Der Kunstpalast in Düsseldorf zeigt ab dem 25. September eine umfangreiche Retrospektive des Malers Jörg Immendorff. Geplant sind laut Ankündigung des Hauses rund 120 Werke, die bis zum 10. Jänner im Ehrenhof zu sehen sein werden. Die Schau will alle wichtigen Phasen seines Schaffens erfassen – von den Studienzeiten an der Kunstakademie bis zu den späten Atelierarbeiten.
Rückkehr an den Ort des Schaffens
Für Immendorff, der von 1945 bis 2007 lebte und 2007 im Alter von 61 Jahren an der Nervenkrankheit ALS starb, ist die Düsseldorfer Präsentation eine Art Rückkehr: erstmals wird sein Gesamtwerk in größerem Umfang an dem Ort gezeigt, an dem er über Jahrzehnte lehrte und wirkte. Immendorff zählte Ende des 20. Jahrhunderts zu den international beachteten deutschen Künstlern seiner Generation.
Politische Aktion, Breite des Werks
Bekannt wurde er in frühen Jahren auch durch politisch aufgeladene Aktionen: 1968 sorgte Immendorff für Aufsehen, als er sich vor dem Bundestag in Bonn einen schwarz-rot-goldenen Klotz ans Bein band und dort bis zum Eingreifen der Polizei auf und ab lief. Als Schöpfer großformatiger, gesellschaftskritischer Malerei sind unter anderem die 16 Leinwände der Serie „Café Deutschland“ hervorgehoben, die sein Interesse an politischen Themen und Narration im Bild unterstreichen.
- 120 Werke in der Ausstellung
- Zeitraum: 25. September bis 10. Jänner
- Schwerpunkte: Akademie-Anfänge, Aktionskunst, „Café Deutschland“, Spätwerk
Lehre und frühere Würdigungen
Immendorff war ab 1996 Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie – eine Position, die seine Rolle als prägende Figur der lokalen und nationalen Kunstszene festigte. Bereits 2018 widmete das Haus der Kunst in München dem Künstler eine Retrospektive; die aktuelle Schau in Düsseldorf ergänzt diese Perspektive, indem sie die Verknüpfung von Werk, Lehre und Wirkungsort stärker in den Blick nimmt.
| Jahr | Station | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1945 | Geburt | Geburtsjahr des Künstlers |
| 1968 | Aktionskunst | Politische Aktion vor dem Bundestag |
| 1996 | Professur | Lehre an der Düsseldorfer Kunstakademie |
| 2007 | Tod | Verstorben an ALS im Alter von 61 Jahren |
| 2018 | Retrospektive | Haus der Kunst München zeigte umfassende Schau |
Die Ausstellung im Kunstpalast verspricht, nicht nur die bekannten Politbilder, sondern auch weniger beachtete Werkgruppen und späte Atelierarbeiten zu zeigen. Damit eröffnet sich für das Publikum die Chance, Immendorffs künstlerische Entwicklung in ihrer ganzen Komplexität zu verfolgen: von provokativen Aktionen über politisch aufgeladene Bildzyklen bis hin zu intimeren, späteren Bildern.
Aus kunsthistorischer Sicht ist eine solche Retrospektive bedeutsam, weil sie das Verhältnis zwischen künstlerischem Schaffen und institutioneller Verortung untersucht. Immendorffs Rolle als Lehrender an der Akademie, seine öffentliche Wirkung durch Aktionen und seine Präsenz in Ausstellungen wie in München werden nun an seinem zentralen Wirkungsort zusammengeführt.
Für Besucherinnen und Besucher entsteht damit ein Panorama, das die Vielschichtigkeit eines Künstlers dokumentiert, der in der bundesdeutschen Kunstgeschichte des späten 20. Jahrhunderts eine herausragende Stellung innehat. Die Schau im Kunstpalast dürfte daher nicht nur für Fachpublikum, sondern auch für eine breitere Öffentlichkeit von Interesse sein.