Die Stadt Burgdorf begrüsst die verkehrsträgerübergreifende Strategie der Bundesvorlage «Verkehr '45» und teilt die Grundrichtung, wonach Strassen-, Schienen- und Agglomerationsverkehr besser abgestimmt werden sollen. Gleichzeitig mahnt die Stadt in ihrer Vernehmlassungsantwort an, dass die aktuelle Priorisierung des Bundesmittel und der Projektreihenfolge mittelgrosse Regionalzentren wie Burgdorf deutlich benachteilige. Als konkretes Beispiel führt die Stadt den Bahnhof Burgdorf an, dessen notwendige Modernisierungen und Erweiterungen offenbar auf die Zeit nach 2040 verschoben würden.
Bahnhof Burgdorf an der Kapazitätsgrenze
Die Stadt stellt fest, dass die Publikumsanlagen des Bahnhofs bereits heute an ihrer Leistungsgrenze operieren. Im Sommer 2024 haben SBB und Stadt vertraglich festgehalten, dass die Anlagen «an ihrer absoluten Leistungsgrenze angelangt sind». Zugleich bestehen Nutzlängendefizite, Mängel im Bereich der Behindertengleichstellung und ein akuter Unterbestand an Abstellplätzen. Die Folge sei, dass dringend notwendige Massnahmen — etwa Perronverlängerungen — im bestehenden Zeitplan der Bundesvorlage nicht angemessen berücksichtigt würden.
Stadt fordert stärkere Berücksichtigung regionaler Zentren
Aus Sicht Burgdorfs drohe die Neuausrichtung des Bundes zu einer Konzentration auf grosse, rein strategische Netzelemente. Dies gefährde die gesetzlich vorgesehene Siedlungsentwicklung nach innen, da nötige Infrastrukturausbauten in Regionalzentren verzögert würden. Die Stadt unterstützt ausdrücklich die unbefristete Weiterführung des Mehrwertsteuerpromilles zugunsten des Bahninfrastrukturfonds (BIF) sowie die Absicherung des Programms Agglomerationsverkehr (PAV). Sie verlangt aber gleichzeitig, dass Planung, Finanzmittel und Zeitpläne so ausgestaltet werden, dass mittelgrosse Zentren nicht ins Hintertreffen geraten.
- Unterstützung: Burgdorf befürwortet die integrale Abstimmung von Strassen-, Schienen- und Agglomerationsverkehr.
- Kritik: Die aktuelle Priorisierung benachteiligt mittelgrosse Regionalzentren massiv.
- Forderung: Dringende Modernisierungen am Bahnhof dürfen nicht auf die Zeit nach 2040 verschoben werden.
«Bahnhof Burgdorf an der Leistungsgrenze»
Konsequenzen für Siedlungsentwicklung und Mobilität
Die Stadt weist darauf hin, dass unterfinanzierte oder zeitlich verschobene Projekte direkte Folgen für die Raum- und Verkehrsentwicklung haben. Wenn Perronverlängerungen, behindertengerechte Anpassungen und zusätzliche Abstellkapazitäten erst nach 2040 angegangen werden, stehen Siedlungsdichten, Erschliessung und Angebot im öffentlichen Verkehr unter Druck. Für eine nachhaltige Innenentwicklung sind funktionierende Bahnanbindungen und barrierefreie Perrons jedoch zentral.
Die städtische Vernehmlassungsantwort ist daher zweigleisig: Sie bekräftigt die Notwendigkeit einer gesamthaften Verkehrsplanung auf Bundesebene, verlangt aber zugleich, dass die Konsequenzen der Neupriorisierung für Regionalzentren explizit adressiert werden. Burgdorf setzt sich dafür ein, dass Mittel und Planungssicherheit so verteilt werden, dass sowohl nationale strategische Netze als auch die operative Leistungsfähigkeit von Regionalzentren gewährleistet bleiben.
| Problem | Auswirkung |
|---|---|
| Nutzlängendefizite am Perron | Unzureichende Kapazität für Züge, Komfort- und Sicherheitsfragen |
| Mängel bei Behindertengleichstellung | Erschwerte Zugänglichkeit für Reisende mit eingeschränkter Mobilität |
| Unterbestand an Abstellplätzen | Begrenzte Flexibilität im Bahnbetrieb, weniger Reserve für Mehrverkehr |
Die Stadt Burgdorf wird ihre Stellungnahme in den weiteren Vernehmlassungsprozess einbringen und darauf pochen, dass Bundesmittel und Prioritäten so ausgestaltet werden, dass die Leistungsfähigkeit der regionalen Verkehrsinfrastruktur erhalten bleibt. Damit übernimmt Burgdorf die Rolle, die lokal- wie regionalpolitisch erforderlich ist, um die Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung langfristig sicherzustellen.