitarbeitende anspruchsvolle Aufgaben ohne häufige Störungen bearbeiten können.
„Überdenken Sie die derzeitige Arbeits- und Meetingkultur. Schaffen Sie Räume und Zeiten, in denen Mitarbeiter*innen wieder ungestört arbeiten können. Denn wer gute Arbeit will, muss auch konzentriertes Arbeiten ermöglichen.“
Arbeitsmodelle und Realität
Nach Angaben der DPV-KOM bleiben trotz verschiedener Arbeitsmodelle Büros für die meisten Beschäftigten der wichtigste Arbeitsort. Der laufende Austausch per Telefonkonferenz, ebenso wie lautstarke Einzelgespräche, stehen dabei im Mittelpunkt der Kritik. Die Gewerkschaft argumentiert, dass die vorhandenen räumlichen Rahmenbedingungen nicht mit den Anforderungen anspruchsvoller Wissensarbeit übereinstimmen.
| Problempunkt | Auswirkung |
|---|---|
| Häufige Telefonkonferenzen | Unterbrechungen, weniger ungestörte Arbeitszeit |
| Großraumbüros | geringere Konzentrationsfähigkeit, Störungen bei Präsentations- und Analysearbeiten |
| Fehlende Rückzugsräume | kein geschützter Raum für anspruchsvolle Aufgaben |
Lokaler Bezug und mögliche Folgen
Für Bamberg und die Region ist die Debatte nicht rein theoretisch: Viele Beschäftigte in der Kommunikations- und IT-Branche sowie in Call- und Service-Centern sind von ähnlichen Strukturen betroffen. Sollte die Telekom den Appell der DPV-KOM ignorieren, könnte dies einerseits die Arbeitszufriedenheit und andererseits die Qualität von Arbeitsergebnissen beeinträchtigen. Andererseits würde eine Anpassung der Arbeits- und Meetingkultur die Bedingungen für Beschäftigte in Bamberg verbessern — besonders für jene, die regelmäßig konzentrierte Einzelarbeit leisten müssen.
Die DPV-KOM hat ihren Ruf nach Veränderungen deutlich formuliert, hält konkrete Vorschläge aber bewusst vage: Es geht primär um das Schaffen von Räumen und Zeiten für ungestörtes Arbeiten sowie um eine kritischere Betrachtung der Meetingkultur. Konkrete Umsetzungspläne oder Verhandlungen mit der Telekom werden in der Mitteilung nicht genannt.
Ob der Telekom-Vorstand die Forderungen aufgreift, bleibt abzuwarten. Die Debatte fügt sich in eine breitere, bundesweit geführte Diskussion über Bürogestaltung, Arbeitszeitmodelle und die Balance zwischen Erreichbarkeit und Konzentrationszeit ein — für Bamberg jedoch mit unmittelbaren Folgen für Beschäftigte vor Ort.