Salzburg weist im Jahr 2025 mit 12,4 Fehltagen pro erwerbstätiger Person den niedrigsten Krankenstand aller Bundesländer auf. Das geht aus aktuellen Daten der Statistik Austria und dem WIFO-Fehlzeitenreport 2026 hervor. Der österreichweite Durchschnitt liegt bei 14,7 Tagen, Niederösterreich bildet mit 17,0 Tagen das Schlusslicht.
Rückgang der Dauer von Krankenständen
Nicht nur regional, sondern auch national ist ein langfristiger Trend zu kürzeren Krankenständen erkennbar: Die mittlere Dauer lag 2025 bei 9,1 Tagen pro Krankenstand, dem niedrigsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 1965 (damals: 18,6 Tage). Für Salzburg bedeutet die Kombination aus wenigeren Ausfalltagen und einer niedrigeren Krankenstandsquote einen Vorsprung gegenüber dem Bundesdurchschnitt.
Warum Salzburg an der Spitze liegt
WIFO-Expertinnen und -Experten führen den Salzburger Spitzenplatz vor allem auf die Wirtschaftsstruktur zurück: Salzburg hat einen hohen Anteil an Dienstleistungs- und Tourismusbetrieben, während Regionen mit stärkerer Industrie und mehr körperlicher Arbeit tendenziell höhere Krankenstände ausweisen. Leichtere körperliche Belastungen in vielen Salzburger Branchen würden demnach zu weniger krankheitsbedingten Ausfällen führen.
Ökonomische und gesellschaftliche Risiken
Die niedrigen Zahlen stoßen jedoch nicht nur auf Zustimmung. Gewerkschaften und die Arbeiterkammer warnen vor einem wachsenden Phänomen: dem Präsentismus — Beschäftigte gehen trotz Krankheit zur Arbeit, anstatt sich auszukurieren. Präsentismus kann kurzfristig die Anwesenheit stabilisieren, langfristig aber Produktivität senken, Genesungszeiten verlängern und die Ansteckungsgefahr erhöhen.
- Salzburg: 12,4 Fehltage pro Jahr, Krankenstandsquote 3,4 %
- Österreich gesamt: 14,7 Fehltage, Krankenstandsquote 4,0 %
- Niederösterreich: 17,0 Fehltage, Krankenstandsquote 4,6 %
Was die Zahlen nicht zeigen
Die Statistiken geben keinen direkten Aufschluss darüber, wie viele Fehlzeiten arbeitsbedingt oder arbeitsunabhängig sind, wie lange Berufsrückkehrer tatsächlich benötigen, um volle Leistungsfähigkeit zu erreichen, oder in welchem Ausmaß Kurzarbeit, Teilzeit und Saisonschwankungen in Tourismusbetrieben die Zahlen beeinflussen. Ebenso fehlen in den aggregierten Werten qualitative Informationen über Arbeitsbedingungen, Betriebsklima oder Zugang zu Gesundheitsangeboten.
| Region | Fehltage (Durchschnitt) | Krankenstandsquote |
|---|---|---|
| Salzburg | 12,4 | 3,4 % |
| Österreich | 14,7 | 4,0 % |
| Niederösterreich | 17,0 | 4,6 % |
Folgen für Betriebe und Politik
Für Unternehmen bedeuten geringere Fehlzeiten einerseits niedrigere kurzfristige Ausfallkosten, andererseits aber auch das Risiko, dass kranke Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter längerfristig geschwächt sind oder Ansteckungen innerbetrieblich weitergegeben werden. Für die Landespolitik stellt sich die Frage, wie Gesundheitsschutz, Präventionsangebote und betriebliches Gesundheitsmanagement gefördert werden können, ohne die Arbeitsfähigkeit unnötig einzuschränken.
Wichtige Handlungsfelder
Fachleute nennen mehrere Ansatzpunkte, um die Balance zwischen Anwesenheit und Gesundheit zu finden:
- Stärkung betrieblicher Gesundheitsprogramme und Prävention
- Klares Signal gegen Präsenzdruck durch Führungskräfte
- Flexiblere Arbeitszeitmodelle zur besseren Vereinbarkeit von Krankheit und Beruf
Die veröffentlichten Zahlen liefern eine wichtige Datengrundlage, doch um die Ursachen und Folgen niedriger Fehltage in Salzburg umfassend zu verstehen, sind weiterführende Analysen nötig, die Branchen, Beschäftigungsformen und betriebliche Rahmenbedingungen differenzierter betrachten. Bis dahin bleibt Salzburg in der Statistik Spitzenreiter — mit Chancen für die Wirtschaft, aber auch mit Risiken für die gesundheitliche Nachhaltigkeit der Belegschaften.