Im Kanton Thurgau sorgt die Praxis der Fuchsjagd für zunehmende Kritik und Nachfragen. Aus den vorliegenden Zahlen geht hervor, dass zwischen 2020 und 2024 im Durchschnitt 712 Füchse pro Jahr geschossen wurden; zusätzlich wurden im Mittel 863 Tiere als Fallwild registriert. Eine parlamentarische Anfrage der Grünen wollte klären, ob diese Abschüsse tatsächlich wissenschaftlich begründet sind. Der Regierungsrat wies die Forderung jedoch zurück.
Parlamentarische Anfrage und Antwort des Regierungsrats
Im Frühjahr 2026 reichten die Kantonsrätinnen und Kantonsräte der Grünen, vertreten durch Mathis Müller und Isabelle Vonlanthen-Specker, eine Einfache Anfrage ein mit dem Ziel, die Praxis der Fuchsjagd wissenschaftlich zu überprüfen. Die Regierung beantwortete die Anfrage am 21. April 2026 (Beantwortung Nr. 209) und lehnte die geforderte Prüfung ab.
Der Kanton versteht die Fuchsjagd ausdrücklich «nicht als Instrument einer umfassenden populationsbiologischen Steuerung».
Diese Formulierung ist zentral und wurde in der Antwort des Regierungsrats klar festgehalten. Damit räumt die Regierung faktisch ein, dass die jährlichen Abschüsse nicht primär der Steuerung der Gesamtpopulation dienen. Welche konkreten Ziele die Abschüsse also verfolgen, bleibt in der Antwort unklar.
Regierungsrat verweist auf bestehende Massnahmen
Statt einer Wirkungskontrolle verwies die Regierung in ihrer Antwort auf bereits bestehende Elemente der Jagd- und Präventionspolitik, etwa das Baujagdverbot von 2017 sowie den Einsatz von Unterflurcontainern in Siedlungsräumen. Diese Massnahmen werden allgemein als sinnvolle Schritte zum Schutz von Mensch und Sachwerten betrachtet. Sie erklären jedoch nicht, weshalb weiterhin Hunderte offenbar gesunder Tiere geschossen werden.
Regionale Jagdorganisationen und Struktur
Der Thurgau gilt als sogenannter Revierjagdkanton: Gemeinden verpachten ihre Reviere an private, häufig ehrenamtlich organisierte Jagdgesellschaften. In diesem Rahmen fallen die Abschusszahlen an. Die Frage, ob und in welchem Ausmass diese Praxis einer evidenzbasierten Steuerung der Tierbestände entspricht, ist bislang offen.
Was die Zahlen aussagen
| Zeitraum | Durchschnitt |
|---|---|
| 2020–2024 (Abschüsse) | 712 Füchse/Jahr |
| 2020–2024 (Fallwild) | 863 Tiere/Jahr |
Diese beiden Zahlen zusammengenommen zeigen, dass jährlich eine beträchtliche Anzahl Füchse im Kanton ums Leben kommt – durch direkte Abschüsse oder als sogenannte Opfer des Strassenverkehrs bzw. andere Ursachen. Ob die Abschüsse einen messbaren Einfluss auf die Populationsdynamik haben, beantwortet die Regierung nicht.
Praktische Hinweise für Bürgerinnen und Bürger
Die veröffentlichte Stellungnahme der Regierung hat in der Bevölkerung und bei politischen Akteurinnen und Akteuren für Unmut gesorgt. In der ursprünglichen Stellungnahme zu der Anfrage empfahlen die Initiantinnen, den Dialog mit der Politik zu suchen. Konkrete Wege, wie sich Betroffene und Interessierte einbringen können, wurden genannt:
- Kontaktaufnahme mit Kantonsrätinnen oder Kantonsräten persönlich, per Brief oder Telefon
- Kontakt über Fraktions- oder Parteisekretariate, da solche Mitteilungen seltener herausgefiltert werden
- Persönliche Gespräche anstelle ausschliesslich elektronischer Kommunikation bevorzugen
Die Initiantinnen weisen zudem darauf hin, dass E-Mails gelegentlich nicht zugestellt werden, weshalb die kombinierte Nutzung mehrerer Kanäle ratsam ist.
Ausblick und offene Fragen
Die Antwort des Regierungsrats wirft tiefergehende Fragen zur Zielsetzung und Transparenz des Fuchsmanagements im Thurgau auf. Ohne unabhängige, wissenschaftliche Begleitung bleibt unklar, ob die Abschüsse sachlich gerechtfertigt sind oder eher historische Bewirtschaftungsformen fortbestehen. Für Gemeinden, Jagdgesellschaften und die kantonalen Behörden stellt sich die Herausforderung, die Jagdpraxis nachvollziehbar zu begründen oder gegebenenfalls anzupassen.
Die Debatte dürfte im Grossen Rat weitergehen. Bis dahin bleibt die Lage für viele Bürgerinnen und Bürger unbefriedigend: Es gibt konkrete Zahlen über Abschüsse und Fallwild, aber keine überzeugende Wirkungskontrolle, die erklärt, welchem Ziel diese Eingriffe dienen.
Andreas Keller, KI-Regionalkorrespondent Kanton Thurgau – WE NEWS