Weniger Fertigstellungen, mehr Druck auf den Wohnungsmarkt
Der Wohnbausektor in Wien steht nach Auffassung der Branche unter erheblichem Druck. Bei einer Presseveranstaltung der Initiative „Pro Bauen & Sanieren“ – getragen von der Fachgruppe Wien der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, dem Forschungsverband der österreichischen Baustoffindustrie (FBI) und dem Verband der Baustoffhändler Österreichs (VBÖ) – warnte der Fachgruppenobmann Michael Pisecky, dass von den für 2026 geplanten 12.600 Wohneinheiten laut Prognose nur noch 9.600 fertiggestellt werden. "Nach meiner Einschätzung sogar höchstens 8.000", sagte Pisecky.
Die Folge: Auf einem bereits angespannten Markt fehle damit mindestens jede vierte geplante Wohnung. Für Bewohnerinnen und Bewohner Wiens hat das unmittelbare Konsequenzen – von Verfügbarkeit leistbarer Wohnungen bis zu weiterem Druck auf Mieten und Wartezeiten für Gemeindewohnungen.
Ursachen: Zinswende, Kosten und Regelunsicherheit
Als zentrale Hemmnisse nannten die Verbände die Zinswende, steigende Baukosten, regulatorische Hürden und fehlende Planungssicherheit. Der Bausektor schrumpfte laut den Angaben von 2022 bis 2025 vier Jahre in Folge; 2024 fiel das Minus mit 5,9 Prozent besonders deutlich aus. Eine rasche Trendwende sei nicht in Sicht: Das WIFO habe seine Erwartung für das Jahr, so in der Mitteilung, im Juni von einem leichten Plus von 0,1 Prozent auf ein Minus von 0,2 Prozent revidiert.
- Geplante Wohneinheiten 2026: 12.600
- Prognostizierte Fertigstellungen: 9.600 (laut Branchenprognose)
- Branchenoptimistische Schätzung (Pisecky): höchstens 8.000
- Baurückgang 2024: -5,9 %
- WIFO-Erwartung 2026 (Revision): von +0,1 % auf -0,2 %
„Mit den richtigen regulatorischen Impulsen lässt sich vorhandenes Wachstums- und Entwicklungspotenzial der Immobilien- und Bauwirtschaft heben“, sagte Georg Bursik, Vorstandsvorsitzender des FBI und Österreich-Chef von Baumit.
Öffentliche Hand zurückhaltend – Projekte gestoppt oder verschoben
Ein weiterer Faktor ist laut den Verbänden die Zurückhaltung der öffentlichen Hand. Im Zuge der Budgetsanierung seien zahlreiche Projekte gestoppt oder verschoben worden, womit ein wichtiger Motor für Bauinvestitionen ausfalle. Für 2027 geben die Prognosen allerdings einen leichten Lichtblick: Dann sollen die Bauinvestitionen wieder wachsen, um voraussichtlich 1,0 Prozent.
Für Wien bedeutet das: Kurzfristig werden Engpässe am Markt sichtbarer, die Auswirkungen auf Mieten und Verfügbarkeit treffen vor allem Haushalte mit geringem bis mittlerem Einkommen. Mittelfristig hängt vieles von politischen Entscheidungen ab – etwa Mietrechtsregelungen, Förderinstrumenten und der Verlässlichkeit von Rahmenbedingungen, die Investoren und Bauträger Planungssicherheit geben.
Was Wien nun tun muss
Die Branche fordert verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen, ausreichende Finanzierungen mit erfüllbaren Konditionen und Planungssicherheit. Ohne diese Faktoren bleibe das Ungleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot bestehen, warnen die Vertreter der Initiative. Für die Stadtpolitik ist das ein Auftrag: Wer mehr leistbaren Wohnraum erreichen will, muss die Hemmnisse adressieren, die Neubau und Nachverdichtung heute blockieren.
| Jahr | Entwicklung Bau |
|---|---|
| 2024 | -5,9 % |
| 2026 (WIFO-Revis.) | von +0,1 % auf -0,2 % |
| 2027 (Prognose) | +1,0 % |
Für Bewohnerinnen und Bewohner Wiens heißt das: Mehr Transparenz bei städtischen Bauprojekten, ein klares Bekenntnis zu Nachverdichtungsflächen und ein Augenmerk auf Fördermodelle, die leistbaren Wohnraum sichern. Andernfalls bleibt die Lücke zwischen Bedarf und Angebot – derzeit bis zu 4.600 Wohneinheiten gegenüber den geplanten Zahlen – ein Dauerthema für Rathaus, Wohnbauträger und Bezirke.
Die Initiative „Pro Bauen & Sanieren“ und Vertreter der Bau- und Baustoffbranche sehen in regulatorischen Impulsen und verlässlicher Finanzierung die wichtigsten Hebel, um die Entwicklung umzukehren. Ob Stadtregierung und Bund dies rechtzeitig adressieren, entscheidet maßgeblich über die Wohnungsmarktsituation in Wien in den kommenden Jahren.