Die Kantonspolizei Basel-Stadt hat einem Interview mit Kommandant Thomas Würgler nicht zugestimmt, nachdem die Redaktion ihre Fragen vorab eingereicht hatte. Der von der Redaktion geschilderte Ablauf weist auf eine medienpolitisch ungewöhnliche und in den Augen von Beobachtern heikel anmutende Praxis hin: statt inhaltlich auf die Fragen einzugehen, begrüsste die Medienabteilung das Vorgehen nicht und zog die Absprache zurück.
Chronologie eines abgebrochenen Gesprächs
Der Vorfall spielt sich vor dem Hintergrund eines schwierigen Jahres für die Kantonspolizei ab. Ein externer Untersuchungsbericht hatte in den vergangenen Jahren Vorwürfe von Sexismus und Rassismus innerhalb des Korps thematisiert; daraus resultierten personelle Wechsel und ein heftiger öffentlicher Diskurs. Kommandant Würgler, der ursprünglich ad interim eingesetzt worden war, hat sich seither nur selten öffentlich geäussert. Die Redaktion der bz strebte deshalb eine Zwischenbilanz und einen Ausblick an.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 8. Juli | Erste Interviewanfrage der Redaktion |
| 5. August | Erneute Nachfrage der Redaktion |
| 31. August | Vorschlag für Termin am 10. September |
| 9. September | Redaktion übermittelt ausführlichere Fragen |
| 10. September | Absage durch Medienabteilung; Interview nicht mehr zustande gekommen |
Die Medienabteilung liess die Redaktion wissen, dass ein Interview
„nicht per se zugesagt werden (könne), was denn die Themen seien?“sein werde. Nachdem die Redaktion – wie angekündigt – die Fragen einen Tag vor dem geplanten Treffen übermittelt hatte, erklärte die Behörde, die Fragen seien nicht zielführend und das Interview komme nicht zustande. Als Begründung nannte die Medienstelle, es laufe gerade viel und es sei etwas «vergessen gegangen». In der Folge kam es zu keiner Konkretisierung oder neuer Terminvereinbarung.
Was folgt aus dem Vorfall?
Die Weigerung, vorab übermittelte Fragen zu akzeptieren, ist ungewöhnlich, weil viele Interviews zwischen Journalisten und Behörden genau nach dieser Methode vorbereitet werden: Fragen im Voraus, um Zeit- und Informationsressourcen optimal zu nutzen und Missverständnisse zu vermeiden. Ein solches Vorgehen dient auch dem Schutz beider Seiten, etwa wenn komplexe rechtliche oder operative Sachverhalte erklärt werden müssen.
Im vorliegenden Fall wirft die Reaktion der Polizei mehrere Fragen auf:
- Wie definiert die Kantonspolizei ihre Medienstrategie nach den Vorwürfen und dem Untersuchungsbericht?
- Warum wurden die übermittelten Fragen als «nicht zielführend» beurteilt, ohne dies konkret zu benennen?
- Welche Konsequenzen hat dieser medienpolitische Stil für Transparenz und das Vertrauen der Bevölkerung?
Kontext: Aufarbeitung im Korps
Der Vorfall kommt zu einer Zeit, in der das Korps intern und extern beobachtet wird. Der Untersuchungsbericht von Staatsrechtsprofessor Markus Schefer hatte grosse Diskussionen ausgelöst. Der damalige Kommandant, der den Bericht in Auftrag gegeben hatte, trat zurück; die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates attestierte dem Korps zwar Fortschritte, betonte aber, dass weiterhin erhebliche Anstrengungen nötig seien. Vor diesem Hintergrund wäre ein öffentliches Gespräch mit dem aktuellen Kommandanten über Zielsetzungen, Massnahmen und die nächsten Schritte für viele Beobachter sinnvoll gewesen.
Die mediale Zurückhaltung des Kommandanten selbst ist nicht neu; Würgler hatte sich bisher nur selten öffentlich geäussert. Ein offener Austausch hätte Gelegenheit geboten, den Stand der Personalwechsel, Ausbildungs- und Führungsmassnahmen sowie die Umsetzung von Empfehlungen offen zu diskutieren.
Auswirkungen auf die Berichterstattung
Für Lokalmedien bedeutet die Absage, dass Informationen künftig auf anderem Weg beschafft werden müssen: aus parlamentarischen Vorstössen, Sitzungsprotokollen, Reaktionen von Politik und Zivilgesellschaft oder anonymen Quellen innerhalb des Korps. Das erschwert die direkte Rechenschaftspflicht und reduziert die Möglichkeit, Aussagen des Kommandanten unmittelbar zu verifizieren.
Gleichzeitig birgt die Weigerung Risiken für das öffentliche Vertrauen: Wenn Behörden Gespräche vermeiden, können Spekulationen und Misstrauen wachsen. Gerade eine Polizei, die sich in einem Prozess der Aufarbeitung befindet, muss Balance finden zwischen notwendiger interner Klärung und öffentlicher Rechenschaft.
Ausblick
Die Redaktion hat erneut um Stellungnahme gebeten und vorgeschlagen, die Themen in einem moderierten Rahmen zu behandeln. Ob die Kantonspolizei diese Offerte annimmt, bleibt offen. Unabhängig davon steht fest: Die Debatte über Transparenz, Kommunikationskultur und die Aufarbeitung innerhalb des Korps wird in Basel weitergehen.
Diese Entwicklung betrifft nicht nur die Polizei, sondern auch das Verhältnis zwischen Behörden und Medien in der Stadt. Basel ist eine Stadt, in der öffentliche Kontrolle und Ansprechbarkeit Teil der demokratischen Kultur sind. Der Umgang mit kritischen Fragen ist damit auch ein Gradmesser für institutionelles Selbstverständnis.