Wegen der anhaltenden Trockenheit hat Baden-Württemberg den Katastrophenfall für ökologisch wirtschaftende Betriebe im Sinne des europäischen Ökorechts ausgerufen. Ziel der Maßnahme ist es, akuten Futtermangel zu lindern: Bio-Höfe dürfen unter bestimmten Voraussetzungen auch konventionelles Grünland- und Ackerfutter erwerben. Die Regelung ist bereits seit Freitag in Kraft.
Wie die Ausnahmeregelung funktioniert
Betroffen sind vor allem Raufutter wie Heu und Silage sowie Feldfutter wie Ackergras und Klee. Wer auf den Zukauf angewiesen ist, kann einen Antrag bei der zuständigen Öko-Behörde beim Regierungspräsidium Karlsruhe stellen. Die Regelung soll sicherstellen, dass Tierbestände erhalten und Futterengpässe vermieden werden, ohne die ökologische Bewirtschaftung dauerhaft zu gefährden.
Ausmaß der Betroffenheit
Nach Angaben des Statistischen Landesamts gab es zuletzt 4.780 ökologisch wirtschaftende Betriebe im Land (Stand 2023). Das entspricht einem Anteil von 14,6 Prozent aller Betriebe in Baden-Württemberg. Aufgrund der regional sehr unterschiedlichen Niederschlagsmengen und Bodenverhältnisse ist die Notlage nicht überall gleich stark ausgeprägt; vielerorts droht jedoch ein akuter Futterengpass.
| Datum | Wert |
|---|---|
| Ökobetriebe (Stand) | 4.780 (2023) |
| Anteil aller Betriebe | 14,6 % |
Land bereitet weiteres Hilfspaket vor
Das Landwirtschaftsministerium unter Ministerin Marion Gentges (CDU) arbeitet nach Angaben eines Sprechers an weiteren Unterstützungsmaßnahmen. Noch in dieser Woche sollen – teils nach Zustimmung des Landeskabinetts und in Abstimmung mit dem Finanzministerium – mehrere Entscheidungen getroffen werden. Eine der angekündigten Maßnahmen sieht vor, dass bisher stillgelegte Flächen kurzfristig wieder in Produktion genommen werden können.
Konkret sollen Flächen, die im Rahmen von Maßnahmen wie „Begrünungsmischungen im Acker-/Gartenbau“ gemeldet sind, bis zum 30. September abgemeldet und damit vorübergehend genutzt werden dürfen. Das Land will damit die verfügbare Anbaufläche erhöhen und kurzfristig Futterproduktion ermöglichen.
Praktische Folgen für Landwirte
Für betroffene Betriebe bedeutet die Maßnahme im Kern folgende Erleichterungen und Pflichten:
- Zukauf von konventionellem Grünland- und Ackerfutter ist unter Auflagen erlaubt.
- Anträge müssen bei der zuständigen Öko-Behörde (Regierungspräsidium Karlsruhe) gestellt werden.
- Stillgelegte und als Begrünung gemeldete Flächen können kurzfristig wieder in Produktion genommen werden (Abmeldefrist bis 30. September).
Regionale Auswirkungen und wirtschaftliche Einordnung
Die Freigabe des konventionellen Futters ist eine pragmatische Reaktion auf eine akute Versorgungskrise. Für Biobetriebe bringt sie allerdings zusätzliche organisatorische und bürokratische Aufgaben: Neben dem Zugang zu Ersatzfutter müssen Dokumentationspflichten und mögliche Folgen für Zertifizierungsbedingungen berücksichtigt werden. Das Landwirtschaftsministerium macht deutlich, dass die Ausnahmeregel vorübergehend und an Bedingungen geknüpft ist, um die ökologische Herkunft der Betriebe so weit wie möglich zu schützen.
Langfristig stellt die Trockenheit die Landwirtschaft vor strukturelle Herausforderungen: Ertragsunsicherheiten, höhere Futterpreise und zusätzliche Kosten für Transporte oder Lagerung können die Wirtschaftlichkeit vieler Höfe belasten. Die jetzt angekündigten Maßnahmen zielen darauf ab, akute Liquiditäts- und Versorgungsprobleme abzufedern.
Weiteres Vorgehen
Das Ministerium will in den kommenden Tagen die Details der Hilfspakete bekanntgeben. Für Landwirte bleibt wichtig, die Fristen und Antragswege zu beachten und sich frühzeitig bei den zuständigen Behörden zu melden, um Versorgungslücken zu vermeiden. Die genaue Ausgestaltung weiterer Hilfsleistungen – etwa finanzielle Unterstützungen oder ergänzende logistisches Hilfen – hängt von den Beschlüssen des Kabinetts und den Abstimmungen mit dem Finanzministerium ab.
Die Trockenheit hat in diesem Sommer das Wasserangebot und die Futterreserven vieler Höfe belastet. Mit der aktuellen Ausnahmeregel und den angekündigten Schritten versucht das Land, kurzfristig Versorgungssicherheit herzustellen und die Produktion in den kommenden Monaten zu stabilisieren.