Das Volkskundemuseum Wien hat einen großen Teil seiner Bestände online zugänglich gemacht: Unter sammlung.volkskundemuseum.at sind nun mehr als 23.000 digitalisierte Objekte abrufbar. Die Plattform, genannt Online Sammlung Plus, soll nicht nur als Katalog dienen, sondern als integraler Bestandteil der kuratorischen Arbeit und als Basis für künftige digitale Präsentationen.
Was die neue Online‑Sammlung zeigt
Das 1895 gegründete Volkskundemuseum verfügt insgesamt über umfangreiche Bestände: In Depots lagern ethnografische Objekte, Fotografien, Bücher und Archivmaterial. Die Online Sammlung Plus macht einen Teil dieser Vielfalt direkt für die Öffentlichkeit und für Forschende zugänglich. Nutzerinnen und Nutzer können Objekte betrachten, im wissenschaftlichen Kontext recherchieren und Fundstücke digital erkunden.
Zum Angebot zählen unter anderem:
- Alltagsgegenstände aus der Sammlung
- Fotografien und Textilien
- Bibliotheksbestände, Publikationen und Eigenverlage
- Archivalien und Dokumente
- Über hundert 3D‑Modelle, die eine Darstellung von allen Seiten erlauben
Bestandszahlen auf einen Blick
| Bestandsgruppe | Anzahl |
|---|---|
| Digital zugängliche Objekte | 23.000+ |
| Gesamte Objektsammlungen | 162.000 |
| Fotografien | 277.000 |
| Bücher | 152.000 |
| Archivmaterial (Laufmeter) | ≈570 |
Mehr als ein digitales Verzeichnis
Die Museumsleitung betont, dass die Plattform nicht bloß ein digitales Verzeichnis sei, sondern Teil der laufenden Sammlungsarbeit: Die Digitalisierung flankiert Forschung, Lehre und Vermittlung und schafft die Voraussetzungen für thematische Online‑Kurationen. Für Besucherinnen und Besucher bedeutet das: Selbst ohne einen Besuch vor Ort lassen sich Provenienz, Kontext und Materialität vieler Objekte nachvollziehen.
Besonders hervorzuheben sind die 3D‑Modelle, die für detaillierte Betrachtungen interessant sind — etwa für Restauratorinnen und Restauratoren, Studierende oder Lehrerinnen und Lehrer, die Anschauungsmaterial für den Unterricht suchen. Solche Modelle ermöglichen es, Form, Oberfläche und Konstruktion von Objekten aus unterschiedlichen Perspektiven zu studieren.
Praktische Bedeutung für Wien und Forschung
Für die Wiener Kulturlandschaft hat die Erschließung digitale Folgen: Archive werden zugänglicher, die Forschung beschleunigt sich, und auch Stadtteilprojekte oder Schulen können lokale Alltagskultur einbinden. Die Online Sammlung Plus bietet damit einen niederschwelligen Zugang zu volkskundlicher Forschung und zu materieller Kultur, die sonst in Depots verborgen bliebe.
Für Forschende bedeutet die Plattform vor allem bessere Auffindbarkeit von Quellmaterial. Für Lehrerinnen und Lehrer sowie Vermittlerinnen und Vermittler eröffnet sie Material für Projekte und Unterrichtseinheiten, ohne dass Kosten oder logistischer Aufwand für Exkursionen anfallen. Gleichwohl ersetzt die digitale Präsentation nicht den Besuch vor Ort, etwa um Materialbeschaffenheit oder Maßstab im Original zu erleben.
Ausblick und Nutzung
Das Volkskundemuseum sieht die Online Sammlung Plus als Grundlage für künftige digitale Ausstellungen. Nutzerinnen und Nutzer können die Bestände recherchieren, speichern und in ihrem eigenen Kontext weiterverwenden — innerhalb der gegebenen Rechte‑ und Lizenzbestimmungen. Gerade in Zeiten, in denen physische Präsenz nicht immer möglich ist, schafft eine gut dokumentierte digitale Sammlung stabile Zugangswege zum kulturellen Erbe.
Die Plattform ist öffentlich zugänglich; weitere Informationen und direkte Einblicke in die digitalisierten Bestände stehen unter sammlung.volkskundemuseum.at bereit.
Wer in Wien nach lokalen Bezügen zur materiellen Kultur sucht — ob für Schulprojekte, Forschung oder persönliche Neugier — findet mit der Online Sammlung Plus einen deutlich erweiterten Einstieg in die Bestände eines der ältesten volkskundlichen Häuser Mitteleuropas.