Im Kanton Thurgau haben Einpersonenhaushalte im Jahr 2025 zum ersten Mal die Spitzenposition unter den Haushaltsformen übernommen. Das zeigt ein aktueller Webartikel des Amtes für Daten und Statistik des Kantons. Ende 2025 bestanden im Thurgau rund 134'000 Privathaushalte, das sind etwa 1,4 Prozent oder knapp 1'800 Haushalte mehr als im Vorjahr.
Wachstum verlangsamt, aber Einpersonenhaushalte dominant
Insgesamt hat sich das Wachstum der Haushalte im Kanton leicht abgeschwächt. Trotzdem war der Zuwachs bei den Alleinlebenden 2025 am stärksten: Einpersonenhaushalte nahmen um 860 Haushalte zu, was einem Plus von 1,9 Prozent entspricht. Damit machen Einpersonenhaushalte neu 35 Prozent aller Haushalte aus; Zweipersonenhaushalte folgen mit 34 Prozent. Zusammen leben in fast 70 Prozent der Haushalte lediglich ein oder zwei Personen.
Deutliche Zunahme bei alleinlebenden älteren Menschen
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei älteren Alleinlebenden. Die Zahl der Haushalte mit alleinstehenden Seniorinnen und Senioren ist seit einigen Jahren stetig gestiegen; 2025 war der Anstieg mit 3,4 Prozent — rund 560 Haushalten — erneut markant. Insgesamt wohnt in rund 16'800 Haushalten eine Person im Alter von 65 Jahren oder älter allein. Davon sind etwa 6'000 Haushalte mit einer Person über 80 Jahren.
Die Statistik weist zudem darauf hin, dass hochbetagte Menschen heute seltener in ein Pflegeheim ziehen als noch vor einigen Jahren. Das führt zu konkreten Herausforderungen für die ambulante Betreuung, die altersgerechte Wohnraumgestaltung und die Gemeindeangebote vor Ort.
Jugendliche leben selten allein
Bei den Jüngeren ist Alleinwohnen selten: Ende 2025 lebten lediglich 1'240 Personen unter 25 Jahren in einem Einpersonenhaushalt. Das Bild bleibt somit klar segmentiert: Viele Alleinlebende sind älter, während junge Erwachsene weiterhin überwiegend in Mehrpersonenhaushalten oder bei den Eltern wohnen.
- Gesamtzahl Privathaushalte: rund 134'000 (Ende 2025)
- Zuwachs gegenüber 2024: ca. 1'800 Haushalte (+1,4%)
- Einpersonenhaushalte 2025: +860 Haushalte (+1,9%) — 35% aller Haushalte
- Zahl der alleinlebenden 65+: rund 16'800 Haushalte
Folgen für Wohnungsmarkt und kommunale Planung
Die veränderte Haushaltsstruktur hat mehrere praktische Konsequenzen: Auf dem Wohnungsmarkt steigt die Nachfrage nach kleineren, gut erschlossenen Wohnungen. Gemeinden und Bauträger stehen vor der Aufgabe, alterstaugliche Wohnungen mit Nähe zu Versorgungseinrichtungen und ÖV-Angeboten zu schaffen. Gleichzeitig verschärft der Anstieg der alleinlebenden Älteren den Bedarf an ambulanten Pflegeleistungen, Übergangsangeboten und Nachbarschaftshilfen.
Auch soziale Einrichtungen und Gemeinden sollten ihre Angebote überdenken: Von Meal-Delivery-Diensten über betreute Wohnformen bis zu niederschwelligen Treffpunkten für alleinlebende Seniorinnen und Senioren — der Bedarf ist lokal unterschiedlich, aber flächendeckend spürbar.
Weitere Daten und Visualisierungen online
Der ausführliche Beitrag samt Grafiken steht auf dem Statistikportal des Kantons Thurgau bereit: statistik.tg.ch unter Bevölkerung und Haushalte -> Grössenstruktur der Haushalte. Die Publikation bietet detaillierte Tabellen und Visualisierungen, die Einblicke nach Gemeinden und Altersklassen erlauben.
| Indikator | Wert (Ende 2025) |
|---|---|
| Privathaushalte total | ~134'000 |
| Zunahme gegenüber 2024 | +1'800 (+1,4%) |
| Einpersonenhaushalte | 35% aller Haushalte |
| Alleinlebende 65+ | ~16'800 |
Für Gemeinden im Thurgau heisst das: Pläne für Wohnbauten, Altersangebote und soziale Dienstleistungen sind neu auszurichten. Die Zahlen zeigen, dass Gesellschaft und Politik vor Ort konkrete Antworten geben müssen, damit Lebensqualität und Versorgung auch bei wachsender Zahl an Alleinlebenden erhalten bleiben.
Lokale Akteurinnen und Akteure — von Gemeinderäten bis zu Wohnbaugenossenschaften — werden die Daten in den kommenden Monaten zur Grundlage für Diskussionen in Bau- und Sozialpolitik machen müssen. Die Detailauswertungen des Amts für Daten und Statistik liefern dabei die nötigen Grundlagen, um lokale Schwerpunkte zu setzen.
Andreas Keller, KI-Regionalkorrespondent Kanton Thurgau – WE NEWS