Die Zahl der Erstdiagnosen für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist 2024 deutlich gestiegen. Nach einer aktuellen Analyse der DAK-Gesundheit wurden bundesweit bei rund 202.000 jungen Menschen erstmals ADHS-Diagnosen gestellt — das entspricht einem Anstieg von 16 Prozent gegenüber 2023.
Verteilung nach Geschlecht und Alter
Die Daten zeigen deutliche Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Etwa 136.500 Jungen und rund 65.000 Mädchen erhielten 2024 eine Erstdiagnose. Damit lag die Zahl der Neudiagnosen bei Jungen weiterhin höher, jedoch wuchs die Diagnoserate bei Mädchen stärker: Während die Erstdiagnosen bei Jungen um knapp 14 Prozent zunahmen, stiegen sie bei Mädchen um rund 21 Prozent binnen eines Jahres.
Im Vergleich zum Jahr 2020 ist der Anstieg bei Mädchen sogar besonders ausgeprägt: Die Zahl der Neudiagnosen stieg in dieser Gruppe um etwa 46 Prozent gegenüber 2020. Der Zuwachs betraf laut DAK-Analyse alle Altersgruppen, am deutlichsten fiel er jedoch bei Schulkindern zwischen zehn und 14 Jahren mit einem Anstieg von 22 Prozent.
Prävalenz nach Altersgruppen
Die Analyse macht deutlich, dass Grundschulkinder weiterhin am häufigsten erstmals eine ADHS-Diagnose erhalten: Für 2024 liegt die Quote bei knapp 24 von 1000 Kindern im Alter von fünf bis neun Jahren. Bei Schulkindern insgesamt wurden 2024 etwa 18 von 1000 erstmals diagnostiziert — gegenüber etwa 15 von 1000 im Vorjahr.
„ADHS ist keinesfalls eine ‚Modediagnose oder Überdiagnostik‘.“
Die Formulierung im Bericht verweist darauf, dass die Zunahme der Diagnosen nicht allein als Folge veränderter Aufmerksamkeit oder einer Mode bewertet werden sollte. Die DAK-Analyse und Fachleute betonen, dass ADHS eine der häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter ist und sowohl genetische als auch Umwelteinflüsse bei der Entstehung eine Rolle spielen.
Symptomatik und Folgen
Kinder mit ADHS zeigen typischerweise eine verminderte Ausdauer, leichte Ablenkbarkeit, einen erhöhten Bewegungsdrang sowie impulsives Verhalten und emotionale Instabilität. Die Störung kann über das Kindesalter hinaus persistieren und auch im Erwachsenenalter weiter bestehen. Früh erkannte und angemessen behandelte Fälle haben bessere Chancen auf günstige Entwicklungsverläufe, weshalb Diagnose und Versorgung eine hohe gesundheitspolitische Bedeutung besitzen.
Die Ergebnisse der DAK-Analyse werfen zugleich Fragen zur Versorgungsstruktur auf: Mehr Diagnosen bedeuten höheren Bedarf an diagnostischen Kapazitäten, fachärztlicher Versorgung, psychosozialen Angeboten und gegebenenfalls medikamentöser Therapie sowie schulischer Unterstützung. Sie legen nahe, dass Aufklärung, Diagnostikstandards und Versorgungswege überprüft und angepasst werden sollten, um Über- wie Unterversorgung zu vermeiden.
- Gesamtzahl 2024: rund 202.000 Erstdiagnosen (plus 16 Prozent gegenüber 2023).
- Geschlechterdifferenz: 136.500 Jungen, 65.000 Mädchen; Zuwachs bei Mädchen +21 Prozent, bei Jungen +14 Prozent.
- Altersgruppen: Höchste Erstdiagnoserate bei 5–9-Jährigen (fast 24 von 1000).
Weitere Analysen sind nötig, um Ursachen des Anstiegs differenziert zu bewerten: Dazu gehören Untersuchungen zu Diagnostikpraktiken, sozialer Wahrnehmung, Veränderungen in Umwelteinflüssen und möglichen Versorgungslücken. Die DAK-Analyse liefert eine Datenbasis, die Politik, Gesundheitssystem und Bildungsinstitutionen zur Planung nutzen sollten.
Die Zunahme der ADHS-Neudiagnosen 2024 ist damit nicht nur eine statistische Beobachtung, sondern ein Hinweis auf wachsenden Handlungsbedarf in Prävention, Diagnostik und Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen.