Am Sonntag, 13. September 2026, bietet das Schaudepot St. Katharinental in Diessenhofen eine öffentliche Führung zum Thema Liebe und Hochzeit an. Kulturvermittlerin Sabrina Buzzi führt von 14 Uhr bis 15 Uhr durch die Ausstellung und erläutert historische Traditionen, Formen der Partnersuche und die materiellen Spuren vergangener Ehekulturen. Die offene Besichtigung des Depots ist am selben Tag nachmittags möglich; der Eintritt ist frei, um eine Kollekte wird gebeten. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Alltägliches Ritual als Spiegel der Gesellschaft
Die Ehe als Institution hinterlässt in Museumssammlungen vielfältige Spuren: Kleidung, Möbel, Gebrauchsgegenstände und Geschenke erzählen weniger von romantischen Vorstellungen als von sozialen Erwartungen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Im Schaudepot sind unter den mehr als 12'000 Objekten unter anderem Brautschränke und alltägliche wie eigentümliche Hochzeitspräsente zu sehen. Solche Dinge halfen, familiäre Verbindungen zu festigen und das Dorfgefüge abzubilden.
In der Führung wird ausserdem beleuchtet, wie junge Menschen im vorindustriellen Umfeld Besitz und Beziehungen regelten. Praktiken wie das Werfen von Apfelschalen, «Spinnstubeten» oder das Basteln von kleinen Geschenken gehörten zum Repertoire, wenn es darum ging, den künftigen Partner oder die Partnerin zu finden. Nicht zuletzt spielten Eltern und Verwandte eine zentrale Rolle, wenn es um die Auswahl eines geeigneten Ehepartners ging.
Inszenierte Alltagsszenen und Figuren
Für die Vermittlung nutzt das Schaudepot eine szenische Herangehensweise: Besucherinnen und Besucher treffen auf die fiktive Figur «Berta Schmid», eine Mutter, die alles in Bewegung setzt, damit ihre Tochter «Berteli» den «richtigen» Mann findet. Solche Inszenierungen erleichtern den Zugang zur Materie, weil sie historische Normen und Drucksituationen in Alltagssituationen übersetzen.
Ein weiterer Schwerpunkt sind Objekte, die auf den ersten Blick kurios erscheinen: Vom Kornsack bis zum Toilettenstuhl reichte das Spektrum der Hochzeitsgeschenke, wie die Sammlung zeigt. Das eröffnet Gespräche darüber, wie Gesellschaften Status, Pflicht und Fürsorge materielle Gestalt gaben.
Praktische Hinweise
- Wann: Sonntag, 13. September 2026, Führung 14.00–15.00 Uhr
- Offene Besichtigung: 13.00–16.00 Uhr
- Ort: Schaudepot St. Katharinental, Diessenhofen
- Eintritt: frei (Kollekte); Anmeldung erforderlich
- Die benachbarte Barock-Klosterkirche ist ebenfalls geöffnet
| Programmpunkt | Uhrzeit |
|---|---|
| Führung «Liebe und Hochzeit» | 14:00–15:00 |
| Freie Besichtigung | 13:00–16:00 |
Kontext: Warum Bräuche erzählen
Die Betrachtung von Hochzeitsritualen eröffnet einen Blick auf Wandel und Kontinuität: Sie zeigt, welche Normen längst überholt sind und welche Muster nach wie vor Einfluss auf Beziehungen haben. Museale Sammlungen leisten hier einen doppelten Dienst: Durch die Bewahrung materieller Zeugnisse ermöglichen sie Forschung und Vermittlung, und zugleich schaffen sie öffentliche Anknüpfungspunkte, um über gesellschaftliche Werte und Rollen zu reflektieren.
Die Veranstaltung findet im Rahmen der europäischen Tage des Denkmals statt. Das Programm dieser Denkmaltage vereint in der ganzen Region Angebote, die historische Bauten und Sammlungen in den Blick nehmen und der Bevölkerung kostenlos oder kostengünstig zugänglich machen.
Was Besucherinnen und Besucher erwarten können
Teilnehmende erhalten keine theoretische Abhandlung, sondern einen lebendigen Parcours durch Gegenstände und Geschichten: Die Kuratorische Vermittlung verknüpft Objekte mit Alltagspraktiken, lokale Traditionen werden anhand konkreter Beispiele erklärt, und die Rolle der Familie für Heiratsentscheidungen wird anschaulich gemacht.
Für Interessierte empfiehlt sich die frühzeitige Anmeldung, da die Platzzahl begrenzt ist. Weitere Programmpunkte der Denkmaltage und zusätzliche Informationen sind über das zentrale Portal der Veranstaltung abrufbar.
Die Kombination aus fundierter Vermittlung und lokal verankerter Sammlung macht den Anlass zu einer Gelegenheit, über sehr persönliche Themen wie Partnerschaft und Familie in einen grösseren historischen Zusammenhang einzutreten — und dabei Objekte zu entdecken, die sonst im Depot schweigen.