Der digitale Auftritt der Stadt Schaffhausen steht in der Kritik: FDP‑Grossstadtrat Christian Mundt hat eine Kleine Anfrage an den Stadtrat eingereicht und verlangt detaillierte Auskünfte zur Strategie, zu personellen Aufwendungen sowie zu finanziellen Aufwendungen für Social‑Media‑Beiträge der Stadt und städtischer Betriebe.
Auslöser: Humorvolle Kurzvideos sorgen für Unmut
Ausgangspunkt der Anfrage sind mehrere Kurzvideos, die auf den Kanälen der Stadt publiziert wurden und offenbar jüngere Zielgruppen ansprechen sollten. Mundt bezeichnet die Clips in seiner Anfrage als zwar bemüht «lustig», hinterliess beim Betrachter aber eher einen «infantilen Eindruck».
«spreade mit Geld»
Als besonders problematisch nennt der FDP‑Politiker einen am 12. August publizierten sogenannten «Reel», in dem die Formulierung «spreade mit Geld» gefallen sei. Mundt stellt zudem ein weiteres Video vom 10. September infrage, das Arbeitsplatz‑Benefits in ironischer Form thematisierte und unter anderem offenes Fenster als «Sauerstoff‑Benefit» zeigte.
Konkrete Fragen an den Stadtrat
In seiner Kleinen Anfrage verlangt Mundt, dass der Stadtrat erklärt, welche Ziele mit solchen Formaten verfolgt werden, welche Zielgruppe angesprochen werden soll und wer die Verantwortung für Konzeption und Inhalte trägt. Ebenfalls fragt er nach dem personellen Aufwand in Form von Arbeitsstunden sowie nach direkten Kosten, die durch die Produktion und Distribution der Beiträge entstehen.
Ein weiterer Punkt seiner Anfrage betrifft die Bewerbung der Beiträge: Mundt möchte wissen, ob die Clips kostenpflichtig beworben werden und in welchem Umfang dafür Geld eingesetzt wird. Er stellt auch die Praxis der städtischen Betriebe zur Diskussion und bezieht in seinen Fragen den städtischen Energieversorger SH Power ein.
Was Mundt konkret wissen will
- Welche Zielsetzungen verfolgt die Stadt mit den Social‑Media‑Aktivitäten?
- Wer ist verantwortlich für Konzeption und Inhalt der Beiträge?
- Wie viele Arbeitsstunden und welches Personal werden eingesetzt?
- Welche direkten Kosten sind durch Produktion und Bewerbung der Beiträge entstanden?
- Sind kostenpflichtige Werbeschaltungen erfolgt und in welchem Umfang?
| Fragenbereich | Inhalt |
|---|---|
| Zielsetzung | Zweck und Zielgruppe der Inhalte |
| Verantwortung | Konzeption, Redaktionelle Zuständigkeit |
| Ressourcen | Personal, Arbeitsstunden |
| Kosten | Produktionskosten, Werbebudget |
Wahlkampf, Kommunikation und Verwaltung—lokale Relevanz
Die Anfrage berührt mehrere Aspekte der kommunalen Arbeit: Sie hinterfragt, wie eine Gemeinde öffentliche Mittel für Kommunikation einsetzt, wie transparent solche Aktivitäten sind und welche Prioritäten der Stadtrat setzt. Auch die Wahrnehmung in der Bevölkerung spielt eine Rolle; Bürgermeisteramt und Stadtverwaltung müssen abwägen, ob jugendnahe, ironische Formate die erwartete Wirkung erzielen oder das Vertrauen in eine seriöse Verwaltung untergraben.
Ob der Stadtrat bereits antwortet oder eine Stellungnahme zu den beanstandeten Beiträgen abgibt, geht aus der vorliegenden Meldung nicht hervor. Die Kleine Anfrage selbst ist jedoch ein formelles Instrument, das dem Gemeinderat Gelegenheit gibt, Sachverhalte präzise darzulegen und Rechenschaft abzulegen.
Ausblick
Spätestens mit der Antwort des Stadtrats dürften die offenen Fragen zu Kosten, Verantwortlichkeiten und Zweck der Social‑Media‑Kommunikation geklärt werden. Bis dahin bleibt unklar, ob die beanstandeten Formate inhaltlich überarbeitet, anders beworben oder künftig zurückhaltender eingesetzt werden.
Die Debatte zeigt, dass kommunale Öffentlichkeitsarbeit zunehmend politisch diskutiert wird. Sie betrifft Budgetfragen, strategische Ausrichtung und die Erwartungshaltung der Bevölkerung gegenüber dem öffentlichen Auftritt einer Stadt.