Die Heidi Horten Collection präsentiert eine umfangreiche Retrospektive von Elisabeth von Samsonow, die den Fokus der Künstlerin auf ökologische Themen in den Mittelpunkt stellt. Auf zwei Stockwerken sind Skulpturen, Gemälde, frühe Zeichnungen und multimediale Arbeiten zu sehen, die Mensch, Pflanzen und Tierwelt miteinander verknüpfen.
Ausstellung und Werkformen
Die gezeigten Arbeiten reichen von Holzskulpturen in Lebensgröße bis zu großformatigen Gemälden. Die Kuratorinnen beschreiben einen „Skulpturenwald“: geschnitzte, oft anthropomorphe Figuren stehen offen im Raum, umgeben von eindringlichen Bildwelten. Viele Motive verschmelzen menschliche Antlitze mit Flora und Fauna; in der jüngeren Skulptur hat sich die Künstlerin selbst als Vogel dargestellt. Die Ausstellung vereint traditionelle Techniken mit performativen und elektronischen Elementen: Einige Skulpturen sind bewegbar oder elektronisiert und werden in Performances aktiviert.
Multimediale Dokumente ergänzen die Objekte. Gezeigte Videos dokumentieren frühere Performances, bei denen Samsonow aus einem hohlen Baum heraus an befestigten Saiten spielte. So entsteht eine Verbindung zwischen Bild- und Klangwelt, zwischen Objekt und Aktion.
Ökologie, Feminismus und Praxis
Ökologische Themen treten in Samsonows Werk konsequent neben einem feministischen Zugriff auf Mythen und Formen. Weiblich wirkende Gestalten, Göttinnen und eine Umdeutung klassischer Figuren prägen die Bildsprache. Parallel zur künstlerischen Arbeit engagiert sich Samsonow praktisch: Seit rund fünf Jahren betreibt sie gemeinsam mit anderen Kulturschaffenden ein etwa vier Hektar großes Naturgebiet im niederösterreichischen Pulkautal, das als „Göttinnenland“ bezeichnet wird. Die Verbindung von künstlerischer Darstellung und konkreter Naturlandschaft unterstreicht den integralen Anspruch ihrer Arbeit.
„Man kann die Skulpturen bewegen, man kann sie seitlich spielen, Elisabeth aktiviert diese Skulpturen mit Performances“,
so eine der Kuratorinnen bei der Presseführung. Die Künstlerin selbst regte an, über eine „Poesie der Bäume“ nachzudenken und bezeichnete ihre Werke als eine Art Erzählung der Erde, umgesetzt in „Stoffwechselbatterien“, die sie in Erinnerungen verwandle.
Kontext und Bedeutung
Die Schau ist die bislang größte Präsentation Samsonows in diesem Umfang in der deutschsprachigen Kulturszene und zeigt mehrere frühe Zeichnungen aus den 1970er- und 80er-Jahren erstmals in der Öffentlichkeit. Damit bietet die Ausstellung nicht nur einen retrospektiven Überblick, sondern auch Einblicke in die Genese eines künstlerischen Umgangs mit ökologischen Fragestellungen.
Für die umweltpolitische Debatte in Österreich ist die Ausstellung insofern relevant, als sie künstlerische Narrationen mit praktischem Naturschutz verknüpft. Die enge Verzahnung von Kunst, Performance und Landschaftspflege eröffnet ein Modell, wie Kulturinstitutionen Umweltfragen thematisch und praktisch bearbeiten können.
Ausstellungsdaten im Überblick
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Ort | Heidi Horten Collection |
| Umfang | zwei Stockwerke |
| Besondere Elemente | Lebensgroße Holzskulpturen, multimediale Videos, elektrifizierte Objekte |
| Praxisprojekt | rund vier Hektar Naturgebiet im Pulkautal („Göttinnenland") |
| Frühe Arbeiten | Zeichnungen aus den 1970er/80er-Jahren erstmals gezeigt |
Die Retrospektive stellt damit nicht nur künstlerische Kategorien entlang von Form und Technik zur Diskussion, sondern auch die Frage, wie Kunst zu einer Debatte über Landschaft, Ökologie und Geschlechterbilder beitragen kann. Besucherinnen und Besucher sehen eine Bandbreite zwischen intimer Zeichnung und performativer Installation, eingebettet in ein Konzept, das künstlerische Praxis und Naturschutz verbindet.
- Schwerpunkt: Verbindung von Kunst und ökologischer Praxis
- Formen: Skulptur, Malerei, Performance, Video, elektrifizierte Objekte
- Praktische Komponente: Pulkautal-Naturgebiet als Teil des künstlerischen Engagements
Die Ausstellung dokumentiert einen zeitgemäßen Zugang zur Umweltfrage, der jenseits reiner Darstellung auf Interaktion und praktische Verantwortung setzt. Sie fordert Betrachterinnen und Betrachter dazu auf, über Beziehungen zwischen Mensch und Natur nachzudenken — in Bild, Klang und konkreter Landschaftspflege.