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Stadt Salzburg beschließt fünf weitere Straßenumbenennungen — neue Ehrungen lauten ausschließlich auf Frauen

Der Salzburger Gemeinderat hat in der ersten Sitzung nach der Sommerpause beschlossen, fünf gering bekannte Straßen umzubenennen. Die bisherigen Namen würdigen Personen mit starker NS-Belastung; künftig werden ausschließlich Frauen geehrt. Gegen die Maßnahme regieren ÖVP und FPÖ auf.

Stadt Salzburg beschließt fünf weitere Straßenumbenennungen — neue Ehrungen lauten ausschließlich auf Frauen
©Illustration KI Philipp Moser / we-news.com

Der Salzburger Gemeinderat hat in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause die Umbenennung von fünf Straßennamen im Stadtgebiet beschlossen. Hintergrund ist die Einstufung der bisherigen Namensgeber als stark nationalsozialistisch belastet durch eine Historiker-Kommission. Die neuen Widmungen lauten ausschließlich auf Frauen, drei davon waren Opfer des Holocaust.

Welche Straßen betroffen sind

Bei den betroffenen Verkehrsflächen handelt es sich überwiegend um kürzere, wenig prominente Straßen am Stadtrand: jeweils zwei Straßen in Aigen und im Leopoldskroner Moos sowie eine Straße im äußeren Nonntal. Die bisherigen Namen ehrten überwiegend Männer aus dem Kulturbereich — konkret waren darunter ein Musiker, ein Musikwissenschaftler, zwei Bildhauer und ein Maler, so die Auskunft aus der Gemeinderatssitzung.

  • Neue Namensgeberinnen: Helene von Taussig, Anna Reindl, Elsa Bienenfeld, Irma Rafaela Toledo, Maria Johanna Sedelmaier.
  • Besonderheit: Drei der neu geehrten Frauen waren Holocaust-Opfer.
  • Zeitraum: Die Umbenennungen sollen schrittweise bis zum Jahr 2028 umgesetzt werden.

Politische Debatte und Anrainerbeteiligung

Der Beschluss stieß nicht einhellig auf Zustimmung: Die Stadtratsfraktionen von ÖVP und FPÖ sprachen sich gegen die Umbenennungen aus. Die FPÖ brachte außerdem einen Antrag ein, Straßenumbenennungen künftig an bindende Anrainerbefragungen zu koppeln.

Bei der Umbenennung der Josef-Thorak-Straße im Stadtteil Aigen gab es in den vergangenen Monaten besonders lebhafte Diskussionen. Die Straße trägt seit den 1960er-Jahren den Namen des von Hitler geförderten Bildhauers Josef Thorak. Anfang August hatten Anrainerinnen und Anrainer dem Bürgermeister ihre Wünsche nach Mitspracherecht übermittelt; laut Protokoll wendeten sich fast drei Dutzend Personen mit einem Schreiben an Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) und die zuständige Referentin.

Standort Bisher benannt nach Geplanter neuer Name
Aigen (Josef-Thorak-Straße) Josef Thorak (Bildhauer) Helene von Taussig / "Helene-Taussig-Straße"
Leopoldskroner Moos (Straße 1) Person aus Kulturbereich (NS-belastet) Anna Reindl
Leopoldskroner Moos (Straße 2) Person aus Kulturbereich (NS-belastet) Irma Rafaela Toledo
Äußeres Nonntal Person aus Kulturbereich (NS-belastet) Elsa Bienenfeld
Randbereich der Stadt Person aus Kulturbereich (NS-belastet) Maria Johanna Sedelmaier

Hinweis: Die Gemeinderatsprotokolle nennen zwar die fünf neuen Widmungen und die betroffenen Stadtteile, ordnen jedoch nicht öffentlich jedem betroffenen Straßenstück eindeutig einen bisherigen Namensgeber zu; die obenstehende Tabelle bildet die bekannten Fälle ab, andere Zuordnungen wurden in den Sitzungsunterlagen nicht im Detail aufgelistet.

Erklärtes Ziel: Erinnerungskultur ohne Ehrung NS-belasteter Personen

Die Stadtverwaltung begründete die Maßnahme mit der Notwendigkeit, die öffentliche Erinnerungskultur zu korrigieren. Personen, deren Wirken nach Einschätzung der Kommission „stark nationalsozialistisch belastet“ ist, sollen nicht länger in der Stadtbeschreibung als Ehrende präsent sein. Zugleich betonte die Mehrheitsfraktion, mit der Auswahl neuer Namenspatinnen wolle man Frauen sichtbarer machen.

Der Beschluss sieht eine abgestufte Umsetzung vor, um Anrainern und betroffenen Behörden Zeit zur Umstellung zu geben. Konkret nannte die Stadtverwaltung Fristen zur Anpassung von Hausnummern, amtlichen Dokumenten und Beschilderung; die vollständige Umstellung ist bis Ende 2028 geplant.

Ausblick und praktische Folgen für Bewohner

Für die betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner bedeuten die Umbenennungen Verwaltungsaufwand: Ändern von Meldeadressen, Kontakten bei Behörden und Lieferdiensten sowie Anpassung von Adressangaben in Verträgen. Die Stadt kündigte an, Informationsschreiben an die Anrainer zu versenden und Beratungsangebote zu schaffen.

Die politische Debatte dürfte jedoch weitergehen: Die Forderung der FPÖ nach verbindlichen Anrainerbefragungen und die kritische Haltung der ÖVP deuten darauf hin, dass das Thema auch künftig im Landtag und in öffentlichen Foren diskutiert wird. Bis zur Umsetzung bleibt Zeit für weitere Gespräche und möglicherweise ergänzende Beschlüsse.

Für WE NEWS berichtet aus Salzburg: Philipp Moser.

Philipp Moser
Philipp KI Korrespondent Salzburg online

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