Umwelt Basel Basel-Stadt (BS)

IWB plant 42 Meter hohen Wärmespeicher im St. Johann – zentraler Baustein für CO2-armen Fernwärmeausbau

Die Industriellen Werke Basel wollen beim Fernheizkraftwerk Volta einen Wärmespeicher mit 400 MWh Kapazität bauen. Der Speicher soll Abwärme und erneuerbare Wärme zwischenspeichern, Baubeginn ist für Winter 2026/27 geplant.

IWB plant 42 Meter hohen Wärmespeicher im St. Johann – zentraler Baustein für CO2-armen Fernwärmeausbau
©Illustration KI Matthias Schmid / we-news.com

Grossprojekt im St. Johann soll fossilen Anteil in der Fernwärme reduzieren

Die Industriellen Werke Basel (IWB) haben den Bau eines Wärmespeichers im St. Johann angekündigt. Das geplante, rund 42 Meter hohe Gebäude soll neben dem Fernheizkraftwerk Volta errichtet werden. Der Baubeginn ist für den Winter 2026/27 vorgesehen, die Bauzeit beträgt gemäss Mitteilung rund zwei Jahre.

Mit einer Speicherkapazität von 400 Megawattstunden (MWh) wird die Anlage gemäss IWB der grösste Speicher im Basler Fernwärmenetz. Zum Vergleich: Der bestehende Speicher am Dolderweg im Kleinbasel verfügt über 45 MWh Kapazität. Die neue Anlage soll vor allem CO2-neutral erzeugte Wärme – etwa aus der Kehrichtverwertungsanlage und aus Holzkraftwerken – aufnehmen und als heisses Wasser zwischenspeichern.

«Wichtiger Baustein in der Dekarbonisierung der Basler Fernwärmeversorgung»,

heisst es in der Mitteilung der IWB. Die gespeicherte Wärme soll insbesondere in den Morgen- und Abendspitzen ins Netz eingespeist werden, wodurch Anlagen, die mit Erdgas betrieben werden, seltener laufen müssen. Aktuell stammt gemäss IWB noch rund 20 Prozent der Fernwärme in Basel-Stadt aus Erdgas.

Technik, Zielsetzung und Auswirkungen

Der Speicher ermöglicht eine Entkopplung von Produktion und Verbrauch: Wärme, die tagsüber anfällt oder aus erneuerbaren Quellen bereitsteht, kann konserviert und zu Spitzenzeiten bedarfsgerecht geliefert werden. Für die IWB ist das Projekt Teil der Strategie, die fossilen Anteile zu senken und die Fernwärmeversorgung bis 2035 vollständig aus Abwärme und erneuerbaren Energieträgern zu decken.

Die Konsequenz für den Betrieb ist zweifach: Einerseits sinkt die Notwendigkeit, Spitzen mit Erdgas zu decken; andererseits erhöht sich der Anteil nutzbarer Abwärme aus Industrie und Abfallverwertungsanlagen. Die IWB nennt als Beispiele die Kehrichtverwertungsanlage und Holzkraftwerke als Wärmequellen, die künftig stärker eingespeist werden sollen.

Wirtschaftliche und stadtplanerische Aspekte

Der Bau wird voraussichtlich mehrere Jahre vorbereitend bewilligt, geplant und ausgeführt. Die IWB gehen von einer Bauzeit von rund zwei Jahren aus; der Investitionsrahmen nennt die Mitteilung nicht explizit. Standort und Höhe des Gebäudes werden das Bild des St. Johann-Quartiers beeinflussen: Ein 42 Meter hohes Speicherturm-Profil ist städtebaulich sichtbar und könnte Fragen zu Landschafts- und Quartierverträglichkeit aufwerfen.

Für die Versorgungssicherheit ist der Speicher hingegen ein Vorteil: Er erhöht die Flexibilität des Netzes und erleichtert die Integration weiterer erneuerbarer Produktionskapazitäten, etwa der vor Kurzem in Betrieb genommenen Holzpelletanlage im Heizwerk Bahnhof.

  • Kapazität geplante Anlage: 400 MWh
  • Bestehender Speicher (Dolderweg): 45 MWh
  • Aktueller Erdgasanteil Basel-Stadt: rund 20 %
  • Ziel: 100 % erneuerbare/Abwärme bis 2035
  • Geplanter Baubeginn: Winter 2026/27

Was das für Bewohnerinnen und Betriebe bedeutet

Für Haushalte und Unternehmen in Basel bedeutet der Speicher vor allem langfristig stabilere und klimafreundlichere Wärmeversorgung. Kurzfristig sind während Bauphase verkehrstechnische Eingriffe oder temporäre Einschränkungen möglich, konkretisierte Informationen dazu stehen noch aus. Die IWB werden voraussichtlich in den kommenden Planungs- und Bewilligungsphasen Details zu Baustellenlogistik, Verhalten in der Bauzeit und allfälligen Emissionskontrollen veröffentlichen.

Finanzielle Auswirkungen auf Endkundinnen und -kunden gab die IWB-Mitteilung nicht an. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit sind künftig die Einsparungen durch reduzierte Gaseinsätze und die bessere Auslastung erneuerbarer Anlagen.

Einordnung: Speicher als Schlüsselfaktor der Energiewende

Wärmespeicher gelten in der Energieplanung als zentrales Element, um die Volatilität erneuerbarer Quellen und zeitlich versetzte Abwärme nutzbar zu machen. In Basel steht die Stadt vor der Herausforderung, vorhandene Industrieabwärme, Kehrichtenergie und Holzenergie besser zu integrieren, ohne dabei Versorgungssicherheit und Kostenstabilität zu gefährden. Die IWB-Initiative reiht sich in nationale Debatten ein, wie städtische Wärmeversorgung dekarbonisiert werden kann — mit dem klaren Ziel, bis 2035 vollständig auf fossile Quellen zu verzichten.

StandortKapazität (MWh)
Geplanter Speicher Volta (St. Johann)400
Dolderweg (Kleinbasel, bestehend)45

Die nächsten Schritte sind das Bewilligungsverfahren und die detaillierte Projektplanung. In diesen Phasen wird sich zeigen, wie das Projekt in den städtischen Raum integriert wird und welche Nebenwirkungen während der Bauzeit zu erwarten sind. Für Basel ist das Vorhaben ein sichtbares Zeichen dafür, dass die lokale Versorgungsinfrastruktur auf die Anforderungen einer klimafreundlichen Zukunft ausgerichtet wird.

Matthias Schmid
Matthias KI KI-Regionalkorrespondent Kanton Basel-Stadt – WE NEWS online

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