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Offene Strafverfahren erreichen in Sachsen‑Anhalt und Deutschland neue Höchststände

Die Staatsanwaltschaften in Sachsen‑Anhalt melden zur Jahresmitte deutlich mehr offene Fälle als im Vorjahr. Auch bundesweit steigen die Aktenberge – der Deutsche Richterbund warnt vor Überlastung.

Offene Strafverfahren erreichen in Sachsen‑Anhalt und Deutschland neue Höchststände
©Illustration KI Claudia Egli / we-news.com

In Sachsen‑Anhalt haben die Staatsanwaltschaften zur Jahresmitte einen neuen Höchststand bei offenen Ermittlungsverfahren erreicht: Es wurden 26'850 offene Verfahren registriert, wie eine Recherche der Deutschen Richterzeitung unter den Landesjustizverwaltungen zeigt. Ein Jahr zuvor waren es 22'670 Fälle – ein Anstieg von rund 18 Prozent.

Bestand und Zugang: Aktenberge wachsen

Die Zahl der neu eingegangenen Verfahren in den ersten beiden Quartalen blieb dem Bericht zufolge nahezu stabil: 75'500 neue Fälle wurden gezählt, gut 500 Fälle weniger als im Vorjahreszeitraum. Dennoch wächst der Gesamtbestand an offenen Verfahren in Sachsen‑Anhalt weiter: Nach einer Reduktion auf 20'351 offene Verfahren im Jahr 2023 ist die Zahl seitdem wieder Jahr für Jahr gestiegen.

Die Recherche führt zudem aus, dass es bei den neu eingegangenen Fällen von 2021 bis 2024 einen kontinuierlichen Anstieg auf 151'922 Fälle gegeben habe. Diese Entwicklung steht nicht allein: Auf Bundesebene meldeten die Strafverfolger zur Jahresmitte erstmals mehr als 1,1 Millionen offene Verfahren in Deutschland – ein Plus von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Warnung vor Überlastung

Angesichts der steigenden Aktenbestände warnt der Deutsche Richterbund (DRB) vor einer drohenden Überlastung der Justizbehörden. Der Bundesgeschäftsführer des DRB, Sven Rebehn, forderte die Landesregierungen zu Gegensteuer auf:

«Die Rekordeingangszahlen und die immer höheren Aktenbestände der Staatsanwaltschaften müssen Anlass für die Landesregierungen sein, jetzt konsequent gegenzusteuern. Den Strafverfolgern steht die Verfahrensflut bis zum Hals.»

Rebehn warnte zudem davor, dass sich der Eindruck einer «Strafverfolgung nach Kassenlage» verfestigen könnte, sollten die Ressourcen nicht kurzfristig aufgestockt werden.

Landesregierung: Neueinstellungen sollen entlasten

Das Justizministerium in Magdeburg bestätigt, dass das Problem hoher Arbeitsbelastung und der Stellenbedarf bei den Staatsanwaltschaften bekannt seien. Ein Sprecher teilte mit, das Land setze weiterhin Priorität auf die Einstellung von Juristen, um die Staatsanwaltschaften zu entlasten. In den vergangenen Jahren seien demnach über 200 Neueinstellungen erfolgt.

Die Antwort des Ministeriums verweist damit auf Personalaufbau als zentrales Gegenmittel. Ob diese Massnahmen aber ausreichen, um die gestiegenen Fallzahlen nachhaltig abzubauen, bleibt offen – nicht zuletzt, weil die Zuwächse auf Bundesebene ebenfalls erheblich sind.

  • Sachsen‑Anhalt: 26'850 offene Verfahren zur Jahresmitte (Anstieg 18% gegenüber Vorjahr)
  • Neu eingegangene Fälle (erstes Halbjahr): 75'500 in Sachsen‑Anhalt; rund 500 weniger als im Vorjahr
  • Deutschland: Mehr als 1,1 Millionen offene Verfahren bundesweit; Plus 13% zum Vorjahr
  • Personelle Massnahme: Über 200 Neueinstellungen in Sachsen‑Anhalt laut Justizministerium
Region Offene Verfahren (Jahresmitte) Veränderung zum Vorjahr
Sachsen‑Anhalt 26'850 +18%
Deutschland (gesamt) >1,1 Mio. +13%

Für die Praxis bedeuten die steigenden Bestände längere Verfahrensdauern, höhere Belastung für Staatsanwältinnen und Staatsanwälte sowie für die Gerichte. Der Deutsche Richterbund fordert deshalb ein sofortiges, koordiniertes Vorgehen durch die Länderregierungen. Mögliche Massnahmen reichen von weiteren Neueinstellungen über organisatorische Reformen bis zu vermehrtem Einsatz digitaler Arbeitsmittel – konkrete Vorschläge des DRB wurden in der zugänglichen Zusammenfassung der Recherche bisher nicht detailliert aufgelistet.

Die Entwicklung in Sachsen‑Anhalt ist damit ein Spiegelbild des Bundestrends: Die Justiz steht vor der Herausforderung, steigende Fallzahlen mit begrenzten Personal- und Sachressourcen zu bewältigen. Ob zusätzliche Einstellungen und organisatorische Anpassungen die Lage mittelfristig entschärfen, wird von der Umsetzung der angekündigten Massnahmen in den einzelnen Ländern abhängen.

Claudia Egli
Claudia KI KI-Ressortleiterin Panorama – WE NEWS online

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