Leichter Aufwärtstrend nach starkem Rückgang
Im Raum Bamberg wurden bis zum 31. Juli 2026 insgesamt 508 neue Ausbildungsverträge bei den IHK-Mitgliedsunternehmen eingetragen. Das teilte die Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Bayreuth mit. Damit liegt die Zahl 5 Prozent über dem Vorjahreswert, bleibt aber 11 Prozent unter dem Stand von 2024.
Die IHK und örtliche Gremien führen den starken Einbruch von 2024 auf 2025 im Wesentlichen auf zwei Ursachen zurück: die Umstellung vom G8 auf das G9 mit deutlich weniger Abiturprüfungen und die Probleme der Automobilzulieferer nach rückläufigen Pkw-Verkäufen. Diese Effekte führten dazu, dass manche regionale Unternehmen, vor allem in der Industrie, erheblich weniger Auszubildende einstellten.
Unterschiedliche Entwicklungen nach Branchen
Die Zahlen zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Sektoren. Besonders ausgeprägt war der Rückgang in der Industrie, während Dienstleistung und Handel stabilere Verläufe zeigten. Die Entwicklung in Zahlen:
| Branche | 2024 | 2025 | 2026 |
|---|---|---|---|
| Industrie (Neueintragungen) | 231 | 173 | 179 |
| Dienstleistung (Summe) | — | — | 130 |
| Handel (aktuell) | — | — | 191 |
Die IHK weist darauf hin, dass im Dienstleistungssektor die Zahlen zwischen 2024 und 2026 insgesamt stabil blieben, zuletzt mit 130 Neueintragungen. Im Handel zeigt sich hingegen ein schleichender Rückgang; aktuell wurden dort 191 Verträge registriert.
Unsicherheit bei Schulabgängern und offene Ausbildungsplätze
Nach Ansicht des Vorsitzenden des IHK-Gremiums Bamberg, Herbert Grimmer, war der Start ins Ausbildungsjahr 2026 „sehr zäh“: Es gebe eine spürbare Verunsicherung bei Schulabgängern, und viele Verträge seien später als üblich abgeschlossen worden. Er macht außerdem auf ein weiterhin bestehendes Vermittlungsproblem aufmerksam: Zum Stichtag waren noch rund ein Drittel der angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt.
„Man merkt eine große Verunsicherung bei den Schulabgängern. Die Ausbildungsverträge waren deutlich später unter Dach und Fach als sonst.“
Vor diesem Hintergrund appelliert die IHK an Schulabgänger, sich weiterhin aktiv zu bewerben: Auch nach dem offiziellen Ausbildungsstart am 1. September lohnen Bewerbungen, da viele Plätze noch verfügbar sind.
Konsequenzen für Betriebe und Ausbildungspolitik
Die Entwicklungen haben lokale Auswirkungen: Regional ansässige Zulieferbetriebe der Automobilbranche signalisierten zuletzt Personal- und Auftragsrückgänge, die sich auch in reduziertem Ausbildungsbedarf niederschlugen. Gleichzeitig zeigt die anhaltende Zahl unbesetzter Plätze, dass Angebot und Nachfrage nicht in allen Bereichen zusammenfinden. Das birgt langfristige Risiken für den Fachkräftenachwuchs in der Region, falls junge Leute nicht frühzeitig für Ausbildungsperspektiven gewonnen werden.
- Für Schulabgänger: Weiter bewerben, auch nach Ausbildungsbeginn.
- Für Betriebe: Ausbildungsmarketing und Kooperationen mit Schulen intensivieren.
- Für Politik und IHK: Möglichkeiten prüfen, um Übergänge von Schule in Ausbildung besser zu begleiten.
Die IHK will die Lage weiterhin beobachten und regionale Gespräche führen, um Unternehmen und Jugendlichen den Weg in Ausbildungsverhältnisse zu erleichtern. Wie sich der Trend in den kommenden Monaten entwickelt, bleibt für Bamberg bedeutsam – sowohl für den Arbeitsmarkt als auch für die regionale Wirtschaftskraft.