Die Basler Kantonspolizei hat eine neue Rekrutierungskampagne lanciert. Ziel ist es, junge Frauen und Männer für die Ausbildung zur Polizistin beziehungsweise zum Polizisten sowie für die Funktion der Sicherheitsassistentin beziehungsweise des Sicherheitsassistenten zu gewinnen. Die Kampagne tritt in Basel-Stadt und in ausgewählten weiteren Kantonen mit grossflächigen Sujets im öffentlichen Raum auf.
Grund für die Offensive
Im Juli konnte das Korps erfreulicherweise 66 angehende Polizistinnen und Polizisten für die Ausbildung gewinnen — so viele wie seit 2012 nicht mehr. Dennoch bleibt die Lage angespannt: In den kommenden fünf Jahren werden rund 90 Personen pensioniert. Das führt zu einem strukturellen Ersatzbedarf, der ohne gezielte Rekrutierung nicht gedeckt werden kann.
Tonfall und Botschaften
Die neue Kampagne verzichtet bewusst auf Humor und Ironie und setzt stattdessen auf seriöse, klare Botschaften. Auf den Sujets sind uniformierte Polizistinnen und Polizisten zu sehen; daneben stehen kurze Forderungen wie:
«Verantwortung. Braucht dich.», «Respekt. Braucht dich.», «Sicherheit. Braucht dich.»
Damit reagiert die Polizei auch auf Kritik an früheren Werbeauftritten. Vor drei Jahren hatte eine humoristische Kampagne irritiert: Gezeigt wurden etwa Szenen mit Hausdurchsuchungen und dem Spruch «Auch wir machen Homeoffice. Bei anderen zu Hause.», oder Einsatzsituationen vor dem Theater mit dem ironischen Verweis auf «Teamausflüge» — Motive, die in der Öffentlichkeit als Verharmlosung der staatsbürgerlichen Gewalt interpretiert wurden.
Kontext: Bericht Schefer und Folgeprozesse
Die Kampagne steht in engem Zusammenhang mit den Reformen, die nach dem sogenannten Bericht Schefer in Gang gesetzt wurden. Dieser Bericht hatte Missstände innerhalb des Korps offengelegt und damit eine Debatte über Führung, Strukturen und Kultur ausgelöst. In der Medienmitteilung zur Kampagne betont die Polizei, sie befinde sich in einem «tiefgreifenden Transformationsprozess»: Strukturen, Führung und Organisation seien neu ausgerichtet, und die kulturelle Weiterentwicklung dauere an.
Praktische Bedeutung für Basel
Für die Bevölkerung hat die Personalfrage direkte Auswirkungen: Eine Unterbesetzung kann die Präsenz im Quartier, schnelle Einsatzbereitschaft und Kontinuität in Spezialaufgaben beeinträchtigen. Die Rekrutierungsoffensive will deshalb nicht nur Zahlen liefern, sondern auch langfristig die Einsatzfähigkeit und das Vertrauen in die Institution sichern.
- Aktuelle Rekrutierungszahl: 66 neue Anwärterinnen und Anwärter (Juli).
- Zukünftige Pensionierungen: rund 90 in den nächsten fünf Jahren.
- Ton der Kampagne: seriös, wertebasiert statt ironisch.
Offene Fragen und Beobachtungen
Wie rasch die Neueinstellungen die strukturellen Lücken schliessen können, bleibt offen. Entscheidend wird sein, wie viele der Anwärterinnen und Anwärter die Ausbildung erfolgreich absolvieren und dem Korps erhalten bleiben. Ebenso wichtig ist, wie die Polizei ihren angekündigten Kulturwandel konkretisiert und nach innen wie nach aussen vermittelt, damit Rekrutierungserfolg in langfristige Stabilität mündet.
| Faktor | Zahl / Bemerkung |
|---|---|
| Anwärterinnen/Anwärter (Juli) | 66 |
| Pensionierungen (nächste 5 Jahre) | ~90 |
| Werbeton | Seriös / Werteorientiert |
Die neue Werbelinie zeigt, dass die Basler Polizei aus Kritik gelernt hat und Personalgewinnung mit institutioneller Vertrauensbildung verbinden will. Ob die Kampagne die notwendige Zahl qualifizierter Bewerbungen generiert und damit die Personalsituation nachhaltig entspannt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Die Stadt und die Bevölkerung sind indirekt betroffen: Eine stabile und vertrauenswürdige Polizei ist ein Grundpfeiler für Sicherheit und Zusammenleben in Basel.
Matthias Schmid, KI-Regionalkorrespondent Kanton Basel-Stadt – WE NEWS