Die Schweiz erlebt 2026 und 2027 einen Zuwachs bei Neubauten, doch die Verteilung ist regional sehr unterschiedlich. Eine Analyse von Wüest Partner, die der Zeitung Blick vorliegt, zeigt: Während ländliche Kantone mit einem gesteigerten Neubauvolumen aufwarten, bleibt die Bautätigkeit in urbanen Zentren wie dem Kanton Zug deutlich hinter dem langjährigen Durchschnitt zurück.
Schere zwischen Land und Stadt
Laut Wüest Partner werden in der Schweiz im Jahr 2026 rund 45'000 neue Wohnungen fertiggestellt; für 2027 prognostiziert das Institut sogar etwa 50'000. Diese aggregierten Zahlen verdecken jedoch starke regionale Unterschiede. So liegt die Neubautätigkeit im Kanton Zug etwa 40 Prozent unter dem langjährigen Schnitt. Auch in Luzern ist die Bautätigkeit mit rund 20 Prozent unter dem Durchschnitt gedämpft.
Demgegenüber stehen Teile des ländlichen Raums, die einen regelrechten Boom verzeichnen: Im Kanton Thurgau rechnet Wüest Partner bis Ende 2027 mit über 40 Prozent mehr Wohnungen als im langjährigen Mittel; im Kanton Solothurn liegt die Neubautätigkeit mehr als 26 Prozent über dem Schnitt.
Warum entstehen in Zug so wenige neue Wohnungen?
Die Analyse nennt mehrere strukturelle Gründe für die unterschiedlichen Entwicklungen:
- Im ländlichen Raum bestehen grössere Baulandreserven, was die Erschliessung günstiger macht.
- Die Preise für Bauland sind in vielen Regionen ausserhalb der Stadtzentren niedriger.
- In dünner besiedelten Gebieten lassen sich Flächen oft leichter umnutzen oder neu überplanen.
In urbanen Gebieten wie Zug erschweren dagegen enge Platzverhältnisse und bestehende Bauten die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum. Häufig müssen ältere Gebäude abgebrochen werden, bevor neue entstehen, was die Nettozunahme an Wohnungen vermindert. Zusätzlichen Wohnraum bringen dort vor allem Aufstockungen oder Umnutzungen.
Auswirkungen für den Wirtschaftsstandort Zug
Für den Kanton Zug hat die tiefere Neubautätigkeit mehrere Konsequenzen. Zug gilt als attraktiver Wirtschaftsstandort mit hoher Dichte an Firmen und Beschäftigten. Ein anhaltender Unterbau an Neuwohnungen kann:
- den Druck auf Mietpreise und Kaufimmobilien erhöhen,
- die Rekrutierung von Fachkräften erschweren, wenn bezahlbarer Wohnraum fehlt,
- die soziale Durchmischung und langfristig die Standortattraktivität beeinflussen.
Die Wüest‑Daten deuten somit nicht nur auf eine statistische Abweichung hin, sondern auf reale Herausforderungen für Gemeinden und Unternehmen im Kanton.
Vergleich ausgewählter Kantone
| Kanton | Entwicklung Neubau (gegenüber langjährigem Durchschnitt) |
|---|---|
| Zug | -40 % |
| Luzern | -20 % |
| Thurgau | +40 % |
| Solothurn | +26 % |
Was bedeutet das für die Zukunft?
Die Wüest‑Analyse lässt erkennen, dass eine Entspannung der Wohnungslage auf nationaler Ebene trotz steigender Neubauzahlen bis Ende 2027 unwahrscheinlich bleibt, weil in der Hälfte der Kantone die Bautätigkeit unter dem langjährigen Durchschnitt liegt. Für Zug heisst das: Ohne gezielte Massnahmen bei Baulanderschliessung, Nachverdichtung und Umnutzungen dürfte der vorhandene Engpass bestehen bleiben.
Städte und Gemeinden stehen damit vor der Aufgabe, planerische Hürden zu prüfen und flankierende Massnahmen zu ergreifen, um sowohl die Wohnraumversorgung als auch die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts zu sichern. Die Wüest‑Zahlen liefern dazu eine Grundlage für Diskussionen in Politik und Verwaltung, insbesondere in urbanen Kantonen mit begrenztem Entwicklungsspielraum.
Die Daten stammen aus der Auswertung von Wüest Partner, wie sie in der Berichterstattung des Blick dargestellt wurde.