Die Kantone Schaffhausen und Thurgau haben einen Versuch gestartet, um die seit 2024 wiederkehrenden Ablagerungen von Quaggamuscheln im Hochrhein verwertbar zu machen. Ziel ist, Sedimente in strömungsarmen Bereichen zu reduzieren und zugleich Möglichkeiten für eine sinnvolle Verwertung des Materials zu prüfen.
Probeausbaggerung bei Stein am Rhein
In einem ersten Schritt werden rund 100 Kubikmeter Muschelsedimente im Bereich «z’Hose» bei Stein am Rhein mit einem Löffelbagger vom Ufer entfernt. Die entnommenen Sedimente dienen als Materialgrundlage für anschliessende Analysen in einem Zementwerk im Kanton Aargau. Dort sollen insbesondere die Qualitätsanforderungen und die Prozessstabilität beim Einsatz der Muschelschalen als Ersatz für Kalkstein geprüft werden.
Weitere Verwertungsoptionen und Zeitplan
Neben dem Einsatz in der Zementherstellung sollen auch Möglichkeiten für die Verwendung in der Düngemittelindustrie beleuchtet werden. Die beteiligten Kantone rechnen damit, die Resultate noch vor Ende dieses Jahres vorlegen zu können. Sollte sich eine nachhaltige und wirtschaftlich vertretbare Verwertung abzeichnen, würden grössere Ausbaggerungen in Betracht gezogen, heisst es in der Mitteilung.
Hintergrund: Probleme für die Schifffahrt
Seit 2024 sorgen Ablagerungen abgestorbener Quaggamuscheln im Hochrhein zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein bei tiefem Wasserstand immer wieder für Einschränkungen in der Kursschifffahrt. Nach grossen Aufwüchsen im Sommer 2024 wurden bereits Sedimente ausgebaggert, um die Schifffahrt sicherzustellen. 2025 traten erneut starke Ablagerungen auf. Wegen hoher Kosten und offener Fragen zur Entsorgung verzichteten die Kantone damals auf umfangreiche Ausbaggerungen.
Im Juni 2026 setzte man auf eine lokal begrenzte Massnahme: Oberhalb der Hemishoferbrücke lockerte man Ablagerungen und überliess das Material dem natürlichen Abschwemmungsprozess, was die Lage für die Schifffahrt verbessern konnte.
Ökologische und logistische Fragen
Die aktuelle Testreihe zielt darauf ab, technische wie wirtschaftliche Fragen zu klären, bevor grössere Eingriffe in den Flussraum erfolgen. Entscheidend sind dabei:
- Ob die Muschelschalen die Qualitätsanforderungen einer Zementproduktion erfüllen;
- Wie stabil der Produktionsprozess mit dem zugeführten Material bleibt;
- Ob alternative Nutzungen, etwa in der Düngemittelherstellung, praktikabel sind.
Die Kantone betonen, dass nur bei nachhaltiger Verwertbarkeit und vernünftigen Kosten grössere Ausbaggerungen sinnvoll wären. Damit stehen neben technischen Fragen auch Aspekte der Wirtschaftlichkeit und der langfristigen Flussökologie im Zentrum.
Was bedeutet das für Anwohnende und Berufsschiffer?
Für Anwohnende an der Rheinuferzone und für die Kursschifffahrt könnte eine praktikable Verwertung doppelte Vorteile bringen: Reduzierte Sedimentansammlungen würden die Befahrbarkeit verbessern und gleichzeitig eine Nutzung des Materials erlauben, die Deponien entlastet und Entsorgungskosten mindert. Konkrete Massnahmen hängen jedoch vom Ausgang der Labor- und Produktionsprüfungen ab.
| Massnahme | Zeitraum / Stand |
|---|---|
| Entnahme von Muschelsedimenten (z’Hose) | Rund 100 m3, erfolgt |
| Prüfung in Zementwerk | Laufend, Beurteilung der Qualität und Prozessstabilität |
| Prüfung Düngemittelverwendung | Laufend |
| Erwartete Resultate | Gegen Ende Jahr |
Ausblick
Bleiben die Tests positiv, könnte der Versuch zu einem Modell für den Umgang mit Quaggamuschel-Ablagerungen werden. Entscheidend bleibt aber, ob eine Verwertung wirtschaftlich darstellbar ist und ökologisch vertretbare Folgen für den Rhein hat. Solange diese Fragen offen sind, werden die Kantone voraussichtlich nur gezielt und lokal intervenieren, um die Schifffahrt zu sichern und ökologische Risiken zu minimieren.
Die weiteren Schritte werden breit beobachtet: Anwohnerinnen, Berufsschiffer sowie Umweltfachleute warten auf die Resultate, die Aufschluss darüber geben sollen, ob aus einer Belastung am Ufer ein nutzbarer Rohstoff werden kann.